Matrosendenkmal : Warten auf die Gutachter

Zwei Jahre lang hat Denkmalpfleger Thomas Werner zur Entstehungsgeschichte des Matrosendenkmals recherchiert. Ergebnis ist eine neue Ausstellung im Kröpeliner Tor.
Zwei Jahre lang hat Denkmalpfleger Thomas Werner zur Entstehungsgeschichte des Matrosendenkmals recherchiert. Ergebnis ist eine neue Ausstellung im Kröpeliner Tor.

Statik bereitet nach wie vor Probleme. Neue Ausstellung beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Rostocker Wahrzeichens.

svz.de von
06. November 2018, 15:23 Uhr

Rostock | Ein Rostocker Labor, ein Berliner Tragwerksplanungsbüro und sogar die Stahlbauspezialisten der Technischen Hochschule Aachen tüfteln derzeit an einer Lösung für die unterbrochene Sanierung des Matrosendenkmals. Das Problem liegt insbesondere im ausgestreckten Arm - im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Monumentalplastik des Bildhauers Wolfgang Eckardt wurde 1977 nicht im Stück aufgestellt, sondern die Einzelteile von innen mit Schrauben und teilweise Stiften verbunden. Für die überdimensionale Faust gilt aber, so Denkmalschützer Thomas Werner: "Da kommt von innen jetzt keiner ran."

Die Einweihung des Denkmals der revolutionären Matrosen von Bildhauer Wolfgang Eckardt war 1977 ein großes Ereignis. Ab 7. November 2018 ist die Entstehungsgeschichte im Kröpeliner Tor zu sehen.
Jürgen Sindermann
Die Einweihung des Denkmals der revolutionären Matrosen von Bildhauer Wolfgang Eckardt war 1977 ein großes Ereignis. Ab 7. November 2018 ist die Entstehungsgeschichte im Kröpeliner Tor zu sehen.


Eine mögliche Lösung sei, im Arm ein stabilisierendes Gerüst einzuziehen. Ob diese Methode wirklich geeignet ist, müssen die Experten im beauftragten Gutachten bestätigen. "Ich erwarte noch in diesem Jahr eine Aussage", so Werner. "Daran hängt alles andere." Der komplette Bauablauf für das rund 3,3 Millionen Euro teure Gesamtprojekt liege längst fertig in der Schublade.

Zur Vorbereitung der Sanierung hat Werner zwei Jahre lang über die Entstehungsgeschichte der Monumentalplastik ab der ersten Idee im Jahr 1967 recherchiert. Seine Erkenntnisse teilt der Denkmalpfleger in der Ausstellung "Reichpietsch, Köbis, revolutionäre Matrosen - zur Geschichte einer Gedenkstätte" im Kröpeliner Tor, die am Mittwoch, 7. November, um 17 Uhr eröffnet wird und bis zum 3. Februar zu sehen ist. Eine zentrale Rolle spielen dabei alte Fotos, die ihm die Witwe von Wolfgang Eckardt bei einem Besuch überreicht hatte. Die insgesamt 250 Originale lagern mittlerweile im Bundesarchiv. Schließlich handelt es sich um die größte Skulptur, die DDR-Künstler jemals entworfen haben.


Das Bild aus der Privatsammlung Wolfgang Eckardts zeigt den Aufbau der Monumentalplastik, die 1977 eingeweiht wurde. Ihre Einzelteile wurden von innen mit Schrauben und Stiften fixiert.
Sammlung Wolfgang Eckardt
Das Bild aus der Privatsammlung Wolfgang Eckardts zeigt den Aufbau der Monumentalplastik, die 1977 eingeweiht wurde. Ihre Einzelteile wurden von innen mit Schrauben und Stiften fixiert.


"Wir waren erstaunt über die Verschiedenartigkeit der Entwürfe", sagt Angrit Lorenzen-Schmidt, Geschäftsführerin der gastgebenden Geschichtswerkstatt. Anfangs habe Eckardt offenbar seine beiden Skulpturen der beiden Novemberrevolutions-Matrosen von 1918 Max Reichpietsch und Albin Köbis in stark vergrößerter Form aufstellen wollen. Sie hatte er für eine Kaserne auf Rügen angefertigt und sich damit praktisch auch für den Auftrag in Rostock qualifiziert. Es sei Eckardt aber schnell klar gewesen, dass die Figuren in der Form nicht wirkten, erklärt Werner. Unter den Blicken des Staatschefs Walter Ulbrichts sowie der Bildhauer-Elite der DDR musste er sich also etwas Neues einfallen lassen. Am Ende dieses Prozesses stehen die heutigen Matrosen, die in Leningrad gegossen wurden. Die Skulptur zählt zu Rostocks Wahrzeichen und prägt die Silhouette der Hansestadt.


Der Matrosenaufstand vor 100 Jahren

Ausgehend von Kiel meuterten ab dem 8. November 1918 die Matrosen der Kriegsmarine. Sie weigerten sich, in eine aussichtslose Seeschlacht zu ziehen, als der Erste Weltkrieg an Land für das Deutsche Kaiserreich praktisch bereits verloren war. Auch in Warnemünde landeten Schiffe der Aufständischen an, vor allem Hilfsschiffe und Torpedoboote. Ihre Beratungen hielten sie dort auf einem Wohnschiff ab. Für den Informationsfluss nach Kiel sorgten die Telegrafen der Seeflieger. Kampfhandlungen gab es in der Hansestadt keine, obwohl sich beispielsweise die Arbeiter der Neptun-Werft dem Streik anschlossen. Doch auch die in Rostock stationierte Garnison mit einem Ersatzbataillon wechselte auf die Seite des Widerstands. Letztlich führte der Aufstand zum Ende des Kaiserreichs und der Gründung der Weimarer Republik. Der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, Friedrich Franz IV., zählte zu den letzten deutschen Monarchen, die ihre Herrschaft niederlegten. Er dankte am 14. November ab, vier Tage nach dem Kaiser.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen