Abschieben: Die Graudüne ist tabu

Abgeschoben werden darf die Düne Nummer 4 nur bis zu diesem Pflock, den Roger Schult in Absprache mit Hans-Dieter Bringmann (r.)  einschlägt.sabine schubert
Abgeschoben werden darf die Düne Nummer 4 nur bis zu diesem Pflock, den Roger Schult in Absprache mit Hans-Dieter Bringmann (r.) einschlägt.sabine schubert

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22. März 2010, 08:02 Uhr

Warnemünde | Mit schwerer Technik lässt die Tourismuszentrale seit gestern die Hauptwege zwischen Promenade und Strand vom Sand befreien. Anschließend sollen entsprechend einem Konzept die Dünen vier(Höhe Luisenstraße) und elf (Höhe Neptun) abgeschoben werden. Vor Beginn dieser Aktion machte sich gestern Hans-Dieter Bringmann, Biotopbetreuer im Amt für Naturschutz, Landschaftspflege und Stadtgrün, auf den Weg nach Warnemünde, um die Dünen unter die Lupe zu nehmen und um Absprachen mit der Tourismuszentrale zu treffen. Der Naturschützer unterscheidet dabei zwischen Grau- und Weißdüne.

"Die Graudüne, das ist der Bereich entlang der Promenadenmauer, wo sich Pflanzen angesiedelt haben und der ebenso wie ein drei Meter Streifen bis hin zur Weißdüne nicht verändert werden darf ", sagt Bringmann. In dem geschützten Areal fühlen sich Doldiges Habichtskraut, Flechten- und Moosarten, aber auch Insekten wie Hummeln, Wildbienen und Tagfalter sehr wohl. "Damit Pflanzen und Tiere eine Chance zum Überleben haben, sieht das Konzept genau vor, in welchem Jahr welche vorgelagerte Weißdüne, die zu den artenärmsten Gesellschaften in Mitteleuropa zählt, abgeschoben werden darf. Sie ist sehr nährstoffarm, dafür aber salz- und kalkhaltig, so dass dort unter anderem anspruchsloserer Pflanzen wie Strandroggen, Strandhafer und Meersenf gedeihen", erläutert der Fachmann, der mit dem Bewuchs der Graudüne Nummer 4 nicht zufrieden ist. Ginge es nach den Naturschützern, so gesteht er, dürften die Warnemünder Dünen ungehindert wachsen. "Damit könnte das Seebad werben. Aber das ist leider nicht gewollt", bedauert Bringmann.

Bevor die Weißdünen bis Ende April fallen, werden Mitarbeiter eines Unternehmens den Strandhafer werben und einlagern. Nach der Aktion kommen die Pflanzen wieder in den Sand. Zusätzlich werden Polyester-Zäune, die eigentlich Straßen vor Schneeverwehungen schützen sollen, aufgebaut. Sie halten den Sand fest, so dass dieser sich nicht ungehindert auf der Graudüne und die Pflanzen absetzen kann. "Nach diesen Maßnahmen werden wir auch die Sandfangfalle an der Mole leeren", sagt Roger Schult von der Tourismuszentrale, der gestern Pflöcke als Abschiebe-Begrenzung auf den Dünen eingeschlagen hat.

Ende des Jahres, so Tourismuschefin Marita Schröder, wollen sich die Experten erneut mit dem zunächst bis 2012 befristeten Dünenpflegekonzept beschäftigen. "Es gilt zu prüfen, ob sich die in dem Papier festgelegten Maßnahmen bewährt haben, ob sie sinnvoll waren oder was wir im Interesse von Fauna und Flora sowie des Umwelt- und Küstenschutzes möglicherweise verändern müssen."

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