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Norddeutsche Neueste Nachrichten

20. Oktober 2017 | 11:03 Uhr

Alte Ansichten des Marktes

vom

svz.de von
erstellt am 10.Sep.2013 | 08:25 Uhr

Rostock | Seit vielen Jahren plant die Hansestadt Rostock, dem Neuen Markt seinen historischen Charakter zurückzugeben und die Nordkante neu zu bebauen. Wie genau das Areal damals ausgesehen hat, das zeigt jetzt eine Bilderschau in der Max-Dreyer-Stube in der Nähe des Doberaner Platzes. Willi Passig hat sie zusammengestellt und bringt seinen Besuchern die Rostocker Stadtgeschichte näher.

Er ist das Herzstück unserer Stadt und kündet seit 1265 von Rostocks Mitte, Macht und Marktgeschehen. Der Neue Markt, jahrhundertelang Ausdruck hanseatischen Selbstbewusstseins, wurde während der Bombennächte im April 1942 stark beschädigt. So kennen die allermeisten Rostocker den Platz nur mit seiner heutigen Bebauung, die immerhin das historische Ambiente noch erahnen lässt. Hier standen einst das Wohnhaus der Rostocker Familie Mann, das alte Haus Sonne, hier gab es einen Pranger und zeugt bis heute ein besonderer Stein von der Legende um den gruseligen Mord an einem frisch vermählten Brautpaar.

Auswahl aus mehr als 600 Postkarten

Das historische Antlitz des Neuen Marktes wird in der Max-Dreyer-Stube auf zwölf großen Fotos veranschaulicht, die auch die Nordkante mit ihren zehn Patrizierhäusern zeigen. Passig, ehemaliger Rostocker Pastor und seit Jahren auf Spurensuche in der Rostocker Literatur- und Stadtgeschichte, hat aus seinen Alben mit mehr als 600 Rostocker Ansichtskarten besonders ausdrucksstarke Motive herausgesucht und vergrößern lassen. Vor der jeweiligen Kulisse der Häuser am Markt tauchen auch Alltagsszenen aus dem 19. Jahrhundert, den Kriegsjahren bis hinein in die 50er-Jahre auf. So stand eine Siegessäule aus Holz und Pappe vor dem Rathaus und wurde nach den Siegesfeierlichkeiten 1871 alsbald wieder entfernt. So zierten Porträts von Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl den Bauzaun vor der großen Lücke an der Nordkante. Unweit davon versorgten große Lautsprecher die Rostocker der Nachkriegszeit mit den Parolen der jungen Republik. Drei der ehemals zehn Häuser übrigens hatten den Krieg überdauert und wurden erst 1960 abgerissen, um der Straßenbahntrasse freie Fahrt über den Marktplatz zu verschaffen. Dieser Tage ist die Neubebauung der Nordkante des Neuen Marktes wieder im Gespräch. Passig möchte mit seiner Führung durch die Bilderschau zum Erinnern und Nachdenken anregen. "Mein Herz würde dafür schlagen, dass die Nordseite in Anlehnung an die historische Bebauung wieder hergerichtet wird", so Passig. Das jedoch ohne die alte Bebauung zu kopieren. "Man kann die Geschichte schließlich nicht rückgängig machen", sagt Passig.

Anmeldung: Telefon: 0381/ 383 46 17

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