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Rostock : Ärzte helfen Rawad vom Krankenbett auf die Bühne

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

HMT-Student wird während Prüfungsphase im Klinikum Süd aufgenommen – Ärzte ermöglichen ihm Vorspiel

von
erstellt am 03.Mai.2014 | 15:00 Uhr

„Ich konnte nicht mehr auftreten. Mein Fuß war um das Dreifache angeschwollen“, erinnert sich Rawad Abo Mahmood. Er war gerade im Bus auf dem Weg von Berlin nach Rostock, als ihn die Schmerzen anfingen zu lähmen. „Als ich am Hauptbahnhof ankam, habe ich mich sofort in ein Taxi Richtung Krankenhaus gesetzt.“

Im Klinikum Süd angekommen, traf Rawad die Diagnose wie ein Schlag: „Ich hatte eine schwere Infektion im Bein. Ich musste dort bleiben.“ Dabei stand der junge Musiker gerade vor seiner ersten Abschlussprüfung. „Ich musste üben. Ich wollte das Examen auf keinen Fall verschieben. Dazu hatte ich zu lange dafür geübt“, erzählt er. Rawad studiert an der Hochschule für Musik und Theater (HMT). Wenn alles gut geht, hat er Anfang Juli sein Diplom als Hornist in der Tasche. „Dazu muss ich alle Prüfungen fristgerecht ablegen.“ Rawad wollte im Krankenhaus üben. Seine erste Prüfung stand bevor.

„Auf Initiative von Oberarzt Bernd Kortmann durfte ich dazu den im Klinikum integrierten Hörsaal nutzen“, freut sich Rawad. Noch immer nicht aus dem Krankenhaus entlassen, stand der erste Prüfungstermin an. „Rawad durfte in die Hochschule fahren und dort vorspielen. Er musste uns nur versprechen, sein Bein nicht zu belasten“, erklärt Michael Reichardt, Rawads behandelnder Arzt.

„Mir bedeutete das sehr viel. Ich habe die Prüfung bestanden“, freut sich der junge Mann. Als Zehnjähriger hat er angefangen, Klavier zu lernen, mit 16 hielt er zum ersten Mal ein Horn in der Hand. „Musik ist mein Leben“, sagt der heute 28-Jährige. Mindestens sechs Stunden täglich übt er für seinen Traum, ein international gefragter Hornist zu werden.

Seine Heimatstadt Damaskus in Syrien hat Rawad Abo Mahmood für diesen Traum verlassen. „Ich habe Aufnahmen von deutschen Orchestern gehört. Sie klangen immer sehr kraftvoll. Das hat mir gefallen“, verrät Rawad. Der Entschluss stand fest: „Ich wollte nach Deutschland gehen.“ Seit zweieinhalb Jahren lebt er in Rostock. Vorher hat er am Goethe-Institut Damaskus Deutsch gelernt. „Ich habe zuerst den Bachelor in meiner Heimat gemacht.“ Dass Rawad Musiker werden würde, war dabei nicht immer klar. „Ich habe zuerst zwei Semester lang Journalismus studiert. Doch dann wurde mir klar, dass der Beruf nicht zu mir passt. Mein Weg ist die Musik.“

An die Hochschule für Musik und Theater kam Rawad durch einen Zufall. „2011 habe ich in Griechenland ein Konzert gespielt.“ Im Publikum saß Michael Höltzel, der eine Professur an der HMT hatte. „Er hat mich zu einer Probestunde eingeladen.“ Begeistert von seinem Vorspiel, unterstützte Höltzel Rawads Bewerbung in Rostock. Mittlerweile wird Rawad von Bodo Werner unterrichtet. „Ich kann von ihm sehr viel lernen“, so der Student. Nach seinem Diplom will Rawad seinen Master machen. Wo das sein wird, da will er sich nicht festlegen. Für die Zukunft wünscht er sich ein festes Engagement in einem Orchester. Momentan ist er ungefähr einmal im Monat an Projekten beteiligt, manchmal auch öfter. „Ein Projekt beinhaltet drei bis vier Konzerte“, erklärt Rawad. Zurück nach Syrien will der 28-Jährige vorerst nicht. Darüber macht er sich frühestens Gedanken, wenn er den Master absolviert hat.

 

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