Soziales : Wie gelingt die Pflege Angehöriger daheim?

Jana Scheffler (r.) berät Sonja Richter bei der Versorgung ihrer Mutter.
Jana Scheffler (r.) berät Sonja Richter bei der Versorgung ihrer Mutter.

PfiFf-Kurs an der Unimedizin bietet Angehörigen Hilfestellung zur Pflege zuhause.

svz.de von
08. November 2018, 14:22 Uhr

Rostock | Seit knapp einem Jahr pflegt Sonja Richter (63) ihre Mutter. Die 86-Jährige ist wegen einer Herzerkrankung auf Hilfe angewiesen. Für Sonja Richter war die Lage sofort klar: „Ich bin für meine Mutter da.“ Mit voller Hingabe umsorgt sie sie, macht ihr Essen, unterstützt im Haushalt, sorgt für Gesellschaft und achtet darauf, dass es ihrer Mutter gut geht. Die Morgenwäsche übernimmt ein Pflegedienst. Dass die 86-Jährige mit voranschreitendem Alter bald noch mehr pflegerische Betreuung benötigen wird, darüber hat sich Sonja Richter bereits Gedanken gemacht. So gut es geht, will sie die anfallenden Arbeiten übernehmen, damit sie ihre Mutter nicht in einem Pflegeheim unterbringen muss. „Das kommt für uns nicht in Frage“, begründet Richter.

Umso wichtiger ist der 63-Jährigen, schon jetzt für die Zeit gewappnet zu sein, wenn es ihrer Mutter schlechter geht. Aus diesem Grund hat sie sich bei dem Projekt „Pflege in Familien fördern“ (PfiFf) an der Unimedizin Rostock angemeldet. In enger Zusammenarbeit mit der AOK Nordost erfahren die Teilnehmer, wie sie Angehörige in ihrer vertrauten Umgebung pflegen und betreuen können. „An drei Schulungstagen geben wir den zehn bis zwölf Angehörigen Einblicke in die Grundkrankenpflege“, erklärt PfiFf-Dozentin Jana Scheffler. Dazu gehören die Körper-, Mund-, und Nagelpflege sowie die Haarwäsche im Bett und der Transfer vom Bett zum Stuhl. Außerdem lernen die Teilnehmer, wie sie bei ihrem Verwandten oder Bekannten erkennen, ob es ihm gut geht, wenn er sich nicht mehr äußern kann. Das hat Sonja Richter sehr geholfen: „Wenn meine Mutter blass ist oder nicht von der Couch hochkommt, weiß ich, dass sie heute keinen guten Tag hat.“ Sie hat auch gelernt, wie sie ihrer Mutter aufhelfen kann, wenn sie gestürzt ist und auch, wann sie sich auch mal zurücknehmen soll. Denn schnell schleichen sich Bequemlichkeiten ein, wenn es um einfachste Handgriffe geht, die der Bedürftige nicht erledigen mag. Pflegeprofi Jana Scheffler weiß: „Auch wenn sie es von Herzen gut meint, alle Arbeit abzunehmen, so soll die Mutter so viel wie möglich selbst machen.“ Dadurch werden Krankheiten wie Geschwüre durch Wundliegen und Lungenentzündungen vermieden.

Bei all der Aufopferung gibt die PfiFf-Dozentin Sonja Richter mit auf den Weg, sich selbst nicht zu vergessen. „Nur wer auch mal an sich denkt, hat auch die Kraft, jemanden zu pflegen“, erklärt sie. Diesen Gedanken nimmt sich die Kursteilnehmerin zu Herzen und gönnt sich regelmäßige Auszeiten. Im Sommer hat die Seniorin in einer Gartenabteilung eines Fachmarktes ausgeholfen und sich mit Besuchen im Freibad erholt. Die Zeit, die sie mit ihrer Mutter verbringt, möchte Sonja Richter trotzdem nicht missen. „Ich muss mich einfach um meine Mutter kümmern, das ist für mich selbstverständlich, davon abgesehen verstehen wir uns wirklich gut“, erklärt sie. Das frisch gelernte Fachwissen aus dem PfiFf-Kurs wird sie gleich umsetzen.

Die Unimedizin Rostock bietet in regelmäßigen Abständen PfiFf-Kurse für Angehörige an. Das Angebot ist kostenlos und unabhängig von der Kassenzugehörigkeit.

Kontakt: 0381 / 494 81 34

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen