Abgewrackte Hoffnung

Das Atomforschungsschiff 'Otto Hahn' im Einsatz.Archiv
Das Atomforschungsschiff "Otto Hahn" im Einsatz.Archiv

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14. Dezember 2010, 08:34 Uhr

Geesthacht | Mit dem geplanten Castor-Transport sollen morgen auch 52 Brennstäbe des einzigen deutschen "Atomschiffs" ins Zwischenlager Lubmin nach Mecklenburg-Vorpommern gebracht werden. Mit dem für 19 Millionen Mark - das entspricht 9,7 Millionen Euro - bei den Kieler Howaldtswerken gebauten Erzfrachter "Otto Hahn" wollten Forscher des GKSS-Forschungszentrums die Wirtschaftlichkeit atomgetriebener Frachtschiffe beweisen. Der erfolglose Versuch wurde 1979 nach zehnjähriger Betriebszeit beendet.

Die Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schiffahrt mbH (GKSS) in Geesthacht hatte 1961 den Bau des Nuklearschiffs beschlossen - mitten in einer Zeit, als auch in Teilen der deutschen Gesellschaft noch eine gewisse Atomkraft-Euphorie herrschte. Zum Stapellauf kam am 13. Juni 1964 auch Namensgeber und Nobelpreisträger Otto Hahn nach Kiel.

Ein "Fortschrittlicher Druckwasser Reaktor" mit 38 Megawatt Leistung trieb das 172 Meter lange Schiff an. Es war nach dem sowjetischen Eisbrecher "Lenin" weltweit eines der ersten zivilen Schiffe mit Atomantrieb. Laut GKSS fand nach mehreren Probefahrten mit konventionellem Antrieb am 11. Oktober die erste Fahrt mit Reaktorantrieb statt. Am 6. Februar 1969 erhielt das Forschungsschiff schließlich die Genehmigung zur Fahrt auf allen Weltmeeren.

Anlaufgenehmigungen bereiteten Probleme

In den folgenden zehn Jahren absolvierte die "Otto Hahn" 131 Reisen in 22 Länder. Dabei legte sie etwas weniger als 650 000 Seemeilen zurück. Das entspricht etwa 30 Erdumrundungen. Neben knapp fünf Dutzend Forschungsreisen transportierte sie bei mehr als 70 Fahrten insgesamt 776 000 Tonnen Erz, Kohle, Phosphat oder Getreide.

Probleme bereitete es allerdings, Anlaufgenehmigungen für Häfen zu erhalten. Das Aus kam schließlich im Februar 1979. "Obwohl 1972/73 ein zweiter von GKSS weiterentwickelter und leistungsstärkerer Kern eingesetzt werden konnte, kristallisierte sich dennoch immer stärker hinaus, dass der erhoffte Beweis der Wirtschaftlichkeit nicht zu erbringen sein würde", heißt es dazu in einer Broschüre des heutigen Helmholtz-Zentrums Geesthacht. Die Stilllegung des "Atomschiffs" kostete nach GKSS-Angaben 46 Millionen Mark (23,5 Millionen Euro). Davon entfielen alleine 17 Millionen Mark (8,7 Millionen Euro) auf Lagerung und Wiederaufbereitung der Brennstäbe. Der Druckbehälter des Reaktors lagert noch heute in Geesthacht. Die 52 Brennstäbe waren bislang ebenfalls dort deponiert, wurden im Sommer aber ins südfranzösischen Kernforschungszentrum Cadarache gebracht. Von dort aus kommen sie nun nach Lubmin.

Das Schiff selbst wurde 1982 an die Rickmers-Werft in Bremerhaven verkauft, die es zu einem konventionellen Containerschiff mit Dieselantrieb umbaute. Noch bis Ende 2009 fuhr es als Frachtschiff auf den Weltmeeren, zuletzt als "Madre" unter liberischer Flagge.

Später steuerte das Schiff zur Abwrackung nach Bangladesch.

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