Alle sollen es hören: Das Theater ist ein Teil der Stadt

Lauter Protest: Zusammen mit seinen Kollegen trommelt Lester González Álvarez für das Volkstheater.Georg Scharnweber
Lauter Protest: Zusammen mit seinen Kollegen trommelt Lester González Álvarez für das Volkstheater.Georg Scharnweber

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13. Mai 2013, 08:05 Uhr

Stadtmitte | "So schnell kann es gehen und ein Theater ist leer", sagt Nils Pille, Sänger im Opernchor und Betriebsratsvorsitzender des Rostocker Volkstheaters. Dem vorangegangen war ein kreativer Protest, der sehr anschaulich zeigen sollte, wie sich die Mitarbeiter der Bühne fühlen: einer gewissenlosen, Fleisch fressenden Pflanze ausgeliefert. Wenn es nicht ein Einlenken in der Politik gibt. Darum war die Belegschaft des Volkstheaters gestern vor dem Rathaus zusammengekommen. Denn dort trafen sich die Fraktionen der Bürgerschaft, um sich auf die morgige Sitzung vorzubereiten. "Sie erarbeiten Beschlussvorlagen, die vieles im Theater verändern können", so Pille. "Das Theater ist ein Teil dieser Stadt", mahnt er.

Konkret geht es um zwei Theater-Themen, die bei der Bürgerschaftssitzung auf der Tagesordnung stehen. Zum einen wollen die Fraktionen nun den Anstoß dazu geben, dass die Stadtverwaltung zusammen mit der Theaterleitung verschiedene Strukturvarianten für ein eigenständiges Volkstheater erarbeitet. "Das ist die logische Folge nach dem Ausstieg aus den Gesprächen mit der Landesregierung und der Stadt Schwerin", sagt Simone Briese-Finke, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Dass diese Varianten nötig sind, um im Anschluss einen Richtungsentscheid zu treffen, darüber sind sich die Fraktionen einig. Nur über das Wie gibt es unterschiedliche Ansichten. "Wir brauchen eine Struktur mit zwei Phasen", meint Dr. Sybille Bachmann, Vorsitzende der Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09. "Vor dem Neubau müssen wir anders planen als mit dem Neubau", erklärt sie. Ansonsten soll die Prüfung offen gehalten werden. Dr. Steffen Wandschneider, Vorsitzender der SPD-Fraktion, hofft noch immer auf Gespräche mit dem Land: "Am Ende stellt sich die Frage: Wollen wir ein eigenständiges Haus mit zwei Sparten oder ein Vier-Sparten-Theater, das sich mit anderen zusammenschließt?" Die 500 000 Euro, die dem Theater derzeit fehlen, betont er, seien Rostock durch den Ausstieg aus der Landesstrukturdebatte entgangen. "Alle die, die das wollten, sollen mir jetzt mal erklären, wo das Geld herkommen soll." Dafür gibt es derzeit zwei Szenarien: die Schließung des Theaters im Stadthafen und der Sparte Tanz oder die Kürzung des Gäste-Etats und eine nur halbe Spielzeit als Folge. CDU-Fraktionschef Prof. Dieter Neßelmann lehnt beide ab: "Die von der Theaterleitung vorgelegten Optionen zeugen von wenig Fantasie." Genau wie Briese-Finke hält er ein Sparen an mehreren Stellen für zielführend. Und die Grünen-Chefin mahnt: "Vielleicht sollte darüber nachgedacht werden, ob mehr Einnahmen möglich sind, nicht nur Kürzungen." Fraktionsvorsitzende Eva-Maria Kröger erklärt, die Linken sprechen sich dafür aus, dass die Stadt die fehlenden 500 000 Euro zur Verfügung stellt: "Denn sonst müsste das Theater diese Lücke selbst konsolidieren - und das würde das Personal treffen."

Die Theater-Mitarbeiter machten gestern auf sich aufmerksam. "Erzählen Sie allen: Es gibt ein richtig gutes Theater in Rostock", forderte Nils Pille die Umstehenden auf. "Hoffentlich", kommentierte eine Passantin.

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