Rostock : 1200 Bauarbeitern droht 10-Euro-Lohn-Lücke

Würden Unternehmen, die nicht an den Tariflohn gebunden sind, künftig lediglich den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit nur 9,35 Euro bezahlen, dann würde das eine krasse Kluft von mehr als 10 Euro beim Stundenlohn bedeuten, erklärt IG BAU-Vorsitzender Jörg Reppin.
Würden Unternehmen, die nicht an den Tariflohn gebunden sind, künftig lediglich den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit nur 9,35 Euro bezahlen, dann würde das eine krasse Kluft von mehr als 10 Euro beim Stundenlohn bedeuten, erklärt IG BAU-Vorsitzender Jörg Reppin.

Handwerk und Industrie in MV sollen Druck auf Bundes-Spitze machen, so der IG BAU-Bezirksvorsitzender Jörg Reppin.

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10. Januar 2020, 12:07 Uhr

Rostock | Zwei Bauarbeiter, die gleiche Arbeit – und trotzdem unterschiedliches Gehalt: Gut 10 Euro könnten die Löhne pro Stunde auf den Baustellen in Rostock bald auseinandergehen. Denn Bauarbeiter, die keinen Tariflohn bekommen, müssen jetzt sogar um ihren Branchen-Mindestlohn bangen. Das teilt die IG BAU Mecklenburg am Freitag mit. Betroffen davon könnte ein Großteil der rund 1200 Bauarbeiter in Rostock sein.

Handwerker müssen Schlichterspruch zustimmen

„Bauhandwerk und Bauindustrie müssen jetzt das tun, was die IG BAU schon gemacht hat: Die Arbeitgeber müssen einem Schlichterspruch und damit neuen Bau- Mindestlöhnen zustimmen", sagt der IG BAU-Bezirksvorsitzende Jörg Reppin. „Passiert das nicht, droht dem Bau in Rostock schlimmstenfalls der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde als unterste Verdienstgrenze. Jetzt hängt alles am seidenen Faden der Arbeitgeber“, so Reppin.  

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Der Schlichterspruch sieht vor, dass der Branchen-Mindestlohn auf dem Bau im Osten ab April steigt – und zwar auf 12,55 Euro. „Dieser Bau-Mindestlohn ist das Lohn-Stoppschild nach unten. Wenn die Arbeitgeber den neuen Branchen-Mindestlohn allerdings nicht akzeptieren, dann wäre das ein Lockruf an alle Billig-Firmen aus dem In- und Ausland, als Dumping-Konkurrenz auf den Markt zu drängen", sagt Reppin.

Frist läuft am 17. Januar ab

Der Vorsitzende der IG BAU Mecklenburg warnt die heimischen Bauunternehmen davor, sich auf einen Kamikaze-Kurs einzulassen. Der Countdown dazu laufe bereits: Die Arbeitgeber müssen bis zum 17. Januar grünes Licht für höhere Mindestlöhne auf dem Bau geben.

Die IG BAU ruft deshalb alle Bauunternehmen in der Stadt auf, klare Signale an den Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und an den Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) zu senden – und zwar für das Akzeptieren der neuen Bau- Mindestlöhne.

„Hier steht viel auf dem Spiel. Nämlich der faire Wettbewerb bei fairer Bezahlung“, macht Jörg Reppin klar. Gerade jungen Menschen müsse das Signal gegeben werden, dass der Bau eine boomende Branche mit Zukunft sei, in der man was Tolles schaffen, den Erfolg seiner Arbeit sehen und gutes Geld verdienen könne.

Kluft von mehr als 10 Euro pro Stunde

Der Basis-Tariflohn für einen erfahrenen Maurer, Zimmerer oder Straßenbauer in Rostock liege derzeit bei 19,50 Euro. „Würden Unternehmen, die nicht an den Tariflohn gebunden sind, künftig lediglich den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit nur 9,35 Euro bezahlen, dann würde das eine krasse Kluft von über 10 Euro beim Stundenlohn bedeuten. Das würde zu Lasten der Unternehmen gehen, die für fairen Wettbewerb und Qualität stehen“, so Reppin. Dem Bau drohe dann ein regelrechter Preiskampf.

Genau dieser Punkt habe den Präsidenten des Bundessozialgerichts, Prof. Rainer Schlegel, als Schlichter für das Bauhauptgewerbe offensichtlich bewogen, sich für neue Bau-Mindestlöhne auszusprechen. „Dieser Schlichterspruch ist für alle Seiten – für die IG BAU, die ihm bereits zugestimmt hat, vor allem aber für Bauhandwerk und Bauindustrie – akzeptabel. Zum Wohle der Branche wird’s jetzt Zeit, dass auch die Arbeitgeber ihn akzeptieren“, fordert Reppin.

Wie es tarifpolitisch dann auf dem Bau weitergeht, darüber werden IG BAU und Bau-Arbeitgeber bereits im Frühjahr verhandeln: Dann steht die neue Lohn-Tarifrunde an.

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