Rostocker Eisbrecher : "Stephan Jantzen" startet mit alter Glocke neu durch

svz+ Logo
Der jahrelange Streit um ihren Eisbrecher 'Stephan Jantzen' endet mit strahlenden Gesichtern. Die Original-Schiffsglocke von 1967 läuten Hafenkapitän Gisbert Ruhnke, Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowksi (SPD), Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) und Michael Egelkraut, Vorsitzender des Vereins Technische Flotte Rostock (v. l.).
Der jahrelange Streit um ihren Eisbrecher "Stephan Jantzen" endet mit strahlenden Gesichtern. Die Original-Schiffsglocke von 1967 läuten Hafenkapitän Gisbert Ruhnke, Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowksi (SPD), Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) und Michael Egelkraut, Vorsitzender des Vereins Technische Flotte Rostock (v. l.).

Ein Jahr hat der Verein Technische Flotte Rostock auf dem Eisbrecher gewerkelt. Jetzt ist er wieder funktionstüchtig.

Exklusiv für
SVZ+ Nutzer
svz+ Logo

von
13. April 2019, 11:00 Uhr

Rostock | In dunkelblauen Jacken oder mit roten Westen haben sich die Männer und Frauen an Deck der "Stephan Jantzen" versammelt. Den Stolz kann ihnen an diesem Nachmittag niemand aus den Gesichtern wischen. Seit Mai haben die Mitglieder des Vereins Technische Flotte Rostock den Eisbrecher im Stadthafen wieder auf Vordermann gebracht. Am Freitag konnten der Vorsitzende Michael Egelkraut und Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) erstmals wieder die Original-Schiffsglocke an Bord läuten. Es ist das glückliche Ende eines jahrelangen Tauziehens um die "Jantzen".

Stadt zahlt 25.000 Euro bei Zwangsversteigerung

Etwa 48.000 Arbeitsstunden haben die 50 Vereinsmitglieder in die "Jantzen" investiert, erklärt der Vorsitzende Egelkraut. "Das Schiff war in einem völlig desolaten Zustand", sagt er. Im Mai 2018 hatte Rostock den Eisbrecher bei einer Zwangsversteigerung zurückgekauft. Zuvor gehörte es mehr als zehn Jahre dem amerikanischen Immobilienunternehmer Paolo Zampolli. Für 25.000 Euro ging es zurück an die Stadt.

"Die Rohre waren zerfroren oder verstopft, die Kammern zugemüllt. Wir haben zwei große Container rausgetragen", so Egelkraut. Mittlerweile funktionieren Kessel, Heizung und Strom wieder. Fahrtüchtig ist das Schiff allerdings nicht. Dazu fehlen TÜV und ein neuer Motor. "Das könnte man nicht bezahlen", so der Vereinskapitän. Insgesamt seien rund 100.000 Euro in den Eisbrecher geflossen. Die Stadt habe den Verein finanziell unterstützt, wo es ging.

Verschollene Glocke hängt wieder an Bord

"Das Schiff gehört zu Rostock und gehört zu uns", sagt Oberbürgermeister Methling am Freitag an Deck. Nur dank des gelungenen Kniffs von Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowksi (SPD) sei es so günstig zurück in die Hände der Hansestadt gekommen. Wieder aufgetaucht ist auch die Original-Glocke der "Stephan Jantzen" aus dem Jahr 1967. Sie galt zwischenzeitlich als verschollen, doch habe er immer gewusst, wo sie war, gesteht Hafenkapitän Gisbert Ruhnke.

Wieder aufgetaucht ist auch die Original-Glocke der 'Stephan Jantzen' aus dem Jahr 1967. Sie galt zwischenzeitlich als verschollen, doch habe er immer gewusst, wo sie war, gesteht Hafenkapitän Gisbert Ruhnke.
Katrin Zimmer
Wieder aufgetaucht ist auch die Original-Glocke der "Stephan Jantzen" aus dem Jahr 1967. Sie galt zwischenzeitlich als verschollen, doch habe er immer gewusst, wo sie war, gesteht Hafenkapitän Gisbert Ruhnke.

Liegeplatz im Stadthafen ist gesichert

Heute sind jeden Tag acht bis zehn Personen an Bord, so der Vereinsvorsitzende Egelkraut. Auf ihren Jacken prangt der Schriftzug "Technische Flotte Rostock e. V.". Sie führen Touristen gegen eine Spende durch das Schiff, das auch für Feiern gemietet werden kann. Gut 6000 Besucher hat der Verein seit Juni gezählt, einen Großteil davon zur Hanse Sail. Bis zum kommenden Seglertreffen soll der Eisbrecher noch vorzeigbarer werden. Ihm fehlen noch eine neue Außenkonservierung und der Unterwasseranstrich, so Egelkraut. Und der kostet. Immerhin: Der Liegeplatz im Stadthafen ist sicher und Gebühren fallen für das Schiff im Eigentum der Stadt auch nicht an, versichert Oberbürgermeister Methling.

Zur Feier des Tages schmausen die Mitglieder des Vereins Technische Flotte Rostock um den Vorsitzenden Michael Egelkraut (r.) mit Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (2. v. r.) und Oberbürgermeister Roland Methling (l.). Das Essen bereiten die Vereins-Smutjes täglich frisch zu.
Katrin Zimmer
Zur Feier des Tages schmausen die Mitglieder des Vereins Technische Flotte Rostock um den Vorsitzenden Michael Egelkraut (r.) mit Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (2. v. r.) und Oberbürgermeister Roland Methling (l.). Das Essen bereiten die Vereins-Smutjes täglich frisch zu.

Für Vereinsarbeit an Bord wünscht sich der Vorsitzende Michael Egelkraut neben Spenden vor allem eins: Mitstreiter, die mit Herz und Seele auf der "Stephan Jantzen" anpacken wollen. Er sagt: "Wir finden für jeden die richtige Aufgabe."

Kontakt: Der Verein Technische Flotte Rostock sucht noch ehrenamtliche Helfer.

Fakten zum Eisbrecher "Stephan Jantzen"

  • Bauort: Admiralswerft Leningrad (ehemalige UdSSR)
  • Indienststellung: 1968
  • Eigentümer war bis 1990 Bagger-, Bugsier- und Bergungsreederei für das Seefahrtsamt der DDR mit Heimathafen Rostock
  • 2005 übernahm das Ex-Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund mit Heimathafen Stralsund
  • 2006 kaufte Immobilienunternehmer Paolo Zampolli das Schiff
  • 2009 kam es nach Rostock
  • von 2012 stritten Zampolli und Kai Gunther Lehmann aus Heidelberg über die Eigentumsrechte
  • im Mai 2018 erwarb die Hansestadt Rostock den Eisbrecher für 25.000 Euro bei einer Zwangsversteigerung
  • Insider bezifferten den Schrottwert auf rund 500 000 Euro
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen