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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. August 2017 | 21:42 Uhr

Rostock : An den Tatorten der Sprayer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Jürgen Burow ist Graffiti-Experte der Rostocker Polizei und will sich bei einer Pforzheimer Initiative gegen illegale Schmierereien Tricks abgucken

Er bezeichnet sich als Sozialarbeiter: Polizist Jürgen Burow, Sachbearbeiter für Jugendkriminalität, beschäftigt sich seit 15 Jahren mit dem Thema Graffiti. Gestern hat er gemeinsam mit Sven Lucyga von der Bundespolizei Vertreter aus Pforzheim von Polizei, Staatsanwaltschaft, Amtsgericht und einen Malermeister zu Rostocks Sprayer-Tatorten in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt, Süd- und Innenstadt geführt. In Pforzheim setzt man erfolgreich auf sofortiges Entfernen von Graffiti mithilfe der Malerinnung, die ihr Engagement als sinnvolle Werbemaßnahme sieht.

„Das Konzept wäre die Lösung“, sagt Burow. Er stecke tief drin in der Szene und könne mit den Jugendlichen gut umgehen – „unter Burow kennen mich alle“, so der 60-Jährige. Er setzt auf den so genannten Täter-Opfer-Ausgleich und versucht, Geschädigte mit Verursachern zusammen zu bringen. „In Rostock sind auf keinen Fall unter 300 Sprayer aktiv“, sagt Burow. Rostocks Graffiti-Szene bestehe aus mehreren Gruppen, so genannten „Crews“. Die Täter seien zwischen 11 und 25 Jahre alt und auf der Suche nach Ruhm. In der Doberaner Straße sieht es besonders wild aus. „Meist werden Privathäuser im Blickfeld besprüht“, sagt Burow. Aber auch am Tunnel in der Bahnhofsstraße finden sich Tags wie „MFG“ und am Lindenpark haben sich die „CSR-Crew“ und Hooligans mit ihren Schriftzeichen verewigt. Ebenfalls beliebt sind die Gleise an der Mooskuhle.

Burow reizt der Kontakt zu den jungen Menschen. „Ich begleite die Jugendlichen und möchte sie weg von den Straftaten bringen.“ Manche werden sogar Maler oder Lackierer. Andere machen sich selbstständig und verdienen mit Auftrags-Graffiti Geld.

In Pforzheim leisten viele der straffälligen Jugendlichen soziale Arbeitsstunden im Anti-Graffiti-Mobil ab, die sie von der Justiz als Konsequenz ihres Fehlverhaltens auferlegt bekommen haben. Im besten Fall müssen illegale Sprayer eigene „Kunstwerke“ beseitigen – unter polizeilicher Aufsicht. In Härtefällen nimmt Polizeihauptkommissar Volker Weingardt Farbe und Pinsel selbst in die Hand. Das wünscht sich Burow auch für Rostock.

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion begrüßt die Initiative des Rostocker Stadtamts und des kommunalen Präventionsrats ebenfalls: „Die pädagogische Wirkung scheint vielversprechend, wenn Täter erleben müssen, welchen Aufwand ein illegales Graffito verursacht“, so Fraktionssprecher Helmut Schmidt.

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erstellt am 28.Jun.2014 | 10:00 Uhr

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