Traditionsbetrieb : Fleischerei Lührmann in Warnemünde gibt es 100 Jahre

Fleischermeister Michael Eichner, hier mit seiner Partnerin Alexandra Ohms sowie den Eltern Gisela und Peter-Michael Eichner vor dem Fleischerfachgeschäft. Foto: Maria Pistor
Fleischermeister Michael Eichner, hier mit seiner Partnerin Alexandra Ohms sowie den Eltern Gisela und Peter-Michael Eichner vor dem Fleischerfachgeschäft. Foto: Maria Pistor

Mit Zusammenhalt und Liebe zum Beruf haben vier Generationen den Betrieb zu dem gemacht, was er heute macht.

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08. April 2019, 15:33 Uhr

Warnemünde | Der Kesselgulasch der Fleischerei Lührmann gehört mittags zu den Rennern des Unternehmens in der Mühlenstraße 22. Am 10. April setzt Inhaber Michael Eichner allerdings noch zusätzlich eine Schlachteplatte auf den Speiseplan. An dem Tag begeht das Unternehmen das 100. Jubiläum. Und das hat mit Tradition, Verantwortungsgefühl aller bisherigen Inhaber und der Liebe zu dem Beruf des Fleischers zu tun. Die ist geblieben, auch, wenn immer mehr Menschen als Vegetarier leben möchten.

Firmengründer war Wilhelm Lührmann

Firmengründer war Wilhelm Lührmann, der Uropa des jetzigen Inhabers. Der übergab die Fleischerei seinem gleichnamigen Sohn und von dem wiederum bekam sie 1976 Schwiegersohn Peter-Michael Eichner, der die Lührmann-Tochter Gisela geheiratet hat. Sie stemmte den Verkauf und managte die Buchhaltung. "Damals gab es noch keinen Mittagstisch, das Mittagessen holten wir bei Hoffmanns vom jetzigen Kinderland von gegenüber, die führten damals eine Gaststätte", sagt er.

DDR-Lieferscheine sind jetzt Schmierzettel

Die Lieferscheine aus der DDR-Zeit dienen heute mur noch als Schmierzettel. Die Preise sind - bis auf Rinderfilet und Roastbeef - allerdings relativ ähnlich wie jetzt in Euro. Damals gab es eine große Knappheit. Und lange Schlangen vor dem Laden. "Die längste ging damals bis zum heutigen Bäcker an der Ecke zum Kirchenplatz", erinnern sich Peter-Michael Eichner. Er war eigentlich Seemann und wechselte wegen der Liebe zu seiner Frau Gisela in den artfremden Beruf.

Sohn ist in den Job hineingewachsen

Inhaber Michael Eichner ist in diesen Beruf hineingewachsen durch den Opa und Vater. Er hat mitgeholfen und alle bei der Arbeit beobachtet und sich schon vieles abgeguckt. "Ich habe immer alles mitangesehen, ich hatte keinen anderen Plan, auch, wenn ich als kleiner Junge zeitweilig auch gern Feuerwehrmann werden wollte", erzählt der 38-Jährige. Letzteres ist der Warnemünder seit über zehn Jahren im Ehrenamt.

Er hat in der Fleischerei Ahrndt gelernt und ist dann wieder in den Familienbetrieb zurückgekehrt. Mit dem Betrieb wurden gleichzeitig auch die Rezepte zur Wurstherstelllung von Generation zu Generation weitergegeben. "Bis auf die ungarische Salami und den Seranoschinken aus Italien stellen wir alles selbst her", sagt der junge Inhaber. Das ist für ihn als Inhaber eines Handwerksbetriebs ganz normal und Ehrensache.

Bei der Lehre hat es gefunkt

Michael Eichners Lebenspartnerin Alexandra Ohms hat in der Fleischerei Lührmann Fleischfachverkäuferin gelernt. "Damals hat es gefunkt zwischen den beiden", erinnert sich Eichners Mutter Gisela schmunzelnd. Heute schmeißt Alexandra Ohms mit dem engagierten Team das Fleischerfachgeschäft, in dem es neben den Produkten Frühstück, Mittag und Catering gibt. Und von den Zwillingen Lukas und Leon (15) bekundet Lukas ebenfalls Interesse für den Beruf, sodass es auch eine Chance gibt, dass der Betrieb in fünfter Generation geführt werden kann. 2016 hat die Familie den Laden in großem Stil modernisiert, auch die Bedingungen für Koch Ralf Langbein verbessert.

Diese Liebe zum Beruf und dass sich jede Generation für das Fortführen des Traditionsunternehmens einsetzt, liegt allen scheinbar im Blut. "Ich möchte gar nichts anderes machen", sagt Michael Eichner, der zwar jetzt der Chef ist, aber bei Engpässen auch mal seine Eltern einspannen kann. Die haben ja durch ihre Rente nicht die Liebe zum Unternehmen verloren. Außerdem hat die Zusammenarbeit immer gut geklappt.

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