200 Rostocker demonstrierten : Wohnparade mit Lampen und Stühlen

Die bunte Wohnparade zog unter dem Motto 'Wohnraum für uns alle - Gegen hohe Mieten, Verdrängung und Vereinzelung' durch KTV und Innenstadt.
Die bunte Wohnparade zog unter dem Motto "Wohnraum für uns alle - Gegen hohe Mieten, Verdrängung und Vereinzelung" durch KTV und Innenstadt.

Fünf Initiativen nehmen Budhilde zum Anlass, um auf die Lage des Wohnungsmarkts in Rostock aufmerksam zu machen.

svz.de von
25. November 2018, 14:24 Uhr

Rostock | Bei dieser Demonstration tragen die Protestierenden keine Schilder, sondern Einrichtungsgegenstände: Von Stehlampen über Stühle bis hin zu einem Bett. So zog das mobile Wohnzimmer am Sonnabend von der Budapester Straße 35 - den Standort des Haus- und Wohnprojekts Budhilde - durch Waldemar- und Niklotstraße über den Friedhofsweg zur Wiro in der Langen Straße und zum Doberaner Platz. So wollten die Initiativen Wohnraum für alle, Rostocks verschwundene Orte, der Wagenplatz, Rostock hilft und Awiro e.V. auf das Thema Wohnraum aufmerksam machen.

Die bunte Wohnparade zieht mit Möbelstücken durch KTV und Innenstadt.
Victoria Flägel
Die bunte Wohnparade zieht mit Möbelstücken durch KTV und Innenstadt.


Anlass ist die Schließung des Wohnprojekts Budhilde, auch Bude genannt. "Die Demo ist der symbolische Auszug aus unserem Haus", sagt Franzi, Sprecherin des Bündnisses Wohnraum für alle und Bewohnerin der Bude. Vor fast vier Jahren wurde das leerstehende Haus in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt bezogen. Zwölf Personen - vom Musiker über Pädagogen bis hin zu Handwerkern - leben dort zur Zeit zusammen in einer großen Wohngemeinschaft. Mit dem Vermieter wurde vereinbart, dass das Haus nicht renoviert, saniert oder modernisiert wird - das machen bei Bedarf alles die Bewohner. Dafür bleiben die Mieten günstig: 220 Euro bezahlen die Bewohner für eine Wohneinheit.

Während der fünf Stunden dauernden Demonstration mit acht Redebeiträgen und Straßentheater gab es oft die Möglichkeit, es sich im mobilen Wohnzimmer gemütlich zu machen.
Victoria Flägel
Während der fünf Stunden dauernden Demonstration mit acht Redebeiträgen und Straßentheater gab es oft die Möglichkeit, es sich im mobilen Wohnzimmer gemütlich zu machen.


Als die Wohngemeinschaft erfuhr, dass das Haus zum Verkauf steht, wollte sie es selbst kaufen. "Es gab viel Zuspruch aus der Stadtgesellschaft. Wir hatten Kreditgeber, die Verhandlungen mit der Bank liefen, doch dann kam Ende August der Schock: Der Hauseigentümer hat sich dazu entschieden, die Bude als Altersvorsorge zu behalten", sagt Robert, Sprecher des Wohnprojekts und selbst Bewohner. Das Haus würde saniert werden, was die Mieten im Anschluss verdreifachen würde.

Nach einer Performance, die die Geschichte der Bude erzählt, hängen Franzi (l.), Sprecherin von Wohnraum für alle, und Robert, Sprecher von Budhilde, das Transparent 'Die Häuser denen, die drin wohnen' ans Gebäude.
Victoria Flägel
Nach einer Performance, die die Geschichte der Bude erzählt, hängen Franzi (l.), Sprecherin von Wohnraum für alle, und Robert, Sprecher von Budhilde, das Transparent "Die Häuser denen, die drin wohnen" ans Gebäude.


Das Hausprojekt steht für die Organisatoren der Demonstration als Symbol. "Ein Symbol der Verdrängung und ein Symbol dafür, dass die Stadt keine alternativen Wohnprojekte anbietet, obwohl es in den Leitlinien der Stadtentwicklung festgeschrieben ist", sagt Franzi. Die bunte Wohnparade kritisierte unter dem Motto "Wohnraum für uns alle - Gegen hohe Mieten, Verdrängung und Vereinzelung" nicht nur Wohungsnot und hohe Mieten, sondern auch den Mangel an unkommerziellen Freiräumen, die diskriminierende Wohnraumvergabe sowie die soziale Spaltung der Stadtteile nach dem Einkommen.

"Ich bin entsetzt über die Bewirtschaftung von Mieten und Wohnungen", erklärt Margret Köhler-Gutsch ihren Einsatz bei der Demonstration. "Es ist die beste Art von Protest, die Probleme an einem Projekt anschaulich zu machen", ergänzt sie.

Geht auf die Straße für bezahlbaren Wohnraum für alle: Margret Köhler-Gutsch aus Reinshagen.
Victoria Flägel
Geht auf die Straße für bezahlbaren Wohnraum für alle: Margret Köhler-Gutsch aus Reinshagen.


Am 30. November muss die Wohngemeinschaft die Bude räumen. Matthias musste nach drei Jahren aus seinem zu Hause ausziehen: "Ich bin zu einem Kumpel nach Schwerin gezogen. Auf die Schnelle habe ich keine andere Lösung gefunden", sagt er.

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