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Norddeutsche Neueste Nachrichten

24. Oktober 2017 | 02:38 Uhr

Erinnerungen : Alles begann mit der „Hansa“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Im Auftrag der DDR begutachtete und kaufte Peter Treu weltweit Schiffe. Jetzt legt er im Hinstorff-Verlag seine Erinnerungen vor.

svz.de von
erstellt am 16.Jan.2014 | 06:00 Uhr

„Natürlich hat er uns was mitgebracht“, sagt seine Tochter lächelnd. „Einmal war es ein Gürtel mit Kugel-Kaugummis. Das war toll.“ Peter Treu lächelt und zuckt mit den Schultern: „Wir mussten ja alles genau abrechnen. Für größere Mitbringsel blieb da kaum etwas übrig.“ Dabei handelte er mit Millionen. Nein, nicht Ost-Mark. Harte Devisen. Peter Treu handelte für die Deutsche Seereederei (DSR) in aller Welt Schiffsankäufe aus. Von 1963 bis 1990 war er für die DDR-Staatsreederei unterwegs, begutachtete Schiffe und fädelte schließlich die Deals ein. Was er mitbrachte, waren Fotos und Erlebnisse. Seine Familie konnte nur daran teilhaben, weil er alles aufschrieb. Auf den Reisen führte er Tagebuch, zu Hause klebte er Bilder ein. Bis seine Familie zu ihm sagte: „Du schreibst so gut. Mach doch ein richtiges Buch draus.“

Fernsehkapitän Gerd Peters machte schließlich den Rostocker Hinstorff-Verlag auf Peter Treu und dessen Material aufmerksam. Das Buch beginnt mit der „Hansa“, einem leckgeschlagenen Flüchtlingsschiff, das vor Gedser auf eine Mine gelaufen war. Für Peter Treu, damals frisch ausgebildeter Elektrotechnik-Ingenieur, war es 1952 die erste berufliche Herausforderung, das Schiff nach sowjetischen Standards umzubauen. 1955 ging die „Hansa“ auf Probefahrt und dann als „Sowietsky Sojus“ in den Osten. 1963 kam Peter Treu zur DSR, 1965 die erste Fahrt nach London – schon mit dem so genannten ATO-Pass in der Tasche, dem Papier aus dem Allied-Travel-Office in Westberlin. Nur wenige Bürger aus der damals nicht anerkannten DDR besaßen diesen Pass. Schon diese erste Reise wurde für Peter Treu zu einer Spurensuche: Er traf die Familie Simmons wieder, die sich während seiner Kriegsgefangenschaft um ihn gekümmert hatte. In vielen Jahren seiner Tätigkeit für die DSR konnte er die Unterschiede sehen: Hier eine Planwirtschaft, die das Engagement des Einzelnen immer wieder unterlief. Dort der Überfluss der Marktwirtschaft, der in einigen Ländern blühende Landschaften schuf und dafür in anderen unerträgliche Arbeits- und Lebensbedingungen hinterließ. Peter Treu sah eben nicht nur Hamburg, Tokio und Amsterdam. Er sah auch Brasilien, Argentinien, den Libanon, Vietnam.

Er rührte 1985 den Deal um das Passagierschiff „Astor“, die spätere „Arkona“, ein, der über einen bundesdeutschen Partner abgewickelt werden musste, weil die DDR mit Südafrika offiziell keine Beziehungen unterhielt. Und schließlich begleitete er die „Berlin“, die „Erfurt“, die „Völkerfreundschaft“ und viele andere Schiffe zu ihren letzten Fahrten unter der DDR-Flagge. Bis die MS „Oranienburg“ im Juli 1990 in Singapur an einen griechischen Reeder verkauft wurde. Mit der Währungsunion begann für Peter Treu der Vorruhestand.

„Weltreisender für die Handelsflotte“ ist sicher für alle wichtig, die etwas über das Schicksal der DDR-Schiffe erfahren wollen. Es ist aber auch ein humorvoller und nachdenklich machender Rückblick auf ein Leben, das mehr als viele andere geprägt war von einer politischen Teilung der Welt.

Treu, Peter: „Weltreisender für die Handelsflotte – Auslandsgeschäfte im Auftrag der DDR-Staatsreederei“, Hinstorff-Verlag Rostock. 280 Seiten, Broschur, Preis 14.99 Euro; ISBN: 978-3-356-01600-0






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