Gleichstellung : Bürgerschaft soll Aktionsplan beschließen

Die Gleichstellungsbeauftragte Cathleen Kiefert-Demuth stellt am Mittwoch den Aktionsplan für eine verbesserte Gleichstellung von Mann und Frau zur Bürgerschaftsabstimmung.
Die Gleichstellungsbeauftragte Cathleen Kiefert-Demuth stellt am Mittwoch den Aktionsplan für eine verbesserte Gleichstellung von Mann und Frau zur Bürgerschaftsabstimmung.

Genderbudgeting, Verbot sexistischer Werbung, stereotypfreie Kinderbuchliste: Stadt will für mehr Gerechtigkeit sorgen.

svz.de von
14. Mai 2019, 05:00 Uhr

Rostock | Auf der letzten Sitzung vor den Kommunalwahlen soll die Bürgerschaft am Mittwoch über den Gleichstellungsaktionsplan abstimmen. Darin werden von der Gleichstellungsbeauftragten Cathleen Kiefert-Demuth 90 Einzelmaßnahmen aufgelistet, wie eine bessere Gleichberechtigung von Männern und Frauen in der Stadt gelingen kann. Alle Fraktionen haben ihre Zustimmung signalisiert.

"Von 25 Amtsleitern sind nur 9 weiblich", rechnet die Fraktionsvorsitzende von Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09 Sybille Bachmann vor. Und für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Steffen Wandschneider-Kastell ist das Problem offensichtlich: "Es reicht ein Blick auf die Senatsbank aus."

CDU befürchtet mehr Bürokratie

Gegen den Aktionsplan hat auch die CDU-Fraktion keine grundsätzlichen Einwände, wie Fraktionsvorsitzender Daniel Peters mitteilt. Nur beim Genderbudgeting, bei dem die Auswirkung der städtische Haushaltsausgaben auf die Gleichstellung bewertet wird, sieht er Diskussionsbedarf: "Das sehe ich skeptisch." Denn solch eine Prüfung im Einzelfall bedeute auch mehr Bürokratie.

Dem hält Eva-Maria Kröger (Linke) entgegen. Ähnliche Befürchtungen hätte es zunächst auch bei der Einhaltung des Mindestlohns für städtische Vergaben gegeben, in der Praxis funktioniere es jedoch. "Das ist eine moderne Form sich selbst zu hinterfragen", sagt die Fraktionsvorsitzende. Laut Kiefert-Demuth soll es im nächsten Jahr ein Pilotprojekt starten.

Sexistische Werbung soll verboten werden

"Für Diskussionen hat gesorgt, dass wir in der Stadtbibliothek eine Liste mit Kinderbüchern auslegen wollen, die andere Rollenbilder zeigen", sagt die Gleichstellungsbeauftragte. Sie stört sich daran, dass zum Beispiel häufig Männer als Feuerwehrleute oder Frauen in einer Klinik nicht als Ärztinnen sondern als Krankenschwestern dargestellt werden."Als Anregung finde ich das gerade im Kinder-und Jugendlichenalter richtig", befürwortet Grünen-Chef Uwe Flachsmeyer. Denn die Bücherliste solle kein Dogma sein, jeder könne weiterhin alles ausleihen.

Sexistische Werbung auf städtischen Flächen soll, wie unter anderem bereits in Leipzig und Bremen, verboten werden. "Doch wer beurteilt das?", fragt Chris Günther (CDU). Sie ist grundsätzlich dafür, fordert aber eine objektive Beurteilung ein. Grundsätzlich müsse ihrer Meinung nach Gleichstellung in der Erziehung anfangen. "Die Frauen müssen sich vielleicht auch mehr trauen", analysiert Günther das Problem von zu wenigen Frauen in der Kommunalpolitik und an der Verwaltungsspitze.

Maßnahmen sollen langfristig umgesetzt werden

In der Arbeitswelt stellen häufig unflexible Öffnungszeiten von Kitas ein Problem dar. "Durch die Leistungsvereinbarungen mit den Kitas können wir Einfluss nehmen", sagt Kiefert-Demuth. Besonders die Randzeiten morgens und abends sollten ausgeweitet werden - wenn möglich. Sie glaubt aber auch, dass viele Eltern noch nicht genug wüssten, welche Möglichkeiten die eigene Kita hat, die Betreuungszeiten selbstständig zu ändern. Sybille Bachmann gehen die Vorschläge nicht weit genug: "Wir haben noch nicht einmal eine Betriebskita für die Verwaltung", beschwert sie sich.

"Alle Forderungen des Plans lassen sich nicht in zwei Jahren umsetzen", sagt Kiefert-Demuth. Dieser sei daher eher langfristig ausgelegt. "Wenn wir feststellen, dass ein Bereich für die Umsetzung der Gleichstellung Stellen benötigt, werden wir das spätestens in zwei Jahren in der Fortschreibung des Plans reinschreiben", sagt Kiefert-Demuth.

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