Abfahrt der "Georg Büchner" verzögert sich

Michaela Krohn
Michaela Krohn

von
27. Mai 2013, 06:59 Uhr

Rostock | Die letzte Fahrt der „Georg Büchner“ hat sich gestern ein weiteres Mal verschoben. Weil der polnische Schlepper „Ajaks“ mit den Vorbereitungen für die Verholung länger gebraucht hat als erwartet, soll das Schiff erst heute früh den Stadthafen verlassen. Gegen 7.30 Uhr soll die „Büchner“ sich dann endgültig aus dem Stadthafen verabschieden. Gestern bereitete ein fünfköpfiges Team der Baltic- Taucher alles für die Überfahrt nach Klaipeda vor. Mit Schneidbrennern lösten sie die beiden Dalbenschlösser vom Schiff, demontierten eine Gangway und ein Podest. Drei Schlepper ziehen das manövrierunfähige Schiff heute aus dem Hafen. Dann soll die „Büchner“ nach Klaipeda gebracht werden. Damit ist eine monatelange, fast zermürbende Diskussion um ein für Rostock wichtiges Denkmal beendet. Aller Voraussicht nach wird das Schiff verschrottet, auch wenn Hafenkapitän Gisbert Ruhnke gestern erneut erklärte, dass es lediglich im litauischen Klaipeda festgemacht wird.

Das Schiff war einst im Liniendienst zwischen Antwerpen und dem Kongo im Einsatz. 1967 wurde der Kolonialversorger an die Deutsche Seereederei in Rostock verkauft und diente dort als Ausbildungsschiff. Jahrelang hatte der Rostocker Förderverein Traditionsschiff das Schiff bewirtschaftet. Doch 2012 sah sich der Verein gezwungen, die „Georg Büchner“ abzugeben, weil er sie nicht mehr wirtschaftlich betreiben konnte. Angesichts von Millionenkosten für die Restauration wurde niemand gefunden, der sich ernsthaft dafür interessierte. Genaue Zahlen, was die Restaurierung gekostet hätte, gibt es nicht. Der Leiter des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege, Dr. Michael Bednorz, zitierte belgische Interessenten mit einem Betrag von mindestens zehn Millionen Euro. Nach Worten des Insolvenzverwalters des Fördervereins, Tobias Schulze, handelt es sich bei den Käufern um eine Gesellschaft von den Seychellen. Deren Anwälte könnten aber nicht bestätigen, dass das Schiff tatsächlich verschrottet wird. Es gebe die klare Aussage, dass das Schiff nicht als Denkmal erhalten werde. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart. Es werde wohl ein sechsstelliger Betrag für die Hansestadt übrigbleiben.

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