Wohnungsbau : Ärger an der Warnowkante

Durch den Verlauf der Planstraße A können die Anlieger zur Kasse gebeten werden. Grafik: Stepmap
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Durch den Verlauf der Planstraße A können die Anlieger zur Kasse gebeten werden. Grafik: Stepmap

Anlieger der Pressentinstraße in Gehlsdorf fürchten, dass Kosten durch das geplante Wohngebiet und dessen Erschließung auf sie zukommen.

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06. Juli 2015, 08:00 Uhr

Die Stadt plant, die Anlieger müssen zahlen – gegen ihren Willen. Für das Wohngebiet Obere Warnowkante in Gehlsdorf hat das Amt für Stadtplanung einen B-Plan ausgearbeitet, der den Verlauf der Hauptverbindungsstraße direkt an der Südseite der Grundstücke Pressentinstraße 1 bis 11 vorsieht. 90 Prozent der Kosten für diese Planstraße können dank dieses Kniffs auf die Anlieger umgelegt werden. Im Gegenzug, so Chefstadtplaner Ralph Müller, „werten wir die Grundstücke deutlich auf“. Denn in den Gärten der Privathäuser seien nun weitere Wohngebäude zulässig. Sie würden damit zu kostbarem Bauland.

Das jedoch will die Hälfte der Betroffenen gar nicht. Bei einer Besprechung im Amt hatten die Anlieger das auch klar zu verstehen gegeben. Jetzt sind sie enttäuscht. Tenor: „Wir werden einfach ignoriert und überplant.“ Dabei sei der Verlust des Grünraums und des unverstellten Warnowblicks nur ein Ärgernis. Die Anwohner fürchten auch den zusätzlichen Verkehr. Die Pressentinstraße sei nicht in der Lage, noch einmal mehrere Hundert Autos am Tag aufzunehmen.

Unterstützung bekommen sie vom Ortsbeirat, der den gesamten B-Plan in der aktuellen Fassung abgelehnt hat. „Das passt in der Dimension überhaupt nicht da hin“, sagt Mitglied Reinhart Kühner (Graue). Insgesamt sind 180 neue Wohnungen vorgesehen. Dafür sollen vor allem auf dem Gelände der ehemaligen Produktionsgenossenschaft des Handwerks Waterkant zwei- bis viergeschossige Häuser gebaut werden, die laut Müller maximal 14 Meter hoch sein werden. Ihm zufolge sei die Zunahme des Verkehrs auf der Pressentinstraße noch verkraftbar. Zu diesem Ergebnis sei zumindest das Tief- und Hafenbauamt gekommen. Im Zusammenhang mit dem ebenfalls vorgesehenen Neubaugebiet für Einfamilienhäuser am Melkweg sei aber eine verkehrstechnische Untersuchung Gehlsdorfs anvisiert. Das Parkplatzproblem im Gebiet Obere Warnowkante werde durch Tiefgaragen gelöst.

Ebenfalls betroffen sind einige Kleingärtner der Anlage Hufe V. Insgesamt 13 Parzellen müssen für das Neubaugebiet weichen. „Sie können erst gekündigt werden, wenn der B-Plan kommt“, sagt Müller. Grundlage dafür sei die Umnutzungskonzeption von 2008. Sollte die Bürgerschaft am 8. Juli den Beschluss zur öffentlichen Auslegung des B-Plans und am Jahresende den Satzungsbeschluss fassen, „kann schon nächstes Jahr gebaut werden“, so Müller.

Ihm zufolge könne das Gebiet zum Testfall werden. Da große Teile der Stadt selbst gehören, sei beispielsweise eine Konzeptausschreibung möglich. So könne gegen eine Erschließungszusage des Käufers der Quadratmeterpreis oder auch die zulässige Miethöhe festgeschrieben werden. „Wir haben bewusst gesagt, wir wollen hier eine hohe Qualität“, so Müller. Vorgesehen seien zudem ein Spielplatz in der Nähe des Yachtclubs Warnow und der Schutz des Waldes inklusive Uferweg.

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