Angärtnern bei Minusgraden

<strong>Wenn der Schnee schmilzt, kann es richtig losgehen:</strong> Regina Möller und Tochter Magdalena Struwe haben sich ihr Beet schon jetzt ausgesucht und planen, was sie anbauen. <foto>Dana Bethkenhagen</foto>
1 von 2
Wenn der Schnee schmilzt, kann es richtig losgehen: Regina Möller und Tochter Magdalena Struwe haben sich ihr Beet schon jetzt ausgesucht und planen, was sie anbauen. Dana Bethkenhagen

svz.de von
17. März 2013, 06:01 Uhr

Südstadt | Noch liegen die Beete des Interkulturellen Gartens unter einer zentimeterdicken Schneedecke begraben, doch schon bald sollen hier wieder Erdbeerpflanzen blühen, Möhren wachsen und Kräuter wuchern. In den vergangenen Jahren hat sich der Acker in der Erich-Schlesinger-Straße 21a zu einer richtigen Grünoase entwickelt, die zum Treffpunkt für alle in Rostock lebenden Nationalitäten geworden ist. Gestern Vormittag trafen sich dort die hartgesottenen Hobbygärtner bei minus einem Grad Celsius zum offiziellen Angärtnern und feierten am Lagerfeuer positive Neuigkeiten: Der Garten darf weitere zwei Jahre am bisherigen Standort bleiben. Der Projekt-Koordinatorin, Regine Staiger, liegt nun nach Monaten des Wartens eine entsprechende schriftliche Erklärung der Hansestadt Rostock vor. "Ende Juni soll außerdem geprüft werden, ob wir auch dauerhaft hier bleiben können", so Staiger.

Darüber freuen sich auch Regina Möller und Tochter Magdalena Struwe. Denn seit mehr als einem halben Jahr überlegen die beiden schon, ob sie nicht auch eines der Beete bewirtschaften sollen. Gestern entschieden sie sich schließlich dafür und suchten sich sogleich ihr kleines Areal aus. Für Möller geht es nicht allein um das Gärtnern, sondern vielmehr darum, neue Leute aus verschiedenen Herkunftsländern kennenzulernen und Gemeinschaft zu erleben. "Die Hälfte unserer Mitglieder sind Deutsche, die andere Hälfte bilden Menschen aus 22 verschiedenen Nationen, zum Beispiel Indien, Ghana, Norwegen, Japan, Palästina, Litauen oder Russland", sagt Staiger. Sie alle kommen aus unterschiedlichen sozialen Milieus. "Es sind viele Asylanten dabei, aber auch Menschen, die an der Uni arbeiten oder im Interkulturellen Garten ihre große Liebe gefunden haben und darum kommen", so Staiger. Mit den Jahren ist eine große Solidarität entstanden. Wenn einem Garten-Mitglied die Abschiebung droht, so findet er bei den anderen Unterstützung und Verständnis.

Für Magdalena, die gestern schon ganz aufreget und voller Vorfreude war, geht es jetzt erst einmal um den gärtnerischen Erfolg: "Ich möchte Mohrrüben anbauen und später selbst essen." Außerdem möchte die Schülerin noch viel mehr über Pflanzen lernen und vielleicht auch einige Freundschaften zu anderen Kindern schließen. Auf die internationale Erfahrung ist die Neunjährige gut vorbereitet, denn ein paar Wörter und Sätze in Englisch beherrscht sie schon. Doch Verständigung im Interkulturellen Garten funktioniert auch anders - mit Händen und Füßen.

Auch wenn gestern zum offiziellen Angärtnern der Spaten noch nicht zum Einsatz kommen konnte, so war der Vormittag dennoch ein Erfolg. Einige Interessenten schauten am Lagerfeuer vorbei, um das Projekt näher kennenzulernen und sich schon mal ein Beet zu reservieren. Denn wenn der Schnee endlich geschmolzen ist, soll es wieder so richtig losgehen. Am Mittwoch, 20. März, geben Experten in der Erich-Schlesinger-Straße 20a um 16 Uhr schon einmal praktische Gartentipps.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen