Rathaus : Amtschef fordert Senator heraus

Der Herausforderer: Heiko Tiburtius (parteilos) will seinen Chef ablösen.
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Der Herausforderer: Heiko Tiburtius (parteilos) will seinen Chef ablösen.

Heiko Tiburtius bewirbt sich als Nachfolger von Holger Matthäus – der will aber selbst Leiter des Bau- und Umweltressorts bleiben

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20. August 2015, 15:00 Uhr

Tief- und Hafenbauamtsleiter Heiko Tiburtius fordert seinen Chef Holger Matthäus (Grüne) heraus: Er will ihn als Rostocks Senator für Bau und Umwelt ablösen. „Ich habe meine Bewerbung abgegeben“, bestätigt Tiburtius. Jetzt seien die Fraktionen am Zug, bei denen er derzeit für sich und sein Programm wirbt. Die Amtszeit von Matthäus endet offiziell am 31. August, er bleibt aber mindestens bis zur Ernennung des Nachfolgers auf dem Chefsessel.

Mit Tiburtius hat er einen ernsthaften Konkurrenten bekommen. Als langjähriger Amtsleiter kennt dieser sich mit Rostocks Infrastruktur sowie dem Klima- und Umweltschutz bestens aus. Doch im Gegensatz zum bisherigen Senator steht hinter Tiburtius keine Partei. Ein Nachteil? Bestimmt wird der Senator als politischer Wahlbeamter von der Bürgerschaft. Und neben den Grünen haben auch die Linken schon ihre Unterstützung für Matthäus signalisiert. Zusammen kommen sie auf 20 der 53 Stimmen in der Bürgerschaft, zur benötigten Mehrheit fehlen damit nur noch sieben Stimmen.

Ob diese schon im ersten Wahlgang von der SPD kommen werden, ist fraglich. Die drei Parteien hatten in der Vergangenheit zwar häufig zusammengearbeitet, aber als dritten Bewerber für die Anhörung am 14. September hat die Verwaltung offenbar Christian Mews eingeladen. Der Ex-Mitarbeiter des Rostocker Bauamts besitzt das Parteibuch der Sozialdemokraten, dürfte gerade deswegen allerdings chancenlos sein. Denn mit Chris Müller stellt die SPD bereits den Finanzsenator und in der Regel teilen sich die Parteien die Spitzenpositionen untereinander auf.

Die CDU hatte Matthäus und Tiburtius bereits auf ihrer Fraktionssitzung am Montag zu Gast. „Das sind beides gute Kandidaten“, sagt Vorsitzender Berthold Majerus. Festlegen werde sich seine Partei aber erst später. Auch bei der Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09 ist noch nichts entschieden. Chefin Sybille Bachmann stellt allerdings schon klar: „Wir werden auf jeden Fall die geheime Abstimmung beantragen.“ Aus ihrer Sicht ist die Wiederwahl von Matthäus keinesfalls sicher. „Er ist in seinen Führungseigenschaften umstritten und wir nehmen die Kritik von innerhalb der Stadtverwaltung sehr ernst“, so Bachmann.

Bis zur geplanten Wahl am 7. Oktober können die Fraktionen noch weitere Kandidaten vorschlagen. Zum Ende der regulären Ausschreibungsfrist waren acht Bewerbungen bei der Stadt eingegangen. Aus diesen hat die Verwaltung bisher drei Bewerber für die Anhörung ausgewählt. Auf Wunsch der Fraktionen können noch weitere Kandidaten eingeladen werden. Läuft alles glatt, könnte der Wahlsieger am 1. Dezember den Dienst antreten.

Das Verhältnis von Matthäus und Tiburtius gilt seit ihrem Streit um Poller im Elmenhorster Weg als unterkühlt. Matthäus zufolge ist diese Lösung rechtlich erlaubt, Tiburtius hatte sich anders geäußert. Seitdem unterliegt der Amtsleiter scharfer Kontrolle, darf etwa Anfragen der Presse nicht ohne Genehmigung beantworten.

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