Stadthafen Rostock : An den Kais wird der Platz knapp

Georg Scharnweber
 

Schifffahrtskolleg berät zu Fragen der Hafenentwicklung und Hafenerweiterung.

svz.de von
20. November 2015, 12:00 Uhr

Die Hafenwirtschaft der Hansestadt stellt sich auf weiteres Wachstum ein. Die Rahmenbedingungen, potenziellen Möglichkeiten der Entwicklung und Erweiterung lotete gestern in der IHK das Rostocker Schifffahrtskolleg aus. Dabei wurde dem Flächenbedarf für Umschlag, Logistik und hafenverbundene Industrie großes Augenmerk geschenkt. Die interne Entwicklung habe hier vor der externen Vorrang, macht Thomas Biebig, Leiter Strategie und Grundsatzfragen der Hero, deutlich. Flächen für mögliche Ansiedlungen im 660 Hektar umfassenden Hafenareal sind knapp geworden. Für noch zur Verfügung stehende Freiflächen auf dem Pier IV läuft gegenwärtig eine Ausschreibung. Die gebotene Wertschöpfung, so Biebig, dürfte ausschlaggebend für den Zuschlag sein.

Flächenvorsorge für weitere Entwicklungen aber ist unumgänglich. So werden dafür aktuell geeignete Gebiete in Rostock-Ost und Rostock-West geprüft. Dabei sollen Konflikte durch vorausschauende Raumplanung möglichst minimiert werden, wie Gerd Schäde vom Amt für Raumordnung und Landesplanung der Region betont. Bis 2030 steuert der Rostocker Hafen nach eigenen Gutachten Umschlagssteigerungen bis auf knapp 40 Millionen Tonnen an, so sind auch Voraussetzungen für eine prosperierende Wirtschaft mit attraktiven Arbeitsplätzen zu schaffen. Schon jetzt sind 16 000 Arbeitsplätze direkt und indirekt mit der Hafenwirtschaft verbunden, Ansiedlungen wie Liebherr in Rostock sorgen unter anderem für Furore.

Zwischen den ins Auge gefassten Vorranggebieten aber liegen Wohngebiete, Kleingärten und Erholungsoasen, gibt es mögliche Auswirkungen durch Lärm und Abgase, sind Belange des Naturschutzes zu beachten, wie Dr. Michael Lampe von Inros Lackner betont. Das beinhaltet Zündstoff, der weitesgehend zu entschärfen sei. Als eine Möglichkeit bietet sich dafür das vor einigen Jahren initiierte Hafenforum an, das auch Bürgerinitiativen ein Podium bietet.

Rechtsfragen der Hafenerweiterung skizzierte Prof. Wilfried Erbguth vom Ostseeinstitut für See-, Umwelt- und Infrastrukturrecht. Prof. Karl-Heinz Breitzmann benannte die verkehrswissenschaftliche Bedeutung der Häfen in Deutschland und Europa und machte auf Fehler der Hafenprognose des Bundes aufmerksam, die Rostock stiefmütterlich behandelt, was in Kosten-Nutzen-Rechnungen für Investitionen seinen Ausschlag finden könnte. Prof. Jürgen Lüsch (Baltic Marine Consult) beklagte das am Beispiel der geplanten festen Fehmarnbelt-Querung.

 

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