Landwirtschaft : Milder Winter lässt auf gute Ernte hoffen

Im vergangenen Jahr mussten die Landwirte der Agrargenossenschaft Papendorf, Steven Hirschberg (r.) und Michel Hein, mit dem nassen Wetter kämpfen. In diesem Jahr können sie schon früher aufs Feld.
Im vergangenen Jahr mussten die Landwirte der Agrargenossenschaft Papendorf, Steven Hirschberg (r.) und Michel Hein, mit dem nassen Wetter kämpfen. In diesem Jahr können sie schon früher aufs Feld.

Für Landwirte beginnen die Frühjahrsbestellung sowie Düngung und Pflanzenschutz. Alles einen Monat früher als sonst.

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19. März 2019, 14:49 Uhr

Papendorf/Rethwisch | Feucht und warm ist der diesjährige Winter gewesen, ein Pluspunkt für die Landwirtschaft. "Die Bestände sind gut über den Winter gekommen, ohne Frostschäden", freut sich Rainer Uplegger. Der Landwirt baut in Rethwisch vor allem Winterkulturen an: Weizen und Gerste kamen im Herbst in den Boden, Raps sogar schon im August. Jetzt im Frühjahr stehen bei ihm vor allem Düngung und Pflanzenschutz auf dem Programm. Die jungen Pflanzen brauchen Nährstoffe, müssen aber auch gegen Pilzkrankheiten und andere Schädlinge geschützt werden.

Hafer und Sommergerste kommen auf die Felder

Mehr zu tun ist bei Steven Hirschberg. Neben den Dünge- und Pflegemaßnahmen läuft beim Vorstand der Agrargenossenschaft Papendorf auch die Frühjahrsbestellung an. Hafer und Sommergerste kommen auf die Felder. Wenn es gut läuft, kann er bereits im März auch die Rüben bestellen. "Je nachdem wie das Wetter ist, denn die Fläche muss gut abgetrocknet sein", erklärt der Landwirt. Auch darf es keine Nachtfröste mehr geben, damit die Rüben nicht erfrieren.

Eigentlich sind wir einen Monat voraus. Es ist typisches Aprilwetter. Steven Hirschberg, Landwirt aus Papendorf


Derzeit sieht es gut aus für die Bauern: Tagsüber sind zweistellige Plusgrade, und auch nachts liegt die Temperatur im Plusbereich. "Eigentlich sind wir einen Monat voraus. Es ist typisches Aprilwetter", findet Hirschberg. Das sei gut, da er sich so die Frühjahrsarbeiten besser einteilen könne.

Ist das Wetter aber zu mild, bildet die Gerste zu viele Triebe. Statt drei oder vier Ähren muss eine Pflanze dann acht oder neun nähren. Damit sie dennoch genug Energie hat, muss Hirschberg nun mehr "füttern": Wasser, Stickstoff und ausreichend Nährstoffe. Vor allem in der Vorsommertrockenheit, also im Mai und Juni, braucht die Pflanze dann mehr Feuchtigkeit, damit kein Schmachtkorn entsteht. "Perfekt ist es, wenn es im Mai regnet", sagt der Bauer.

Milder Winter bedingt Schädlingsaufkommen

Der milde Winter bringe aber auch mehr Schädlinge mit sich, sagt Steven Hirschberg. Vor allem der Raps sei gefährdet: Sobald es warm ist, fliegt der Rapsstängelrüssler los, nistet sich im Stängel ein und frisst die Schote leer. Für den Bauern bedeutet das erhöhten Aufwand, denn er muss mehr Insektizide spritzen.

Landwirt Rainer Uplegger ergänzt, dass ein milder Winter auch bestimmte Schädlinge ausrotten könne. Studien zeigen nämlich, dass die Insekten bei Frost und Trockenheit in ihrer Winterruhe eher überleben. Bei einem milden, feuchten Winter wie diesem werden sie selbst von Schädlingen befallen.

Wetterextreme sind mittlerweile Standard

Unberechenbarer sind hingegen die Wetterextreme. "Bis Ostern hatten wir letztes Jahr Winter", erinnert sich Uplegger. Seinen Raps konnte er erst Ende April bestellen. Steven Hirschberg aus Papendorf bestätigt: "Normal gibt’s zur Zeit nicht."

Susann Baltzer, Geschäftsführerin beim Bauernverband Bad Doberan, weiß, dass einige Bauern der Region noch mit der großen Dürre vom vergangenen Jahr zu kämpfen haben. "Die Pflanzen bekommen nicht genug Nässe", sagt sie. Zwar gebe es aufgrund des Niederschlags Oberflächenwasser, aber das Grundwasser sei weiterhin sehr tief, weiß Baltzer von einem Kühlungsborner Bauern.

Zu früh wollen sich die Bauern daher nicht freuen. "Bis jetzt ist alles gut durch den Winter gekommen, aber wenn es bis zum Sommer nicht regnet, vertrocknet alles", sagt Rainer Uplegger. Steven Hirschberg blickt etwas positiver in diese Saison: "Das Potenzial ist bei uns in der Ecke da, um eine gute Ernte einzufahren." Final sehe er das Ergebnis aber erst im Sommer.

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