Warnemünder Leuchtturm : Das Aufstiegs-Billet wurde am Automaten gelöst

Das alte Leuchtfeuer von 1836.  Das ist natürlich kein Vergleich zur Dimension des heutigen Leuchtturms. Foto: Sammlung Jürgen Rabbel
Das alte Leuchtfeuer von 1836. Das ist natürlich kein Vergleich zur Dimension des heutigen Leuchtturms. Foto: Sammlung Jürgen Rabbel

Zum Turmleuchten steht er wieder im Fokus. Zum 120. Jubiläum des Leuchtturms hat Eckart Peters die Archive durchforstet.

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27. Dezember 2018, 10:00 Uhr

Warnemünde | Der Leuchtturm Warnemünde steht immer im Mittelpunkt. Demnächst wieder beim Neujahrsevent Warnemünder Turmleuchten. Und wegen des zurückliegenden 120. Jubiläums hat Hobbyhistoriker Eckart Peters die Archive zwischen 1897 bis 1899 durchforstet.

Ende Oktober 1997 berichtet die Rostocker Zeitung, dass der Bau zügig vorangeht. Die erste Galerie mit einer Höhe von 21 Metern war fertig. Nachmittags ab 17 Uhr wurde mit elektrischem Licht bis 21 Uhr am Turm gebaut. Zahlreiche Zuschauer verfolgten am Abend das Baugeschehen.

Mitte Januar 1998 war der Turm bis zum Laternenaufsatz fertig. Im Laufe des Winters sollte die Beleuchtung aufgesetzt werden. Das alte Leuchtfeuer, welches sich in Richtung des Hotels „Pavillon“ (Hotel am Leuchtturm) befand, verrichtet noch bis zur endgültigen Inbetriebnahme weiter seinen Dienst.

Im Juni berichtet die Zeitung über den Abbruch des alten Leuchtfeuers. Auf dem freigelegten Grundstein, ein behauener Felsen, war das Datum 16. August 1836 eingemeißelt. Darunter lag eine verkorkte Flasche, die Schriftstücke enthielt, die nicht mehr zu entziffern waren. Im Juni kam das Laternengehäuse aus Phosphorbronze, mit einem doppelten kupfernen Dach versehen, das einen fünfdochtigen Petroliumbrenner enthielt.

Das Petrolium für das Feuer wird durch eine Rohrleitung aus dem Turmkeller gepumpt. Die Lotsenstube auf der ersten Galerie wird dann vom wachhabenden Lotsen besetzt. Sie ist telefonisch mit dem Bahnhof und dem Lotsenkommandeur verbunden. Der Turm hat eine Höhe von 36,9 Metern.

Die Warnemünder Zeitung teilt im September mit, dass das Leuchtfeuer noch im gleichen Monat gezündet wird. Am 18.September 1898 wird mitgeteilt, dass das Gerüst gefallen ist und der Turm von der Bismarckpromenade einen „pompösen Anblick“ bietet.

Am 15. Oktober 1898 schreibt die Zeitung, dass für eine vorläufige Besichtigung der Hafenbaudirektor Kerner und der Lotsenkommandeur Jantzen an Bord des Postdampfers rausfuhren, um das Leuchtfeuer zu besichtigen. Dazu wurde das Licht kurzzeitig angezündet.

Eine Woche später findet die offizielle Besichtigung statt. Dazu werden Vertreter der Großherzoglichen Regierung, der Großherzoglichen General-Eisenbahndirektion, Mitglieder des E. E. Raths (Bürgerschaft), insbesondere die „räthlichen“ Mitglieder des Bauamtes, die den Bau in auftrag gegeben hatten und die bürgerschaftlichen Mitglieder des Departements mit dem Postdampfer in See stechen.

Am 2. November berichtet die Warnemünder Zeitung, dass die Fernsicht vom neuen Turm bei guter Sicht, den Leuchtturm auf dem Darß sehen kann. Die Annahme, das man die Südspitze der Insel Falster sehen kann, bestätigte sich nicht. Am 16. November 1898 schreibt die Zeitung, dass das Leuchtfeuer endlich in Betrieb genommen wurde. Viele Einwohner Warnemündes marschierten am Strand nach Wilhelmshöhe, um das Feuer in Augenschein zu nehmen.

Am 16. Februar 1899 steht in der Warnemünder Zeitung, dass das Besteigen des Leuchtturms noch nicht möglich ist, da die Firma, die die Laternen lieferte, einige beim Transport beschädigte Gläser des Reflektors erst im Frühjahr austauschen wird.

Am 8. August 1899 wird endlich in der Rostocker Zeitung die Bekanntmachung zur Besteigung des Leuchtturms veröffentlicht.

Die amtliche Bekanntmachung der Stadt Rostock vom 4. August 1899 begrenzt die Besteigung des Turm von Nachmittags 14 Uhr bis eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang. Das Rauchen im Turm und Mitbringen von Hunden ist nicht gestattet. Schirme und Stöcke sind im Parterre-Raum abzulegen. Nicht mehr als acht Personen dürfen den Turm gleichzeitig besteigen.

Der Preis für den Besuch beträgt 50 Pfennig, für Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren braucht nur ein Billet gelöst werden. Die Billets sind an den wachhabenden Feuerwerker abzugeben.

Der Rostocker Anzeiger vom 17. August 1899 schreibt, dass der Besucher in einen unten aufgestellten Automaten für 50 Pfennig ein Billet lösen kann, welches zum Besuch des Turms berechtigt.

„Erstaunlich, da war man vor 120 Jahren fortschrittlicher“, kommentiert Eckart Peters. Es wird geschildert, welchen herrlichen Blick man vom Warnemünder Leuchtturm aus hat.

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