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Norddeutsche Neueste Nachrichten

14. Dezember 2017 | 05:32 Uhr

Anklage fordert vier Jahre Haft für Fleischer

vom

svz.de von
erstellt am 17.Jan.2012 | 08:41 Uhr

Rostock | Vier Jahre Freiheitsstrafe für den Fleischer Heinrich Sch. - das hat gestern die Rostocker Staatsanwaltschaft gefordert. Dem 62-Jährigen wird versuchter Totschlag zur Last gelegt. Im Juli vergangenen Jahres kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Sch. und seiner Partnerin Britt S. (44). Der Streit eskalierte, der Fleischer stach mit einem Gartenmesser fünfmal auf sie ein.

Eine Tötungsabsicht bestritt der Angeklagte aber. Auch für die Verteidigung handelte es sich lediglich um eine Körperverletzung. Sie beantragte für ihren Mandanten drei Jahre und neun Monate Haft. Der Nebenklägervertreter blieb beim versuchten Totschlag. Mindestens vier Jahre Freiheitsentzug lautete sein Antrag.

Keine Meinungsverschiedenheiten gab es bei der gestrigen Verhandlung über den Tatablauf am frühen Abend des 7. Juli 2011. Im Garten des Einfamilienhauses von Sch. in Reutershagen trafen gegen 19 Uhr das spätere Opfer und der gemeinsame Freund Gerd Sch. (47) ein. Die 44-Jährige wollte ihre Sachen holen, um die Partnerschaft mit dem Angeklagten zu beenden. Dieser hatte nach eigenen Angaben etwa vier bis fünf Bier und eine Flasche Apfelkorn getrunken. Auch Britt S. und ihr Begleiter waren in den Genuss von einigen Gläsern Wein und Altstädter Klarem gekommen und nicht mehr nüchtern. Beim Streit griff Sch. zum Gartenmesser, das im Rasen steckte, und stach fünfmal auf seine Partnerin ein.

Zwei Nachbarinnen des Angeklagten hörten den Streit. Mit Rufen wie "Ich bring dich um, ich bin Fleischer, ich steche dich ab wie ein Schwein und schlitz dir die Kehle auf" habe Sch. auf Britt S. eingestochen. Diese erwiderte "Stich doch zu, ich habe keine Angst". Wenig später rief das Opfer nach Hilfe. Die Zeuginnen berichten weiter, dass sich der Angeklagte weigerte, für sein Opfer den Notarzt zu rufen. Das machte dann die Verletzte selber, die noch am Abend notoperiert werden musste. Drei der Messerstiche hatten den Oberbauch getroffen und dabei die Leber und den Dünndarm verletzt, bestätigte gestern der behandelnde Chirurg. Unbehandelt wäre besonders die Darmverletzung lebensgefährlich gewesen.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung folgten in ihren Plädoyers den Gutachten der beiden Sachverständigen Dr. Jörg Rummel und Dr. Stefan Orlob, wonach der Angeklagte zur Tatzeit einen mittleren Rausch hatte und Merkmale einer verminderten Steuerungsfähigkeit vorhanden waren. Die Gutachten widerlegten jedoch die Notwehrdarstellung des Angeklagten, die sogar sein Anwalt zurückwies. Der Nebenklägervertreter äußerte Zweifel an der verminderten Schuldfähigkeit des Angeklagten. Er begründete sein Festhalten an dem versuchten Totschlag damit, dass der Angeklagte den Tod des Opfers billigend in Kauf nahm, weil er Britt S. nicht half, sondern im Gegenteil, noch zweimal zustach, als sie schon auf der Flucht war. Echte Reue konnte Heinrich Sch. nicht bescheinigt werden, auch kein umfassendes Geständnis. Zu seinen Gunsten wurde sein Wiedergutmachungswille sowie seine bisherige Straffreiheit gerechnet. So sei er bereit, ein Schmerzensgeld von 10 000 Euro zu zahlen. In seinem Schlusswort äußerte der Angeklagte sein Bedauern über das Geschehen. Am 25. Januar wird das Urteil verkündet.

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