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Aus dem Gericht : Angeklagter erhöht Haft durch Revision

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Jan S. (39) muss nach erneutem Urteil fünf Monate länger ins Gefängnis

Die Haftstrafe von einem Jahr und elf Monaten, zu der Jan S. gestern vom Landgericht Rostock verurteilt wurde, ist länger als die der ersten Instanz im Oktober 2014. Wäre er nicht in Revision gegangen, hätte sich S. also fünf Monate Haft erspart. Der 39-Jährige war Komplize von Christian Sch. (36), der gestern wegen räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt wurde. Auch er war nach dem ersten Urteil in Revision gegangen – die Strafe blieb gleich.

Die Angeklagten hatten sich am 19. März 2014 mit Bekannten, darunter Enrico W. (33) und das spätere Opfer Toni N. (34) in der Wohnung von Christian Sch. in Evershagen getroffen und Alkohol getrunken. Der Streit begann, als Toni N. Bier verschüttete. Christian Sch. versetzte ihm einen gewaltigen Faustschlag ins Gesicht, stieß sein Opfer in die Stubenecke und schloss die Wohnung ab. Danach hagelte es Schläge und Tritte, an denen sich auch Jan S. beteiligte. Christian Sch. hatte inzwischen feste Arbeitsschuhe angezogen und trat N. immer wieder ins Gesicht und auf den Oberkörper. Dann nahm er den Gürtel seines Bademantels und strangulierte den 34-Jährigen, sodass sein Hals knackte und er keine Luft mehr bekam. Er schnitt dem Opfer mit der Schere ins Ohrläppchen und zwang ihn, das Blut aufzuwischen. Außerdem forderte er N. auf, ihm 500 Euro zu geben und einen Schuldschein zu unterschreiben.

In den frühen Morgenstunden des 20. März wurde Enrico W. losgeschickt, Bier zu holen. Das nutzte Toni N. zur Flucht. Er ließ sich aus zwölf Metern Höhe am Regenrohr des Hauses auf die Straße hinab. N. erlitt starke Prellungen im Gesicht und Verletzungen an den Zähnen. Bis heute ist er psychisch beeinträchtigt.

Die Verteidiger hatten ihren Revisionsantrag 2014 mit Zweifeln an der Feststellung des Gerichts begründet, die in der Tatnacht genossene Alkoholmenge hätte keinen entscheidenden Einfluss auf die Angeklagten gehabt, wie das medizinische Gutachten besagte. Der Bundesgerichtshof bestätigte den Schuldspruch, forderte aber eine nochmalige Prüfung der Alkoholauswirkung. Ein zweiter Sachverständiger kam aber zum selben Schluss. Enrico W. muss sich einem neuen Verfahren stellen. Er war in 2014 freigesprochen worden, da er sich an den Taten nicht beteiligt hätte. Der BGH hob dieses Urteil ebenfalls auf. Rechtsanwalt Jens Kasch legte bereits gestern im Auftrage von Christian Sch. Revision gegen das neue Urteil ein.

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