Flüchtlinge in Rostock : Akzeptanz in der Stadt?

Rund 500 Rostocker demonstrieren Am Brink für eine tolerante Stadt mit guter Willkommenskultur.
Rund 500 Rostocker demonstrieren Am Brink für eine tolerante Stadt mit guter Willkommenskultur.

Starke Bereitschaft, sich zu engagieren, und Fremdenhass auf offener Straße. Polizei bestreift verstärkt Heime und dezentrale Unterkünfte.

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29. August 2015, 12:00 Uhr

Wie geht es Flüchtlingen, die in Rostock Zuflucht vor Krieg, Verfolgung und Not suchen? Wie geht die Hansestadt mit ihnen um? Ist die Stadt überhaupt auf die Versorgung und Unterbringung der vielen Menschen vorbereitet? In einer Serie geben die NNN jeden Tag Antworten auf die wichtigsten Fragen. Im letzten, 6. Teil geht es darum, wie die Flüchtlinge in Rostock von der Bevölkerung aufgenommen werden, wie die Polizei damit umgeht und wie Integrationslotsen die Flüchtlinge unterstützen.

„Uns ist aufgefallen, dass es eine ganz starke Bereitschaft in der Rostocker Bevölkerung gibt, sich zu engagieren“, sagt Steffen Vogt vom Asylbewerberheim Satower Straße. Die Hilfsangebote würden sich häufen – eine Schwemme von E-Mails und Anrufen. Die Mitarbeiter kommen mit der Organisation kaum hinterher. „Es ist wirklich bemerkenswert“, sagt er. Und überall in Rostock, in Stadtteil- und Begegnungszentren, Vereinen finden sich Engagierte. Menschen spenden Kleidung, Fahrräder, Möbel. „Bisher bringt Rostock sich gut ins Bild“, schätzt auch Juri Rosov, Vorsitzender des Migrantenrats, die Lage ein. Rechtsmotivierte Krawalle wie in Heidenau gebe es hier glücklicherweise nicht. Dennoch: „Ich spüre auch ein nicht eindeutiges Bild.“ Es gebe zwei Sichten auf Flüchtlinge in der Bevölkerung – auch unter Migranten. „Der Migrantenrat steht auf jeden Fall auf der Seite der Flüchtlinge“, sagt Rosov. Er wolle sich dazu mit der Stadt beratschlagen. Das Thema sei für das politische Organ gerade aktueller denn je – „vielleicht gibt es gerade nichts Wichtigeres“, sagt Rosov. Und er behält recht.

„Zum Gesamtbild gehört leider auch, dass immer wieder auch Flüchtlinge hier in Rostock auf der Straße angepöbelt, bedroht werden, bespuckt oder geschlagen “, sagt Sozialarbeiter Vogt. Das sei nicht überall in Rostock gleich häufig. Seltener komme es vor, wenn Flüchtlinge vom Heim ins Stadtzentrum fahren, häufiger bei der Notunterkunft in der Feuerwache Groß Klein.

Bei der Polizei gibt es keine Statistik dazu. Opfer solcher Straftaten werden nicht gesondert als Flüchtling gelistet. Außerdem, sagt Sprecherin Yvonne Hanske: „Uns ist nur bekannt, was man zur Anzeige bringt.“

Bekannt sind im Land aber die Straftaten an Flüchtlingsheimen in MV. „Wir haben allein in diesem Jahr 19 Straftaten im Zusammenhang mit Asylbewerberunterkünften“, sagt Michael Teich, Sprecher des Innenministeriums. 2014 seien es nur zehn gewesen. Auf eine aktuelle Anordnung des Ministeriums hin gibt es besonderen Schutz für die Heime des Landes – so auch für die Satower Straße. „Wir warten nicht auf ein Vorkommnis, sondern nehmen das in unsere polizeiliche Arbeit mit auf“, sagt Hanske. Die Landespolizei sei sensibilisiert, so Teich, auch dezentrale Unterkünfte würden von der Polizei bestreift. Außerdem hat das Ministerium den Wachschutz für die Heime erhöhen lassen. Tagsüber soll ein Wachmann da sein, nachts drei. Die Kosten trägt das Land.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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