Aktion : Adventsbalkon sorgt für Besinnlichkeit

Professionelle Chorsänger auf und ambitionierte Mitsänger unterhalb der Balkone - das gibt es im Advent jeden Montag um 18 Uhr in der KTV zu erleben. Foto: Wolfgang Schmiedt
Professionelle Chorsänger auf und ambitionierte Mitsänger unterhalb der Balkone - das gibt es im Advent jeden Montag um 18 Uhr in der KTV zu erleben. Foto: Wolfgang Schmiedt

Die Advents-Abende sollten besinnlich sein, sind aber oft von Hektik geprägt. Eine Aktion in der KTV will gegensteuern.

svz.de von
10. Dezember 2018, 05:00 Uhr

Rostock | Die Advents-Abende sind für viele weniger besinnlich als vorgestellt - gerade unter der Woche. Auf dem Heimweg noch die Kinder abholen, schnell einkaufen, von einem Termin zum nächsten hetzen... Seit vergangener Woche gibt es eine Aktion in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV), die zum Innehalten animiert. Fans kennen den Termin schon und pilgern bewusst zu dem Haus in der Nähe des Doberaner Platzes, andere werden beim Vorbeigehen davon überrascht. Immer montags um 18 Uhr lädt Organisator Wolfgang Schmiedt zum Adventsbalkon - vor dem Haus, in dem sich auch das Café Central befindet, wird dann für 20 Minuten gemeinsam gesungen und sich auf Weihnachten eingestimmt.

Der Rostocker Musiker organisiert die Veranstaltung und hat dafür zahlreiche Künstler aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis gefunden, die gern diesen ungewöhnlichen Auftrittsort nutzen. Vergangene Woche war es der Gospelchor der Heiligen-Geist-Gemeinde, am 10. Dezember ist es das Vocal Collegium Rostock. Für den 17. Dezember ist ein Auftritt von Opernchor und Singakademie des Rostocker Volkstheaters unter Leitung von Frank Flade geplant und das Finale am 23. Dezember bestreiten die St. Johannis-Kantorei und alle Chöre der Stadt unter Leitung von Markus J. Langer - dann natürlich nicht alle auf den Balkonen, sondern aus Platzgründen auch vor dem Haus.

Regeln gibt es kaum. "Fest steht nur, dass jedes Programm etwa 20 Minuten dauert und zu zirka 60 Prozent mitsingfähige Lieder enthält. Und zum Schluss gibt es immer ,Sind die Lichter angezündet'", sagt Schmiedt. Liedzettel würden von den Chören mitgebracht. Die Resonanz auf den Adventsbalkon sei zahlreich und durchweg positiv. Die Idee dazu stammt aus der Vergangenheit, als der 59-Jährige mehrfach das Weihnachtssingen in der Innenstadt organisiert hatte. Durch die Unterstützung seiner Hausgemeinschaft erlebt das nun eine Wiederauflage in der KTV.

Ganz unerfahren ist er mit der musikalischen Balkon-Nutzung zur Freude der Öffentlichkeit aber nicht: Bereits im Mai hatte Schmiedt zehn Wochen lang zum Montagsbalkon geladen und damit eine Veranstaltung wiederbelebt, die es in ähnlicher Form vor Jahren schon einmal in dem Stadtteil gegeben hatte. "Damals haben das Medizinstudenten in der Ulmenstraße gemacht, aber nach Ende des Studiums aufgehört. Ich hab sie kontaktiert und gefragt, was sie von einer Wiederaufnahme halten und sie waren begeistert", sagt Schmiedt. Höhepunkt sei dann die Abschlussveranstaltung im Juni gewesen, weil zu der auch die Organisatoren von einst aus allen Ecken Deutschlands angereist kamen.

Nicht nur das Publikum war beim Montagsbalkon immer größer geworden - auch der Kreis der Künstler wuchs. Nach dem Start auf Wolfgang Schmieds Balkon stellten auch die Nachbarn ihre Anbauten als Bühne zur Verfügung, sodass es insgesamt neun waren. "Jeder aus dem Haus ist mit Begeisterung dabei und bringt seine Kompetenzen ein - da sind zum Beispiel Ingenieure, die Ahnung von Beleuchtung haben - das Miteinander ist einfach großartig und ich bin sehr dankbar dafür", sagt Schmiedt. Seine Nachbarschaft sei toll und die Aktion ohne diese Unterstützer nicht denkbar. Denn keinem der Beteiligten ginge es darum, sich mit oder durch die kurzen Programme zu bereichern. Es ist die Freude an der Kultur und dem Mitmachen, die sie antreibt. Und in diesen Wochen auch die Lust auf etwas gemeinsame Besinnlichkeit und das Innehalten im Advent.

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