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Angriffe auf Gentechnik: Firma will Versuche fortsetzen

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erstellt am 11.Jul.2011 | 07:01 Uhr

Groß Lüsewitz | Nach dem Anschlag auf Gentechnik-Versuchsfelder bei Groß Lüsewitz nahe Rostock haben Naturschützer gestern dort friedlich gegen Versuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen demonstriert. Auf Transparenten forderten sieben mit Schutzanzügen bekleidete Aktivisten der Grünen, die Tests mit Kartoffeln und Weizen zu stoppen. Die Geschäftsführerin der Firma Biovativ, Kerstin Schmidt, kündigte an, die Versuche fortsetzen zu wollen. Gestern Früh waren im Schaugarten Üplingen in Sachsen-Anhalt ebenfalls mehrere Biovativ-Gentechnik-Versuchsfelder zerstört worden.

Bei der schon länger geplanten Protestaktion der Rostocker Grünen in Groß Lüsewitz sagte deren Sprecherin Claudia Schulz, die Gentechnik sei eine Risikotechnologie, die nicht beherrschbar sei. Das Erbgut der Pflanzen streue sich unkontrolliert in die Umwelt, durch gentechnische Veränderungen entstehe so massiv resistentes Unkraut, und es steige die Zahl der Pilzinfektionen an Pflanzen. Von der gewaltsamen Zerstörung von Versuchsfeldern distanzierten sich die Grünen: "Ich kann das verstehen, aber nicht billigen", sagte Schulz.

Laut Polizei entstand auf den Feldern ein Sachschaden von 250 000 Euro. Die bislang unbekannten Täter hatten einen zum Schutz der Felder eingesetzten Wachmann in seinem Wachhäuschen festgehalten und ihm das Handy weggenommen. Dann rissen sie Kartoffeln und Weizen aus dem Boden. In Üplingen hatten laut Polizei zehn bis zwölf Vermummte zunächst zwei Wachmänner attackiert und bedroht. Dann hätten sie Kartoffelpflanzen herausgerissen, Getreide und Mais niedergetreten. Wie in Groß Lüsewitz wurden den Wachmännern die Handys abgenommen. Die Ermittler vermuten einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen.

Biovativ-Geschäftsführerin Kerstin Schmidt zeigte sich geschockt, die Versuche sollen jedoch weitergehen. "Ich würde es extrem bedenklich finden, wenn man sich durch solche militanten Aktionen davon abbringen ließe", sagte Schmidt. Von der Landesregierung erwartet sie jetzt einen klaren Standpunkt zur sogenannten grünen Gentechnik. Die Geschäftsfüherin wies zugleich die Kritik der Grünen zurück. Biovativ züchte keine Pflanzen, die etwa extremen Pilzbefall auslösten.

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) forderte eine gewaltfreie Auseinandersetzung zum Thema Gentechnik. Der Agrarexperte der Linksfraktion, Fritz Tack, verurteilte die Zerstörungen als "kriminellen Akt", der durch nichts zu rechtfertigen sei. Die SPD-Landtagsabgeordnete Ute Schildt sagte, Anschläge seien "kein Mittel der sachlichen politischen Auseinandersetzung".


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