zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

25. September 2017 | 19:01 Uhr

Ab 2 Uhr schlägt alles im neuen Takt

vom

svz.de von
erstellt am 29.Okt.2010 | 08:30 Uhr

Rostock | 600 Uhren ticken im Geschäft der Familie Liebetreu im gleichen Takt. Stand-, Taschen,- Armband- und Tischuhren: Das Sortiment ist groß. Seit Tagen stellt Silke Röspe alle Chronografen um, damit am Sonntag auch alles auf Normalzeit läuft. "Wir fangen bereits eine Woche vorher an", sagt die Tochter des Rostocker Uhrmachers Horst Liebetreu.

Für das Umstellen hat sie sich einen Plan zurechtgelegt: Erst sind die Zeitmesser in den Vitrinen dran, dann kommen die auf den Tischen und zum Schluss die im Schaufenster. "Dabei kann ich auch schon mal eine übersehen", sagt Röspe, die sich bemüht, jedes Zeiteisen zu aktualisieren. Besonders stolz ist die Familie auf zwei Standuhren, die sich seit Jahren in ihrem Besitz befinden und nicht zum Verkauf stehen.

Funkuhren werden automatisch eingestellt

Seit 1963 existiert das Uhrengeschäft im Barnstorfer Weg. Heute gibt es nur noch wenige traditionelle Uhrmachermeister und Chronometermacher in der Hansestadt. 2003 hat Silke Röspe das Geschäft von ihren Eltern übernommen. Das halbjährliche Umstellen der Zeit kommt ihr ganz gelegen: "So nehmen wir alle Uhren noch einmal unter die Lupe und können sie sichten." Viele Exemplare im Laden sind Funkuhren. "Diese werden über ein Sig nal aus Frankfurt am Main automatisch umgestellt", sagt die Inhaberin. Wenn am Montag alle Uhren im Geschäft richtig ticken, kommen die Kunden mit ihren Zeitmessern zu dem Uhrmacher im Barnstorfer Weg. Besonders die ältere Kundschaft sucht die Hilfe von Familie Liebetreu. "Viele wünschen sich in diesen Momenten eine Funkuhr."

Die 56 öffentlichen Großuhren in der Stadt sowie die Rathausuhr werden über Funk gesteuert. Die Informationen zur genauen Zeit und zum Datum müssen innerhalb von 59 Sekunden eintreffen, damit die Umstellung einwandfrei funktioniert. Durch besondere Wetterverhältnisse oder elektrische Felder an Straßenbahn-Knotenpunkten kann es in Einzelfällen Störungen geben.

Bei den Liebetreus hat bis jetzt fast immer alles geklappt - auch mit den Funkuhren. "Nur einmal habe ich bei der Umstellung auf die Sommerzeit die Uhren zurück- statt vorgestellt", sagt Röspe. Aber schon nach wenigen Uhren sei ihr der Fehler aufgefallen. Ganz andere Auswirkungen hat die Zeitumstellung auf Menschen, die in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag arbeiten müssen. Während Krankenpfleger und Ärzte der Uniklinik einfach eine Stunde an ihren Dienst ranhängen, wird bei der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) ein komplett neuer Dienstplan aufgesetzt. Lenk- und Fahrtzeiten müssen bei den Mitarbeitern aus Sicherheitsgründen eingehalten werden. "Das ist nach all den Jahren recht unproblematisch", sagt Anke Koch von der RSAG.

Die Uhren bei den Liebetreus ticken ab Sonntag pünktlich im Rhythmus der Normalzeit. Bei den vielen Zeigern im Laden vergisst Silke Röspe schon mal die ein oder andere bei sich zu Hause. Was sie mit ihrer Extrastunde am Sonntag macht, weiß sie schon jetzt ganz genau: "Ich werde schön ausschlafen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen