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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. November 2017 | 20:56 Uhr

Alle 15 Jahre ein Test für Autofahrer?

vom

svz.de von
erstellt am 12.Apr.2012 | 08:07 Uhr

Müssen Senioren mit Führerschein in Zukunft regelmäßig einen Gesundheitstest absolvieren, um ihre Fahrtüchtigkeit unter Beweis zu stellen? Im europäischen Ausland sind solche Prüfungen üblich. In Großbritannien und Schweden müssen Senioren alle drei Jahre zum Sehtest. Hamburgs Innensenator Michael Neumann hat jetzt eine Debatte darüber ausgelöst, ob Verkehrsteilnehmer auch hierzulande regelmäßig getestet werden sollten. Der SPD-Politiker und grüne Verkehrsexperten fordern, Autofahrer alle 15 Jahre ärztlich auf ihre Fahrtüchtigkeit zu testen. Einmal mehr wird über den Gesundheits-TÜV für Autofahrer debattiert. 2009 war im Hochsauerland ein 79-Jähriger in einen Schützenumzug gerast und hatte zwei Menschen getötet. 2010 hatte ein 74-jähriger Rentner am Hamburger Hauptbahnhof eine Mutter und ihren vierjährigen Sohn beim Ausparken überrollt. Der Junge starb. Könnten Tests Horrorunfälle wie diese verhindern? Bis 2020 soll ein Drittel aller Autofahrer älter als 60 Jahre sein.

Ab 2013 sollen nach den Plänen der EU und der Bundesregierung Führerscheine auf 15 Jahre befristet werden. Ginge es nach SPD und Grünen, würde bei Ablauf der Gültigkeit jeweils auch ein Seh- und Hörtest fällig und nicht nur ein Antrag auf Verlängerung und ein neues Passbild, wie es die Regierung vorsieht. Alle vor 2013 ausgestellten Führerschein bleiben gültig, sollen jedoch bis 2033 gegen neue Dokumente getauscht werden. Hintergrund ist eine EU-Richtlinie von 2006, die jetzt umgesetzt wird. Während die EU-Kommission Gesundheits-Checks bei Ablauf der Gültigkeit der Dokumente anregt, setzt die Bundesregierung bisher auf Freiwilligkeit.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) warnt: „Ältere Verkehrsteilnehmer dürfen nicht diskriminiert werden.“ Entscheidend für die Fahrtüchtigkeit sei nicht das Alter, sondern vielmehr der Gesundheitszustand. Der Minister rät zur freiwilligen Beratung beim Hausarzt. Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Anton Hofreiterm (Grüne), warnt zwar vor einer „Hexenjagd“ auf Senioren am Steuer, dennoch hält er Seh- und Hörtests bei der Verlängerung von Führerscheinen nach 15 Jahren für sinnvoll.
„Gesundheitstests bei der Verlängerung des Führerscheins alle 15 Jahre wären sinnvoll und zumutbar. Jeder Verkehrsteilnehmer trägt darüber hinaus selbst Verantwortung für seine Fahrtüchtigkeit“, erklärte Hofreiter im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion.

Der ADAC und die Gewerkschaft der Polizei setzen auf freiwillige Kontrollen und warnen vor „Diffamierung“. Laut Statistik gebe es auch keinen Anlass zum Handeln, wie ein ADAC-Sprecher betonte. Über 65-jährige Autofahrer verursachten nur 13 Prozent aller Unfälle, stellten jedoch einen Bevölkerungsanteil von 20 Prozent.


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