Eiserne Hochzeit : Karl-Heinz und Erna Ruschau sind 65 Jahre verheiratet

Sind jetzt 65 Jahre verheiratet: Karl-Heinz Ruschau und seine Erning mit dem Hochzeitsbild von 1953 und einer Kerze mit der Aufschrift 65. Foto: Maria Pistor
Sind jetzt 65 Jahre verheiratet: Karl-Heinz Ruschau und seine Erning mit dem Hochzeitsbild von 1953 und einer Kerze mit der Aufschrift 65. Foto: Maria Pistor

Warnemünde. Der Fischer und seine Frau haben sich am 27. November 1953 das Ja-Wort gegeben. Gefunkt hatte es beim Tanz.

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27. November 2018, 16:52 Uhr

Warnemünde | Sie haben sich für sich und ihre Gäste fein herausgeputzt mit Anzug und einem festlichen Zweiteiler: Fischer Karl-Heinz Ruschau und seine Frau Erna feiern am 27. November ihre Eiserne Hochzeit in Warnemünde. Sie leben heute in dem Haus von Großvater Herrmann und seiner Frau Selma in der Alexandrinenstraße, wo sie wegen der Großmutter nach der standesamtlichen ihre kirchliche Trauung hatten. Gefunkt hatte es schon vorher im Volkshaus, was später das Haus des Sports war. Die beiden kannten sich auch vorher schon und waren damals eher Kumpels. Dann nahm die Beziehung Fahrt auf, als Karl-Heinz Ruschaus Cousine Jenny ihrem Cousin geraten hatte, Erna zum Tanz aufzufordern. Das war ein kluger Tipp mit lebenslangen Folgen.

Die beiden fanden Gefallen aneinander. Eines Tages schenkte Karl-Heinz Ruschau seiner Erning eine Schachtel Pralinen und legte einen Zettel dazu auf dem stand: "Ich liebe Dich".

Irgendwann stellte sich heraus, dass auch die Lebenspläne der Verliebten harmonierten. Beide träumten von einem gemeinsamen Haus und einem Kind - in dem Punkt haben sie den Plan übererfüllt mit der Geburt der zwei Söhne Reinhard und Heiko. Wegen der ähnlichen Zukunftspläne verlobten sie sich - sehr zum Ärger der Familie - Silvester '52 heimlich in der Warnemünder Lokalität Die Börse. "Wir haben es so gemacht, um mit unseren Freunden feiern zu können."

Für die Hochzeit am 27. November 1953 haben sie ihre Lebensmittelmarken in Reisemarken umgewandelt, die waren länger haltbar. Sie erwarben in Warnemünde beim Fleischer einen Schinken, den ein Bäcker in der Schulstraße im Ofen gebraten hat. "Das war das Hauptgericht", erzählt Ruschau, dessen Hemd aus einem Bettlaken geschneidert wurde. Es gab wegen seines Berufs viel Fisch. 20 Leute zählten zur Hochzeitsgesellschaft, sie stellten sich für das Gruppenfoto im kleinen Wohnzimmer auf. Neben dem Brautpaar ist nur noch eine Person von den Leuten von damals am Leben.

In der Wohnung der Großeltern in der Alexandrinenstraße wurde gegessen, getanzt und musiziert und später im Zimmer von Erna Ruschau Am Leuchtturm 4 bis 6 Uhr morgens weiter gefeiert. "Zu der Zeit besaßen wir nur ein Vertiko, einen Tisch, zwei Stühle, ein Bett und einen Kanonenofen", erzählt Ruschau. Und beide verraten auch, dass sie sich bis auf ein Sofa alles was sie besitzen erst angeschafft haben, nachdem sie dafür das Bargeld hatten. "Bis auf die Couch von Möbel Behrmann haben wir nichts auf Kredit gekauft", so der Fischer, der in diesem Jahr als Kutterführer auf der "Zufriedenheit" aufgehört hat. Angebote, auf anderen Kuttern zu fahren, hat er ausgeschlagen. Die Verantwortung wird ihm in seinem Alter langsam zu groß. Er bleibt jetzt noch Kapitän auf seinem kleinen Boot namens "Butt", mit dem er gern Angeln fährt.

Wir würden uns wieder heiraten. Karl-Heinz und Erna Ruschau

Wir würden uns wieder heiraten

Der Alltag der Ruschaus war immer geregelt. Auch heute als Rentner lieben sie diese gleichen Tagespläne. Die beiden Frühaufsteher frühstücken, lesen danach die NNN und dann geht Karl-Heinz Ruschau einkaufen. Manchmal dreht er dann noch eine kleine Stromrunde, während seine Frau das Mittag zubereitet. Das steht immer um 11.30 Uhr auf dem Tisch, dann folgt ein Schläfchen und Kaffeetrinken. Danach spazieren beide durch den Ort. Seitdem Erna durch Operationen etwas gehandicapt ist, hilft ihr Karl-Heinz mehr im Haushalt. "Wichtig ist uns immer, dass wir alles zusammen machen", sagt er. Deshalb ging Erna Ruschau früher auch eher als Aushilfe mal arbeiten, wenn ihr Karl-Heinz nicht da war. War er zu Hause, wollte er immer gern, dass seine Frau auch da ist. Das ist übrigens so geblieben: "Wir sind es gewohnt, dass wir immer zusammen sind. Und wir hoffen, dass wir das noch lange bleiben", sagt Erna Ruschau und ergänzt: "Denn einer ohne den anderen, das ist nichts für uns". Weil sie die Fähigkeit hatte, hier und da auch mal zurückzustecken, hat das Zusammenleben bis heute gut funktioniert. "Denn auch bei uns gab es mal Stürme und Klippen zu umschiffen, das ist in so einer langen Zeit auch nicht ungewöhnlich, aber wir hatten immer unseren Ehe-Anker", sagt Ruschau. Beide sind sich einig: "Wir würden uns wieder heiraten", bestätigen sie mit einem klaren Ja und schauen sich dabei liebevoll und fast ein wenig verschmitzt an.

An diesem Jubiläum feiern sie wieder in einer Runde von 20 Leuten an Deck eines Schiffes der Reederei Kammel. Einer der beiden Söhne zahlt die Miete des Schiffes, der andere das Büffet. Und weil Ruschaus wie beim Ehestart auch dann nicht auf das Tanzen verzichten wollten, kommt DJ Erwin mit an Bord.

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