Gemeinschaftsunterkunft Reutershagen : „Alle sind gleich viel wert“

Rund zwei Stunden stellte sich Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke, l.) den Fragen tatsächlich besorgter Reutershäger, aber auch unsachlichen Kommentaren, die humanitäre Hilfe generell infrage stellten. Unterstützung bekam er vom Leiter des Flüchtlingsamtes, Heiko Tiburtius (M.), und dem Leiter des Asylbewerberheims in der Satower Straße, Steffen Vogt.
Rund zwei Stunden stellte sich Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke, l.) den Fragen tatsächlich besorgter Reutershäger, aber auch unsachlichen Kommentaren, die humanitäre Hilfe generell infrage stellten. Unterstützung bekam er vom Leiter des Flüchtlingsamtes, Heiko Tiburtius (M.), und dem Leiter des Asylbewerberheims in der Satower Straße, Steffen Vogt.

Informationsveranstaltung zu neuer Gemeinschaftsunterkunft in Reutershagen. Sozialsenator appelliert an die gespaltenen Einwohner

svz.de von
10. November 2015, 08:00 Uhr

„Alle Menschen sind gleich viel wert“ – das hat Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) bei etwa der Halbzeit der Infoveranstaltung gestern im Freizeitzentrum Reutershagen unterstrichen. Der Grundwert der Bundesrepublik Deutschland war zeitweise tatsächlich aus dem Blick geraten.

Senator und Flüchtlingsamtsleiter Heiko Tiburtius hatten verkündet, dass das alte Gymnasium in der Bonhoefferstraße zu einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber umgebaut wird. Viele Reutershäger, die sich eben daran stören, aber auch unzufriedene Bürger anderer Stadtteile, kamen zum Termin. Einige äußerten sachliche Kommentare, Sorgen – wie die Befürchtung von Daniel Borowski, dass seine Eigentumswohnung an Wert verlieren könne oder von Anwohnern, die Ruhestörungen fürchten. Andere Gäste stellten grundsätzlich Einwanderung jeder Art in Frage, ebenso wie Hygiene, Absichten und Sozialverträglichkeit von vor Krieg fliehenden Syrern.

Flankiert wurde das von Unkenntnis, Angst, teils Aggression gekennzeichnete Stimmungsbild von anderen Meinungsbeiträgen. Elfriede König aus Groß Klein versuchte zu beruhigen, dass die dortige Gemeinschaftsunterkunft keinerlei negative Auswirkungen habe. Christine Lehnert aus Reutershagen kritisierte die „rassistischen Vorurteile“, die geäußert worden sein und eine ältere Reutershägerin stellte sich vor die Masse: „Wir haben noch nichts Schlechtes erlebt und machen so ein Theater. Wenn wir so gegenüber ausländischen Mitbürgern sind, brauchen wir uns nicht wundern, wenn ein Echo kommt“, sagte Renate Jänicke. Sie sei vor 70 Jahren selbst ein Flüchtling gewesen – wie viele.

Auch einige Vertreter vom Bündnis „Rostock hilft“ verurteilten, auch laut, Rassismus und suchten den Dialog. Steffen Vogt, Leiter der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in der Satower Straße erklärte seine Arbeit, und bot sich den Reutershägern als Ansprechpartner bei möglichen Problemen an. Die Schule wird noch in diesem Jahr zur Gemeinschaftsunterkunft für 250 Asylbewerber umgebaut, später das Gebäude abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Sozialarbeiter sind vom ersten Tag an vor Ort. Der Trägerverein steht noch nicht fest. Die Stadt rechnet 2016 mit 3000 Asylbewerbern, hat aber nur die Satower Straße für noch 285, bald 399 Menschen, und Provisorien wie die HWBR. Handlungsdruck entstehe einfach aus der Situation, so Bockhahn. 20 Immobilien sind weiter in der Prüfung in ganz Rostock, betonte Tiburtius.

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