Altersarmut ist bereits reale Bedrohung

Margret Mönig-Raane von Verdi und der DGB-Regionsvorsitzende Thomas Fröde stimmten die Teilnehmer der Maikundgebung am Werftdreieck auf die gemeinsamen Ziele ein - zum Beispiel einen flächendeckenden Mindestlohn. Foto: Georg Scharnweber
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Margret Mönig-Raane von Verdi und der DGB-Regionsvorsitzende Thomas Fröde stimmten die Teilnehmer der Maikundgebung am Werftdreieck auf die gemeinsamen Ziele ein - zum Beispiel einen flächendeckenden Mindestlohn. Foto: Georg Scharnweber

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01. Mai 2013, 08:48 Uhr

Rostock | "Arbeit darf nicht arm machen" - mit dieser Auffassung steht Margret Mönig-Raane, ehemaliges Bundesvorstandsmitglied der Gewerkschaft Verdi, nicht alleine da. Gut 200 Rostocker sind gestern zur Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschafts-Bundes (DGB) ans Werftdreieck gekommen, um sich für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen.

Jeder fünfte Deutsche erhält heutzutage einen Lohn, der für ein gutes Leben nicht ausreiche. Dazu komme, dass unsichere Arbeitsverhältnisse wie Teilzeitstellen, Werkverträge und Minijobs nicht nur die Spaltung zwischen Arm und Reich, sondern auch die Konkurrenzsituation auf dem Arbeitsmarkt und im Land vorantreiben. Tatsachen, die laut der Gewerkschafterin politisch gewollt und verschuldet sind. "Es kann doch nicht sein, dass es beim Bewerbungsgespräch heißt: ,Ich kann Dir nur sechs Euro die Stunde zahlen, den Rest holst Du Dir vom Amt’", so auch DGB-Regionsvorsitzender Thomas Fröde. Ein flächendeckender Mindestlohn von zehn Euro sei deshalb zwingend nötig.

Er kritisierte nicht nur, dass der Konkurrenzkampf der Unternehmen auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen, sondern auch, dass dieses Vorgehen zudem noch staatlich subventioniert würde. "Es heißt, dass jede Arbeit besser sei als keine. Auf dieser Grundlage hat sich in Deutschland ein Niedriglohnsektor entwickelt, in dem Arbeit wirklich arm macht", so Mönig-Raane. Das sei eine Entwicklung, auf die das Land nicht stolz sein könne und die auch zu steigenden Erkrankungen innerhalb der arbeitenden Bevölkerung führe. Auch die Angst vor sozialem Abstieg sei mittlerweile nicht mehr nur ein Schreckgespenst, sondern reale Bedrohung - besonders mit Blick auf das Alter. Die Rente sei das Spiegelbild des Erwerbslebens. Und wie soll jemand, der sein ganzes Berufsleben lang für Niedriglohn arbeiten musste und nicht vorsorgen konnte, im Alter ohne staatliche Unterstützung auskommen?

Bei der Mai-Kundgebung gab es für die Rednerin aber nicht nur Zustimmung. Unter den Zuhörern wurden wegen der Länge ihrer Ansprache und zu wenig neuen Inhalten auch kritische Zwischenrufe laut. Von den Sambucus-Trommlern angeführt, zogen die Demonstranten in Richtung Kastanienplatz, wo der Tag der Arbeit bei einem Familienfest ausklang.

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