Aufreger des Tages : Angler wehren sich gegen 1000-Meter-Grenze

Steven Vökler, Angler aus Rostock: „Ich befürchte, dass einige Bürokraten überhaupt nicht informiert sind und noch nie im Schlepperboot gesessen haben. Das führt zu Fehlentscheidungen.“
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Steven Vökler, Angler aus Rostock: „Ich befürchte, dass einige Bürokraten überhaupt nicht informiert sind und noch nie im Schlepperboot gesessen haben. Das führt zu Fehlentscheidungen.“

Sportfreunde warnen vor übereilten Entscheidungen und setzen auf einen Dialog.

svz.de von
27. Dezember 2013, 06:00 Uhr

Jahr für Jahr zieht es zahlreiche Angelgäste nach Warnemünde. Brandungsangeln und Schleppangeln sind neben dem Kutterangeln eine beliebte Urlaubsattraktion und füllen die Tourismuskassen.

Allerdings ist die gute Laune bei den einheimischen Anglern zum Jahresende getrübt. Die Schleppangler sollen auf den ersten 1000 Metern auf See künftig ein Fangverbot in Kauf nehmen. ,,Was sollen wir dort? Der Edelfisch, auf dessen Fangmethoden wir uns spezialisiert haben, befindet sich auf 300 bis 500 Meter in Strandnähe“, sagt Angler Horst Stark aus Groß Klein. Eine von ihm privat organisierte Protest-Aktion am Warnemünder Alten Strom konnten die Angler jüngst aufgrund der Wetterbedingungen nicht durchführen. Sie sollte helfen, auf die Problematik öffentlich aufmerksam zu machen.

Denn eigentlich ist sogar keiner der Angler so richtig informiert, warum eine Änderung der jetzigen Fischereiverordnung im Gespräch ist. Es sollen Überlegungen angestellt werden, Meeresforellen und Lachs zu schützen. ,,Der Bestand an Meeresforellen ist aber explosionsartig gestiegen“, so Horst Stark. Er verweist zusätzlich auf die Spenden, die regelmäßig vom Bootanglerclub für den Bestand der Meeresforelle gesammelt werden. So sollen im vergangenen Jahr rund 40 000 Euro bundesweit an Küsten und Gewässern in die Aufzucht des Edelfisches investiert worden sein. Meeresforellen und Lachse tummeln sich in den Bereichen, wo auch die Fischer ihre Stellnetze anbringen. Hier vermutet Angler Steven Vökler aus Rostock, dass sich eventuell die Fischer über unerwünschten Beifang beschwert haben könnten. Denn die verwendeten Blinker bleiben des Öfteren von den Brandungs- und Schleppanglern in den Netzen hängen und tragen zu Verletzungen der Fischer beim Einholen der Netze bei. ,,Die Blinker sind allerdings in der Anschaffung sehr teuer, sodass ein leichtfertiger Umgang generell ausgeschlossen ist“, so Steven Vökler.

Darin, dass die Stellnetze teilweise unsachgemäß gekennzeichnet sind und beim Überfahren mit den Booten oft beschädigt oder die Köder der Schleppangler abgerissen werden, sieht Jörg Bellmann das Hauptproblem. ,,Was man nicht sieht, kann man auch nicht großzügig umfahren“, sagte der 48-jährige Vorsitzende des Anglervereins Rostock Nord-West. Er wünscht sich bessere Markierungen laut Küstenfischereiverordnung oder regelmäßige Kontrollen der Stellnetze.

Generell dürfte die Verbannung der Schleppangler auf die Ostsee zusätzlich einige Probleme mit sich bringen. ,,Die Ostsee ist kein Ententeich. Urlauber und Binnenfischer, die keine Ostsee-Erfahrung haben, werden mit ihren Gummi-Booten bei einer neuen Regelung ein Fall für die Seenotretter“, warnt Jörg Bellmann vor übereilten Entscheidungen.



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