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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. November 2017 | 02:30 Uhr

Alte Drahtesel werden aufpoliert

vom

svz.de von
erstellt am 08.Jul.2011 | 08:21 Uhr

Reutershagen | Ob der Weg zum Arzt, zum Einkaufen oder wieder einmal der Termin im Amt - für Bernd Vock (46) und Christoph Ponwitz (54) ist Mobilität wichtig. Doch ein Tagesticket für die öffentlichen Verkehrsmittel können sich die beiden nicht leisten. Als Hartz IV-Empfänger haben sie im Monat sehr wenig Geld zur Verfügung. Doch jetzt gibt es von der Rostocker Stadtmission Hilfe: Mit ihrem Spendenaufruf "Gebt uns eure alten" haben die Mitarbeiter alle Rostocker aufgefordert, nicht mehr gebrauchte Fahrräder an die Einrichtung abzugeben. "Die Teilnahme war überraschend positiv", sagt Hartwig Vogt, Leiter des Bodelschwinghauses im Hawermannweg. Mehr als 50 Räder wurden in den ersten Tagen in dem Haus für betreutes Wohnen abgegeben.

Mehr Unabhängigkeit für die Bewohner

Bisher konnten schon viele Räder an Bedürftige weitergegeben werden. Auch Ponwitz und Vock radeln seit Tagen fleißig durch Rostock. "Es ist nicht nur eine finanzielle Erleichterung, sondern auch gesundheitlich gut für uns", sagt Ponwitz. Zwar gebe es innerhalb der Einrichtung eine einzige Monatskarte für die Bewohner des Bodelschwinghauses, jedoch sei diese oft vergriffen. "Mit dem Rad bin ich unabhängiger und muss den anderen nicht mehr hinterherlaufen", freut sich Vock. Radfahren wollen die beiden bis in den späten Herbst hinein. "So lange, bis es nicht mehr geht", sagt Ponwitz. Erst dann wolle er wieder auf die Bahn zurückgreifen.

Entstanden ist die Idee zum Spendenaufruf in der Fahrradwerkstatt, die von ehrenamtlichen Mitarbeitern seit knapp drei Monaten betrieben wird. Frank Lehmann (56) ist einer der Mitarbeiter. Der 56-Jährige war anfangs hauptsächlich damit beschäftigt, alle Räder zu sichten und zu sortieren. "Sogar ein richtiger Schatz war dabei", sagt er und verweist auf einen 70 Jahre alten Drahtesel, den die Kollegen in einem Keller gefunden haben. "Wir fahren auch zu den Menschen und holen die Räder ab, wenn sie selbst nicht die Möglichkeit haben vorbeizukommen", sagt Vogt. Die Aktion sei auch ein bisschen Hilfe zur Selbsthilfe. "Die Leute können in der Werkstatt ihre neuen Räder selber reparieren und sich dadurch nützlich machen", ergänzt er. Die Beschäftigung täte den meisten sehr gut.

Zurzeit werden die vielen Räder nach und nach abgearbeitet. Einige bräuchten nur eine kleine Überholung, von anderen können nur noch Ersatzteile verwendet werden. "Die Rostocker können natürlich weiter ihre Räder bei uns abgeben", so Vogt.

Die beiden Freunde Vock und Ponwitz haben sich für die Sommermonate einen Tagesausflug mit den neuen Drahteseln vorgenommen. "Vielleicht zum Meer", sagt Ponwitz.


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