Adoptionen: Abfuhr für die Linken

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07. Juni 2012, 11:39 Uhr

Rostock | In der Debatte um die zukünftige Organisation des Rostocker Pflegefamilienzentrums und von Adoptionen hat der Jugendhilfeausschuss der Linksfraktion eine deutliche Abfuhr erteilt. Mit großer Mehrheit sprachen sich die Mitglieder gegen den Antrag der Linken aus, beide Aufgaben ab 2013 in städtische Hände zu nehmen. Zum Teil, weil sie den Antrag für überflüssig hielten. "Die Adoptionsvermittlung liegt ohnehin bei der Stadt. Das ist gesetzlich so festgelegt", erläuterte die Leiterin des städtischen Amtes für Jugend und Soziales, Angelika Coors. Jugend- und Sozialsenatorin Liane Melzer (SPD) stellte außerdem klar: "Auch in der Pflegevermittlung sind die hoheitlichen Aufgaben selbstverständlich immer bei der Stadt geblieben." Damit ist die Prüfung der Pflegeerlaubnis gemeint.

Im Jahr 2008 hatte der Träger Caritas allerdings mit dem Pflegefamilienzentrum die Aufgaben der Suche, Vermittlung und späteren Betreuung von Pflegefamilien in Rostock und Umgebung übernommen. Nun läuft der Vertrag mit der Stadt dafür aus. Das nahmen die Linken zum Anlass für ihren Antrag.

Melzer warnt: "Die Arbeit, die die Caritas zurzeit übernimmt, ist in diesem Umfang von der Stadt gar nicht zu leisten." Als der katholische Wohlfahrtsverband 2008 mit dem Pflegefamilienzentrum in Rostock begann, waren 68 Pflegeverhältnisse zu betreuen. Heute gibt es nach Angaben des Caritas-Geschäftsführers Bernhard Peitz 121 Kinder, die in Pflegefamilien leben. Insbesondere sollen Kinder bis zu acht Jahren mit diesem Modell unterstützt werden. "Der Bedarf wächst, und damit auch der Bedarf an qualifiziertem Personal", so Peitz. Unabhängig davon, wer die Aufgaben in Zukunft übernimmt, müsse in diesem Bereich aufgestockt werden. Dass die Caritas an der Aufgabe festhalten möchte, machte der Geschäftsführer deutlich: "Wir wollen die Kinder und Familien weiter betreuen, weil wir es gerne tun."

Ausschussmitglied Katrin Schankin vom Stadtjugendring forderte, Pflegeeltern sollten die Wunsch- und Wahlfreiheit zwischen dem Träger und der Stadt haben. Jugendamtsleiterin Coors entgegnete: "Das können sie bereits. In den vergangenen Jahren ist es allerdings nur ein einziges Mal vorgekommen, das Eltern nicht vom Pflegefamilienzentrum betreut werden wollten." Auch gegen den Vorwurf der Linken, die Stadt wisse nicht, wie die Eltern geschult und betreut werden, wehrte sich Coors: "Alle Schulungen sind transparent und eng mit uns abgestimmt." Die Caritas habe sich stets als verlässlicher Partner für die Stadt erwiesen. Ulrike Jahnel (CDU) plädierte daraufhin im Sinne der betroffenen Eltern und Kinder für Kontinuität.

Eine Veränderung - allerdings nur in finanzieller Hinsicht - hat die Stadt bei der gemeinsamen Adoptionsstelle mit dem Landkreis angeschoben. Unabhängig vom aktuellen Antrag der Linken sei die Hansestadt in Verhandlungen mit dem Kreis getreten, sagte Jugend- und Sozialsenatorin Melzer. "Wir haben uns darauf geeinigt, dass es auch nach der Kreisgebietsreform eine gemeinsame Vermittlungsstelle geben soll. Die Kosten werden künftig aber zur Hälfte geteilt." Früher hatte der Landkreis nur eine Pauschale bei Inanspruchnahme gezahlt.

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