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Norddeutsche Neueste Nachrichten

11. Dezember 2017 | 06:41 Uhr

Alte Synagoge wirft einen Schatten

vom

svz.de von
erstellt am 15.Okt.2012 | 08:42 Uhr

Stadtmitte | Zwischen den Balkonen in der Augustenstraße 101 verschwindet sie etwas - die Gedenkstele für die ehemalige Synagoge unweit des Sitzes der jüdischen Gemeinde in der Nummer 20. Das ändert sich in dieser Woche.

Die Bürgerinitiative Der große Stolperstein - allen voran der ehemalige Leiter des Amtes für Stadtplanung Christoph Weinhold - plant seit zwei Jahren die Aufwertung der Stele. Seit gestern laufen die Bauarbeiten auf Hochtouren. "Es gibt Leute, die sich von Anfang an geärgert haben, wie zurückgenommen der Gedenkstein gesetzt worden ist", sagt Weinhold. Mit dem Architekten Hannes Hamann und dem Leiter des Tief- und Hafenbauamtes, Heiko Tiburtius, hat er Unterstützer gefunden. Sie haben sich mit dem Amt für Stadtplanung, dem Kulturamt und der Verkehrsbehörde abgesprochen. Ende Oktober 2011 sind sie an die Fraktionen der Bürgerschaft herangetreten und fanden auch hier Zuspruch. Um das Projekt nicht zu gefährden, hat die Initiative es bewusst nicht öffentlich gemacht.

Die jüdische Gemeinde selbst ist am Bau nicht beteiligt. "Es ist eine Bürgerinitiative", betont der Gemeindevorsitzende Juri Rosov. "Der Ort spielt für uns eine sehr wichtige Rolle", sagt er. 1988 wurde die Stele errichtet, 50 Jahre nachdem die Synagoge von den Nationalsozialisten in Brand gesetzt worden war. Von der Initiative ist Rosov begeistert, ebenso von der geplanten Umsetzung.

"Die Idee ist relativ einfach", sagt Architekt Hamann. Der Stein soll 60 bis 70 Zentimeter weiter zum Straßenbereich hin versetzt werden. Von dem Gedenkstein aus werden über die Straße und beide Gehwege schwarze Granitsteine gepflastert. "Es wird wie ein Brückenschlag, wie ein Schatten, den die Stele wirft", sagt der Architekt. Die Straße wird insgesamt erhöht, ebenerdig zum Bordstein. In einigen Metern versetzt von der Granitpflasterung werden Rampensteine zur Verkehrsberuhigung gesetzt. Die Stele wird am Fuß mit rauem Granit verkleidet. Symbolisch soll über die Brüche in der Pflasterung auch auf den Bruch in der Geschichte aufmerksam gemacht werden.

Städtische Mittel werden für das Projekt nicht eingesetzt. "Das wird durch privates und persönliches Engagement umgesetzt", sagt Tiburtius. Und um das zu ermöglichen, musste ein weiterer Partner ins Boot geholt werden. Das Abc Ausbildungscentrum der Bauwirtschaft MV GmbH schickt zehn ausgesuchte Lehrlinge unter professioneller Anleitung, die die Maßnahme realisieren werden.

Das Unternehmen ergänzt überbetrieblich die Ausbildung. Lehrlinge von verschiedensten Betrieben aus dem ganzen Land arbeiten sonst in den Hallen des Unternehmens. "Für uns ist die Arbeit viel praxisorientierter und eine Ehre", sagt Steve Müller aus Stralsund. Er ist im zweiten Lehrjahr zum Tiefbaufacharbeiter. Die Materialien für den Bau stammen aus Altbeständen des Tiefbauamtes und von den sechs Baufirmen, deren Azubis beteiligt sind. Schon am Freitag sollen die Arbeiten fertig sein und die Stele so endlich zur Geltung kommen.

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