Rostock : Forscher finden erste erhaltene Freilandsiedlung

Gina Lang, Studentin der Ur- und Frühgeschichte an der Universität Rostock präpariert das geologische Profil, um die Fundschichten sichtbar zu machen.
Gina Lang, Studentin der Ur- und Frühgeschichte an der Universität Rostock präpariert das geologische Profil, um die Fundschichten sichtbar zu machen.

Archäologen aus der Hansestadt beteiligten sich bei den Ausgrabungen in Baden-Württemberg und hatten Erfolg.

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04. November 2019, 13:35 Uhr

Rostock/Feldberg | Seit 2018 finden Ausgrabungen an der überregional bedeutsamen paläolithischen Fundstelle am Steinacker in Feldberg bei Müllheim (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) statt. Im Fokus der diesjährigen zweiten Grabungskampagne stehen die eiszeitlichen Siedlungsreste des modernen Menschen, sowie Zeugnisse des Neandertalers, die vergangenes Jahr erstmals entdeckt wurden. Bei den Ausgrabungen waren auch Archäologen des Heinrich-Schliemann-Institutes der Universität Rostock beteiligt.

Bereits vor über 70.000 Jahren besiedelt

Hinterlassenschaften von altsteinzeitlichen Jägern und Sammlern seien vor allem in Höhlen gut zu belegen sind. "Die Funde, die wir hier dokumentieren konnten, stammen hauptsächlich aus einer frühen Phase des mittleren Jungpaläolithikums, dem sogenannten Gravettien vor etwa 30.000 Jahren. Wie Optisch-Stimulierte Lumineszenz-Datierungen (OSL) der Lößsedimente und neue Funde zeigen, wurde die Hangfläche am Steinacker aber bereits vor über 70.000 Jahren in der mittleren Altsteinzeit besiedelt, in der Zeit des Neandertalers", erklärt Dr. Marcel Bradtmöller vom Heinrich-Schliemann-Institut der Universität Rostock.

Marcel El-Kassem vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg im Regierungspräsidium Stuttgart, dem die Leitung des Projekts obliegt, teilt die Begeisterung des Rostocker Archäologen: "Die außergewöhnlichen Oberflächenfunde, wie Projektilspitzen vom Typ Font-Robert oder bidirektionale Klingenkernsteine aus Bohnerzjaspis, bezeugen die Herstellung jagdspezifischer Steinwerkzeuge durch die frühen Jäger und Sammler."

Forschungsergebnisse mit Freilandfundstellen verknüpfen

Die Arbeiten sollen neue Erkenntnisse zur Lebensweise, Mobilität, Netzwerken und Landnutzungsmustern der nicht-sesshaften paläolithischen Jäger und Sammler erbringen und die Forschungsergebnisse vom Steinacker mit den Daten der gut untersuchten Höhlenfundplätze des schwäbischen Jura und der rheinabwärts gelegenen Freilandfundstellen verknüpft werden.

Die Siedlung am Steinacker befindet sich circa 30 Kilometer südlich von Freiburg im Breisgau in der auch als Markgräfler Hügelland bezeichneten Kandern-Müllheimer Vorbergzone. Von hier aus konnten die Eiszeitjäger die Tiere in der Mauchener Talmulde erfolgreich beobachten und zur Strecke bringen. Zudem konnten sie für die Herstellung der Steingeräte auf die lokalen Hornstein-Vorkommen zugreifen. Die Fundstelle wurde bereits 1969 durch Werner Mähling entdeckt.

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