Rostock : Von der Brücke zur Verwaltung

Vor dem Kreuzfahrt-Anleger im Seehafen: Gisbert Ruhnke (l.) und Falk Zachau
Vor dem Kreuzfahrt-Anleger im Seehafen: Gisbert Ruhnke (l.) und Falk Zachau

Über den neuen Hafenkapitän Falk Zachau und seine Vorbereitungen auf das Amt an der Seite des scheidenden Leiters.

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24. September 2019, 17:01 Uhr

Rostock | Im Hafen- und Seemannsamt Rostock erfolgt der avisierte Wachwechsel. Nur noch bis Ende dieses Monats führt hier Gisbert Ruhnke (66) die Amtsgeschäfte. An seiner Seite bereitet sich mit Falk Zachau (32) seit dem 19. August sein Nachfolger auf die Übernahme dieser verantwortungsvollen Tätigkeit vor.

Der Übergang von der Schiffsbrücke auf die Verwaltungsarbeit - das sei schon eine immense Umstellung, offenbart der junge Rostocker, der nach der Ausschreibung als künftiger Hafenkapitän und Amtsleiter auserwählt worden war. An den vergangenen Tagen habe er sich bereits mit der Vielfalt der Aufgaben vertraut gemacht, die die 35 Mitarbeiter des Amtes zu erfüllen haben.

Aufgabenbereiche kennenlernen

Jeden Tag gab es ein volles Programm, um die einzelnen Aufgabenbereiche und die Partner in der täglichen Zusammenarbeit kennen zu lernen. Und es läuft auf Hochtouren weiter. Ob als Leitstelle des Verkehrs, Aufgaben für Hafensicherheit und Umweltschutz bis hin zur Ausgabe von Fischereischeinen und Überreichung der Seemannspatente ist die Ordnungsbehörde in den Rostocker Häfen zuständig. Der künftige Amtsleiter hat sich einen Überblick zu verschaffen, muss sich in die verschiedenen Projekte einfuchsen. Jeder Tag der Einarbeitung bringe ihm etwas Neues, erklärt der Nautiker.

Vom elektronischen Meldesystem für den Schiffsverkehr bis hin zum Ballastwasser-Übereinkommen, von den Vorbereitungen auf Landstromanlagen bis hin zur Erschließung neuer Hafenbereiche, vom Ausbau der Hafenzufahrt bis hin zur Planung von Großveranstaltungen wie Hanse Sail und Warnemünder Woche haben sich auch die Mitarbeiter des Hafen- und Seemannsamtes manch großer Herausforderung zu stellen.

Das Amt erfordert vollen Einsatz

Falk Zachau ist sich bewusst, dass das seinen vollen Einsatz erfordern wird. Ehefrau Mirjam und der fünfjährige Bjarne dürften sich aber wohl freuen, den einstigen Fahrensmann in der Nähe zu wissen. Die geliebte Freizeitbeschäftigung im Gehlsdorfer Ruderclub, wo er seit zwei Jahrzehnten Mitglied ist, wird aber wohl eine Weile zweitrangig werden.

Seine seemännische Ausbildung begann mit dem Studium Nautik/Seeverkehr am Bereich Seefahrt der Hochschule Wismar. Nach dem Bachelor-Abschluss wollte er sich zunächst in der seemännischen Praxis beweisen, nutzte 2011 die Jobmöglichkeit in der Bremer Schwergut-Reederei Beluga. Als die in die Pleite schlitterte, wechselte er in die Containerschifffahrt zur Reederei Claus-Peter Offen, wo im Zeichen der Schifffahrtskrise aber eine weitere Entwicklung für deutsche Schiffsoffiziere auch vakant wurde. So musterte er in die Kreuzschifffahrt um, kletterte bei Hapag Lloyd Cruises auf den Brücken der „Bremen“, „Hanseatic“ und „Europa 2“ die Karriereleiter vom 3. Offizier zum Staff-Kapitän hinauf. Während seiner Freizeit setzte er auch das Studium fort, machte nun auch seinen Master-Abschluss.

Der junge Nautiker erwarb in der seemännischen Praxis auch spezielle Kenntnisse, die ihn heute selbst auch für die Ausbildung – sei es im AFZ oder an der Hochschule Wismar – befähigen. So kann er beispielsweise seine Erfahrungen für Eisfahrten weitergeben, mit dem Polar Code verbindliche Rechtsvorschriften der Weltschifffahrts-Organisation IMO aus praktischer Sicht vermitteln, die für Schiffe vonnöten sind, die in polaren Gewässern betrieben werden.

Ab Oktober Hafenkapitän

Gegenwärtig aber heißt es volle Konzentration auf die bevorstehenden Aufgaben als Hafenkapitän. Am 1. Oktober übernimmt er die Funktion, am 30. September erfolgt der Stafetten-Wechsel mit dem noch amtierenden Leiter. Bei Bedarf sei er aber auch danach als Ansprechpartner und Ratgeber nicht aus der Welt, versichert Gisbert Ruhnke. Der scheidende Hafenkapitän hatte seinen Nachfolger auch zur jüngsten Veranstaltung des Nautischen Vereins mitgebracht, wo er im Kreis der nautischen Gemeinschaft aufgenommen wurde.

Gemeinsam werden beide dann auch am 1. November zum Treffen deutscher Hafenkapitäne fahren, das diesmal in Sassnitz stattfindet. Gisbert Ruhnke wird dann auch hier in seiner Funktion als Präsident der Vereinigung verabschiedet und Falk Zachau neu im Kreis der Vertreter von 21 deutschen Häfen begrüßt.

Für Ruhnke beginnt aber vorher nach zwölf Jahren Dienst in dieser Funktion ein neues Kapitel, was mit mehr Freizeit verbunden ist. Seine Frau habe bereits eine Reise nach Wien gebucht, verrät er schmunzelnd.

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