Festveranstaltung : Dietlind Glüer ist Rostocks erste Ehrenbürgerin

Als Mutter der Rostocker Demokratie tat sich Dietlind Glüer in der Wendezeit hervor. Am Freitag erhielt sie dafür aus den Händen von Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos), Ex-Bundespräsident Joachim Gauck und Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche (Linke) das Ehrenbürgerrecht der Hansestadt Rostock. Foto: Katrin Zimmer
Als Mutter der Rostocker Demokratie tat sich Dietlind Glüer in der Wendezeit hervor. Am Freitag erhielt sie dafür aus den Händen von Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos), Ex-Bundespräsident Joachim Gauck und Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche (Linke) das Ehrenbürgerrecht der Hansestadt Rostock. Foto: Katrin Zimmer

Der Mutter der Rostocker Demokratie wurde die Auszeichnung am Freitag als erster Frau zuteil.

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14. Dezember 2018, 17:59 Uhr

Rostock | Die als „Mutter der Rostocker Demokratie“ bezeichnete evangelische Gemeindepädagogin Dietlind Glüer (geboren 1937) hat am Freitag die Ehrenbürgerschaft von Rostock erhalten. Die Laudatio in der nicht öffentlichen Festveranstaltung hielt Harald Terpe (Bündnis 90/Die Grünen), ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages und langjährig in der Rostocker Kommunalpolitik engagiert, teilte die Stadtverwaltung mit. Die Bürgerschaft hatte Anfang September die Verleihung der Ehrenbürgerschaft beschlossen.

18 Rostocker Bürger hatten die Verleihung dieser Ehrung gemeinsam beantragt. Dietlind Glüer gehörte zu den maßgeblichen Persönlichkeiten der friedlichen Revolution, heißt es in ihrem Antrag. Sie sei eine Frau, „die unsere Zivilgesellschaft geprägt hat und immer noch prägt“. Selbstlos und mutig habe sie sich für die demokratische Umgestaltung Rostocks eingesetzt. „Insbesondere durch ihre menschliche Integrität und ihre Fähigkeit, Menschen persönlich anzusprechen, prägte sie die Umgestaltung Rostocks mit.“ Als Ansprechpartnerin, motivierende Kraft, Ideengeberin und Netzwerkerin habe sie sich bleibende Verdienste für den friedlichen Umbruch in Rostock erworben.

Dietlind Glüer wurde 1937 in Osterode (Ostpreußen) geboren. Nach dem Krieg flüchtete die Familie nach Mecklenburg. Glüer absolvierte eine Ausbildung zur Gemeindepädagogin und war in der Kinder- und Jugendarbeit in Güstrow, Rostock und Schwerin tätig. Als Gemeindehelferin baute sie ab 1967 die evangelische Kirchengemeinde in der neu entstandenen Rostocker Plattenbaugebiet Südstadt mit auf.

1989 war sie Mitbegründerin des „Neuen Forums“ in Rostock und gehörte zu den Besetzern der Stasi-Zentrale in der Hansestadt. Ab 1990 setzte sie sich vier Jahre in der Rostocker Bürgerschaft im Bündnis 90 für die Belange der Stadt ein. Heute sei Dietlind Glüer oft in dem von ihr mitaufgebauten Café „Marientreff“ des Vereins Drehscheibe anzutreffen, wo sie weiter Menschen in ihrem politischen Engagement begleite und bestärke, heißt es.

Für ihr Engagement erhielt Dietlind Glüer 1995 das Bundesverdienstkreuz. Außerdem gehörte sie 1990 zu den Kulturpreisträgern der Hansestadt Rostock. 2013 bekam sie die Bugenhagen-Medaille der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.

Seit 1990 verlieh Rostock bereits vier Männern die Ehrenbürgerschaft: dem Historiker Yaakov Zur (1993), dem Schriftsteller Walter Kempowski (1994), dem Pastor und früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck (2012) sowie dem Landesrabbiner William Wollf (2017).

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