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19. November 2017 | 11:46 Uhr

"Aidastella" ist virtuell schon auf Kurs

vom

svz.de von
erstellt am 27.Feb.2013 | 09:25 Uhr

Rostock | Der neue Kreuzliner "Aida stella" steuert das Warnemünder Terminal an. Auf der Brücke registriert Kapitän Nico Berg (38) aufmerksam die verschiedenen äußeren Bedingungen für das Fahrverhalten seines Schiffes. Der gebürtige Rostocker kennt zwar das Revier wie seine Westentasche, aber jede Einfahrt hat ihre Besonderheiten. Der Wind entwickelt enorme Kräfte an den mächtigen Außenflächen des Schiffes. Und für das Halten des Kurses ist es schon ein großer Unterschied, aus welcher Richtung er bläst. Zudem zieht der Strom unsichtbar unter Wasser an dem Schiffsriesen. Neben der Sogwirkung und dem Wellengang erschwert vielfach auch Nebel die Sicht.

Der Verkehr von und zum Hafen, aber auch die zur Begrüßung kommenden Fahrgastschiffe und Boote sind zu beachten. Routine ist fehl am Platze, Konzentration hat oberstes Gebot. Die Brücken-Crew hat alles im Griff, steuert die Wendeplatte und von hier den Liegeplatz gekonnt an, wo der Kreuzliner festmacht und die letzten Vorkehrungen für einen festlichen Akt beginnen. So etwa könnte es ablaufen, bevor am 16. März Kapitän Nico Berg die zehn Namensgeberinnen zur Taufzeremonie für die "Aidastella" auf die Bühne führt.

Jede Ansteuerung eines Schiffes kann bei Aida Cruises im eigenen Ausbildungs- und Trainingszentrum am Simulator geübt werden. Anfang September vergangenen Jahres wurde das maritime Simulator-Trainingszentrum CSMART an der Aida-Akademie im Gebäude der alten Rostocker Hauptpost eröffnet. CSMART steht für Center for Simulator Maritime Training und fungiert als Kompetenzzentrum für die Aus- und Weiterbildung von nautischen und technischen Führungskräften. Neben einem so genannten Full-Mission-Bridge-Simulator, einer Nachbildung der Brücke der "Aidablu", gehört zum neuen Trainingszentrum auch eine Maschinenraum-Simulation.

Heftige Strömungen und dichter Verkehr

Die Technik des Schiffssimulators stammt von Rheinmetall Defense Elec tronic Bremen, setzt sich aus Modulen von Bedienelementen zusammen, wie sie Nautiker aus der Praxis kennen und die auch für Schiffe der nächsten Generation austauschbar sind, erklärt Kapitän Burkhard Müller (52), der Leiter des Zentrums. An seiner Seite sorgen der Nautiker Mario Gehrke (34) und der Leitende Technische Offizier Frank Pohsin (41) für die verschiedenen Szenarien, die die Schiffsoffiziere in die Lage versetzen, mögliche Notfallsituationen in kürzester Zeit zu erfassen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. In die Trainingsinhalte sind so neueste wissenschaftliche Erkenntnisse eingeflossen. So zum Beispiel auch der Safety-Security-Trainer von Forschern der Seefahrtsschule aus Warnemünde, mit dem sich jeder virtuell auf Gefahrenmomente einstellen kann.

Programme stellen die verschiedenen Hafeneinfahrten dar, die die Schiffe der Aida-Flotte ansteuern. Sei es die wechselvolle Strömung des St.-Lorenz-Stroms bei der Ansteuerung von Montreal oder die stark frequentierte Straße von Singapur. Mario Gehrke führt die Kursteilnehmer von seiner Kommandozentrale mit einer praktischen Übung virtuell auf die Brücke der "Aidablu" zur Ansteuerung des Hamburger Kreuzfahrt-Terminals. Das Feuerschiff "Elbe 3" und ein Containerfrachter von Hanjin werden passiert. Plötzlich tauchen ein Doppeldecker und ein Ballon auf, dreht entgegenkommend ein Frachter ein, erschwert Nebel die Sicht. Der Nautiker auf der Brücke muss eingreifen. Auf den 220 Grad Panorama-Bildschirmen können Manöver unter Einflüssen wie Seegang, Wind, Strömung, verschiedene Lichtverhältnisse oder Niederschlag simuliert werden. Hydrodynamische Modelle und das Einpflegen verschiedener Programme machen es möglich. Auch eine Bohrinsel gehört zum virtuellen Inventar. "Es ist ein Gefühl, als stehe man auf der echten Brücke", sagt ein Kursteilnehmer. Jede Übung beinhaltet eine Aufgabenstellung zu kreuzfahrtspezifischen Themen, die die Fahrensleute fordern und so deren nautische und technische Kenntnisse vervollkommnen helfen.

300 Seminare und Programme im Jahr

Durchschnittlich werden an der Akademie mehr als 300 Seminare und Trainingsprogramme pro Jahr angeboten. Erst vorige Woche waren Offiziere der Aida-Flotte am Simulator mit Szenarien in Häfen wie Warnemünde und Montreal im Einsatz. Für die erfolgreiche Teilnahme an einem Training gibt es ein Zertifikat. Ein solcher Kurs festigt das Können und die Fertigkeiten der Nautiker und Techniker, die Schiffe sicher auf Kurs zu halten. So auch an Bord der neuen "Aidastella", die am 17. März von Warnemünde zu ihrer Jungfernreise durch Nordeuropa startet.

So wie das CSMART in Rostock gibt es innerhalb Europas auch ein Simulator-Trainingszentrum Almere bei Amsterdam, wo Offiziere der gesamten Carnival-Gruppe für die Kreuzfahrt geschult werden. Die beiden Einrichtungen tauschen Erfahrungen aus, bestätigt Kapitän Burkhard Müller nach einem Telefonanruf des dortigen Leiters, während am Simulator im Gebäude der ehemaligen Rostocker Hauptpost die Schiffe fahren.

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