Uni Rostock : Medizin-Know-how enthüllte Schicksal des Müritz-Ötzis

Prof. Dr. Jürgen Piek untersucht einen Schädel mit Pfeilspitze. Foto: Unimedizin Rostock
Prof. Dr. Jürgen Piek untersucht einen Schädel mit Pfeilspitze. Foto: Unimedizin Rostock

25 Jahre Zusammenarbeit zwischen Rostocker Neurochirurgie und Landesamt für Kultur und Denkmalpflege MV.

svz.de von
26. November 2018, 10:13 Uhr

Rostock | Der Neurochirurg und der Archäologe sind ein ungewöhnliches Paar: Seit beinahe 25 Jahren arbeiten Prof. Dr. Jürgen Piek, Direktor der Abteilung für Neurochirurgie der Universitätsmedizin Rostock (UMR), und der Landesarchäologe Dr. Detlef Jantzen vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege zusammen. Wenn Jantzen und sein Team auf menschliche Knochen mit Verletzungsspuren stoßen, wird Prof. Piek zu Rate gezogen, um wichtige Informationen über die Knochen und ihre Geschichte herauszufinden. Zahlreiche Medizinerkollegen aus der UMR unterstützen ihn dabei.

Mit Mikroskop, Röntgen und Computertomographie versuchen die Forscher, möglichst viel über die gefundenen Knochen herauszufinden. Piek und sein Team konnten mit der modernen Medizintechnik und ihrem Know-how besonders gut bei der Untersuchung des sogenannten „Müritz-Ötzi“ helfen. „Dieses Skelett ist etwa 5000 Jahre alt und wurde gut erhalten in Rechlin am südlichen Ufer der Müritz gefunden. Da es sehr zerbrechlich war, wurde der Schädel im Block geborgen und in einer Kiste mitsamt der Erde untersucht“, erläutert Jantzen. Allem Anschein nach wurde der etwa 30 Jahre alte Mann zuvor einer Schädelöffnung (Trepanation) unterzogen und hat diese sogar überstanden.

Piek ist spezialisiert auf Trepanationen und hat sich mit Operationsmethoden aus der Steinzeit beschäftigt. Dafür hat er seinerzeit 116 Schädel aus der Jungsteinzeit untersucht und bei sechs Schädeln Anzeichen einer Trepanation gefunden. Dort hatte ein prähistorischer Chirurg mit einem Flintstein vorsichtig ein Loch in die Schädeldecke geschabt. Auf Röntgen- und CT-Aufnahmen konnte man erkennen, dass fünf der Operierten den Eingriff sogar überstanden hatten. Über Forschungsmittel ermöglichte Piek die sogenannte C14-Methode, eine chemische Datierung kohlenstoffhaltiger, insbesondere organischer Materialien. So konnten die Überreste des ältesten Schädels zeitlich genauer auf das Jahr 3056 v. Chr. (+/- 145 Jahre) festgelegt werden. Man weiß heute, dass es sich dabei nicht um religiöse Rituale oder Ähnliches handelte, sondern die Eingriffe zu medizinischen Zwecken durchgeführt worden sind, beispielsweise um eine Schädelverletzung zu behandeln. Besonders spannend ist ein Fundplatz im Tollensetal, der seit 2009 erforscht wird. Hier scheint das älteste bronzezeitliche Schlachtfeld Europas zu liegen. Während der Bronzezeit sollen hier bis zu 4000 Menschen gekämpft haben; Hunderte ließen ihr Leben. Im Moor blieben die Überreste gut erhalten, sogar Holzkeulen waren unter den Funden.

„Besonders spektakulär war ein Schädel, in dem noch die Pfeilspitze steckte“, so Piek. Bei den Untersuchungen der Überreste unterstützten neben Prof. Piek auch Prof. Dr. Thomas Mittlmeier aus der Unfallchirurgie, Prof. Dr. Andreas Büttner aus der Rechtsmedizin sowie die Radiologen Prof. Karl-Heinz Hauenstein und Prof. Dr. Marc-André Weber das Landesamt für Denkmalpflege.

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