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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. November 2017 | 02:14 Uhr

„Costa Favolosa“ : An Bord der Märchenhaften

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Mit Kapitän Carmine Maddaloni und Marketing-Manager Hardy Puls auf Costa-Kurs. Schiffssicherheitstraining während der Liegezeit

svz.de von
erstellt am 12.Jul.2017 | 12:00 Uhr

An Bord der „Costa Favolosa“ ist Ruhe eingekehrt. Am frühen Morgen hatte der Kreuzliner aus Aarhus kommend am Warnemünder Terminal festgemacht. Für einen Teil der Passagiere endete die Reise, andere sind zu Ausflügen unterwegs, der Ansturm der neuen Gäste steht erst bevor. „Wir hatten auf der Schlussetappe des Sieben-Tage-Nordlandtörns sehr schönes Wetter“, berichtet Kapitän Carmine Maddaloni (57). Ansteuerung und Anlegen verliefen ohne Probleme, wobei die nautischen Bedingungen im Rostocker Hafenrevier für die Schiffsriesen besonders bei Wind durchaus anspruchsvoll wären – schließlich müsse der 290 Meter lange Cruiser in einen Flaschenhals und dann erst noch drehen. Aber allein stoppen und gleich anlegen sei auch langweilig, merkt der Italiener an. Für ihn ist das Rostocker Hafenrevier nicht neu. Bei etlichen der über 100 Anläufe von Costa-Schiffen stand er hier auf der Brücke.

Bei der Stippvisite an Bord kommt er gerade von einer Beratung mit dem Terminal-Manager des Hafens. Einen Teil der Crew hat er zu einer Fortbildung in den Rostocker Hafen verabschiedet. Im neuen Brand- und Simulationszentrum der Gesellschaft für Schiffssicherheit Ostsee trainieren die Seeleute hier Möglichkeiten der Schiffsbrandbekämpfung. Rund 1000 Mann zählt die Besatzung, das Gros dient der Betreuung und Versorgung der über 3000 Gäste. Etwa 140 sind Nautiker und Techniker, bilden das reine seemännische Personal.

Carmine Maddaloni ist in Nola bei Neapel geboren und in Santa Margaritha in Ligurien zu Hause – etwa 35 Kilometer von Genua, dem Stammsitz der Reederei Costa Crociere entfernt. Nach dem Besuch der Marineschule in Camogli wuchsen ihm die sprichwörtlichen Seebeine, aber zunächst auf Frachtschiffen – klassischen Stückgutfrachtern und auch Gas-Carriern. Seit 1989 ist er bei Costa angestellt und hat auf einigen der inzwischen 15 Schiffe umfassenden Flotte seemännische Erfahrungen sammeln können.

Seit Indienststellung ist er einer der beiden Stammkapitäne der 2011 bei Ficantieri gebauten 114 500 Bruttoraumzahl (BRZ) großen, bis zu 3800 Passagieren Platz bietenden „Costa Favolosa“, der Märchenhaften. Er hat die Meere der Welt befahren und viele interessante Häfen kennengelernt. Venedig, Barcelona und das mexikanische Cozumel gehören für ihn, der gerne bei Spaziergängen die Kultur und Architektur der Länder entdeckt, zu den schönsten. Aber auch Rostock gefalle ihm sehr.

Von seinen beiden 19 und 21 Jahre alten Kindern tritt der Sohn übrigens in seine Fußstapfen und hat ebenso die seemännische Laufbahn eingeschlagen.

Bevor die „Costa Favolosa“ am Abend Kurs auf Kopenhagen nahm, erteilt auch Hardy Puls Auskunft. Der 39-jährige Rostocker ist seit Dezember 2015 Direktor Marketing & Sales bei Costa Kreuzfahrten Deutschland. Er ist sehr zufrieden mit der aktuellen Buchungslage. Die Sommerabfahrten ab Deutschland sind so gut wie ausgebucht. Im Herbst gibt es, insbesondere im Mittelmeerprogramm, aber auch noch einige freie Kapazitäten.

Costa bietet in diesem Jahr 37 Anläufe in allen vier deutschen Häfen, elf neu in Bremerhaven mit der „Costa Magica“, 16 ab Warnemünde mit der „Costa Favolosa“ sowie jeweils fünf von Hamburg und Kiel mit der „Costa Pacifica“. Der Anteil der deutschen Passagiere liegt je nach Zeitraum für die Norwegen-Kreuzfahrten der „Costa Favolosa“ bei 50 und 75 Prozent.

Hardy Puls erinnert daran, dass im vergangenen Jahr in Deutschland der 100. Anlauf eines Costa-Schiffes in Rostock und 40 Jahre Costa in Kiel gefeiert werden konnten. Das habe verdeutlicht, wie sehr die Reederei hier in Deutschland verwurzelt sei. „Da die Nordlandrouten auch für unsere internationalen Gäste (dank der Zusammenarbeit mit dem Flughafen Rostock-Laage, die Costa 2015 initiiert habe) immer interessanter werden, ist es nicht leicht, immer den für unseren deutschen Markt gewünschten Platz auf unseren Schiffen ab Deutschland zu bekommen.“

Im vorigen Jahr war ein Anlauf der „Costa Favolosa“ vom Winde verweht worden. Die Passagiere, so der Costa-Manager, wurden noch an Bord informiert. Es wurden Shuttlebusse zwischen Rostock, Laage und Kiel eingerichtet. Das kostete viel Aufwand, bereitete etlichen Passagieren Unannehmlichkeiten. Sie hatten angesichts der erlebten Naturgewalten aber Verständnis und es gab so gut wie keine Beschwerden.

Die Verbindung über den Flughafen Laage laufe gut, der gebotene Service sei bestens, bestätigt Massimo Callegari, Direktor Travel Service Department bei Costa. In einem Jahr gibt es mit Hin- und Rückflügen hier immerhin 20 000 Passagier-Bewegungen.

Hauptsitz von Costa in Deutschland ist die Hamburger Hafencity. „Dadurch, dass Costa und Aida ihren Vertrieb gemeinsam organisieren, gibt es auch Kollegen, die für Costa in Rostock arbeiten. Insgesamt sind 100 Mitarbeiter für Costa Deutschland in Hamburg und Rostock beschäftigt, vor allem im Contact Center und Sales Team“, berichtet Hardy Puls. Der gebürtige Brandenburger, der in Berlin studierte und schon bei Aida, Stena und Arosa tätig war, führt ein Team, das italienische Lebensart auf See vermittelt.

Im September, so informierte er abschließend, erfolge in Turku der Stahlschnitt für das erste LNG-Schiff für Costa. „2019 und 2021 stellen wir die beiden Neubauten in den Dienst, die zu 100 Prozent mit Flüssigerdgas fahren, dem weltweit saubersten fossilen Brennstoff.“

Reiner Frank

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