Universität Rostock : Wissenschaftler gründen eigenes Unternehmen

Professor Hermann Seitz (rechts) und Clemens Lieberwirth (links) präsentieren den von AIM3D entwickelten Druckkopf. Im Hintergrund die Produktionshalle des jungen Startups (Copyright: Universität Rostock/Julia Tetzke).
Professor Hermann Seitz (rechts) und Clemens Lieberwirth (links) präsentieren den von AIM3D entwickelten Druckkopf. Im Hintergrund die Produktionshalle des jungen Startups (Copyright: Universität Rostock/Julia Tetzke).

Rostocker Wissenschaftler gründen Unternehmen und wollen den 3D-Druck weiterentwickeln.

svz.de von
08. Januar 2019, 05:00 Uhr

Rostock | Die Computerdrucker von heute arbeiten schon lange nicht mehr nur zweidimensional. 3D-Drucker sind eine aktuelle Entwicklung, die es ermöglichen, ganze Bauteile wie aus dem Nichts zu zaubern. Was die Popularität allerdings noch einschränkt, ist die Tatsache, dass 3D-Druck sehr teuer ist. Das Problem der Kosten hat sich das Startup Unternehmen AIM3D, eine Ausgründung aus der Universität Rostock, vorgenommen und gelöst.

„Wir haben einen 3D-Drucker entwickelt, der erstmalig nahezu alle Keramik-, Metall- und Kunststoffmaterialien in ein und demselben 3D-Drucker verarbeiten kann“, sagt Clemens Lieberwirth, einer der Gründer und Prokurist im Unternehmen, nicht ohne Stolz. Dafür haben die Gründer einen Druckkopf entwickelt und gebaut, der Standard-Spritzgussmaterial verarbeitet. Dabei handelt es sich nach Angaben des 28-Jährigen um eine Entwicklung, die derzeit zur Weltspitze gehört. Mit dem neuen Fertigungsverfahren können die Kosten so weit gesenkt werden, dass sogar die Serienfertigung bestimmter Komponenten wirtschaftlich wird. Lieberwirth hat wie sein Gründer-Kollege und Geschäftsführer Dr. Vincent Morrison an der Universität Rostock studiert. Bereits während des Studiums haben sie zwei Prototypen aufgebaut und so die Verarbeitung der Materialien untersucht.

Die Rostocker haben inzwischen Investoren von ihrem Konzept überzeugt. Zusammen mit dem halbstaatlichen High-Tech-Gründerfonds (HTGF) ist Brose, weltweit der viertgrößte Automobilzulieferer in Familienbesitz, bei dem im Februar 2017 gegründeten Unternehmen AIM3D mit 1,4 Millionen Euro eingestiegen. Denn vor allem in der Luft-und Raumfahrt, der Medizintechnik und der Automobilbranche wird ein starkes Wachstum im 3D-Druck erwartet.

Clemens Lieberwirth und Vincent Morrison haben bereits während ihrer Arbeit am Lehrstuhl für Mikrofluidik, der vielfältige Forschung auf dem Gebiet des 3D-Drucks betreibt, intensiven Kontakt zur Industrie gehabt. „Dadurch fühlten wir uns herausgefordert, Verfahren zu entwickeln, um die hohen Fertigungskosten beim 3D-Druck zu reduzieren.“

Lehrstuhlinhaber Professor Hermann Seitz legt in der Grundlagenforschung großen Wert auf Entwicklungen, die in konkrete Produkte münden und in der Industrie Anwendung finden. So hat er auch die Idee für die Ausgründung gefördert und gehört dem Startup AIM3D mit an. „Für uns als Hochschule hat die Forschung oberste Priorität“, sagt der Wissenschaftler. Dass er gemeinsam mit seinen ehemaligen Studenten renommierte Investoren mit der Idee eines neuen Verfahrens im 3D-Druck begeistern konnte, freut nicht nur ihn. „Durch die enge Zusammenarbeit mit der Industrie ergeben sich für die Universität neue interessante Forschungsthemen“.

Für Clemens Lieberwirth war es, wie er sagt, wichtig, nach dem Studium in der Heimat zu bleiben. „Entweder finde ich hier einen Job oder ich muss Jobs schaffen“, sagt der junge Mann und weiß, dass sein Kollege Vincent Morrison ähnlich denkt: „Wir brauchen die Küste und die Familie in der Nähe.“

Das Startup will Kunden ein Werkzeug zur Verfügung stellen, damit sie ihre Ideen in Produkte umsetzen können. „Wir sind Maschinenbauer, also keine 3D-Druck-Dienstleister“, unterstreicht Clemens Lieberwirth. Das kreative Rostocker Team, das aus Absolventen der Universität hervorgegangen ist, beschäftigt inzwischen zehn Leute.

Das Ziel für 2019 ist der Verkaufsstart der Serienanlage ExAM 255. Das ist ein 3D-Drucker zur Verarbeitung von Spritzgussgranulat. Die Nachfrage aus der Industrie ist sehr groß. „Deshalb wollen wir uns personell erweitern“, kündigt Clemens Lieberwirth an. Mit dem ersten großen Wurf im 3D-Druck soll nicht Schluss sein. „Wir wollen weitere Maschinen entwickeln.“

In der Rostocker Industriestraße hat das Startup inzwischen eine große Produktionshalle mit Bürofläche bezogen. Die Universität Rostock und die Wirtschaftsförderer von Rostock Business geben Hilfestellung, wann immer sie gebraucht wird.

„Wir begleiten als Wirtschaftsfördergesellschaft das Unternehmen vom ersten Moment an“, sagt Geschäftsführer Christian Weiß. „Dabei verstehen wir uns als strukturgebenden und kompetenten Dienstleister für das Marketing des Wirtschaftsstandortes Rostock.“ Der erste Kontakt zu dem Rostocker Startup AIM3D GmbH entstand während des Luft- und Raumfahrtkongresses in Rostock. „Wir konnten dem jungen Unternehmen erfolgreich als Berater bei der Suche des idealen Standortes und Türöffner bei Behörden und Banken zur Seite stehen“, betont Christian Weiß.

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