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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. November 2017 | 09:19 Uhr

Günstig reisen : 831 Kilometer mit Unbekannten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Das Internet-Portal BlaBlaCar vermittelt Mitreisende mit ähnlichen Interessen. Doch nicht immer hält das Portal, was es verspricht.

von
erstellt am 05.Aug.2014 | 14:00 Uhr

Zwischen René Frenchs alter und neuer Heimat liegen 831 lange Kilometer. Wenn der gebürtige Rostocker mal wieder seine Familie im hohen Norden besuchen will, sucht er sich Mitfahrer oder eine Mitfahrgelegenheit über die Internet-Plattform BlaBlaCar. Die Seite verspricht seinen Nutzern, genau die Menschen zusammenzubringen, die ähnliche oder gar gleiche Interessen haben.

Doch das klappt nicht immer – auf einer seiner letzten Fahrten von Ostfildern nach Rostock war French in ein Auto voller Frauen geraten – mit drei gackernden Hühnern, wie er sagt. „Es ging die ganze Zeit um irgendwelche Männer-Geschichten und Schminke. Da hatte ich einfach nichts beizutragen“, sagt der 39-jährige Bad-Designer. Dennoch war es für ihn alles andere als eine schlechte Erfahrung. „Der Preis war einfach unschlagbar und außerdem konnte ich mich einfach mal zurücklehnen und mich chauffieren lassen.“

French geht es bei seinen Reisen mit den Unbekannten vor allem um Unterhaltung und die steht bei der Internet-Plattform BlaBlaCar auch im Mittelpunkt. So kann sich jeder Nutzer ein Profil anlegen und darin angeben, wie gesprächig er ist. So steht die Angabe „BlaBlaBla“ für absolute Quasselstrippen, die über Gott und die Welt philosophieren und ein „Bla“ für verträumte Mitreisende, die lieber ihre Ruhe haben wollen und aus dem Fenster schauen. Zusätzlich können die Nutzer im Internet angeben, als was sie arbeiten, welche musikalischen Vorlieben sie haben oder was sie im Alltag bewegt. Einige Nutzer stellen auch Fotos von sich online und verknüpfen ihr Profil mit dem sozialen Netzwerk Facebook. So wissen Mitreisende schon vor Antritt der Fahrt, mit wem sie es zu tun haben.

French schätzt sich selbst mit „BlaBla“ ein – also als einen Gesprächspartner, der mitredet, wenn es spannend wird und ihn das Thema interessiert. Seit mittlerweile 16 Jahren sucht sich der 39-Jährige über verschiedene Plattformen Mitfahrer und Fahrer für seine Reisen und hat dabei schon Skurriles erlebt.

„Einmal bin ich bei einem Mann mitgefahren, der mich bat, das Handschuhfach zu öffnen. Dort fand ich pornografische Filme“, erzählt French. Als er darauf nicht reagierte, bat ihn der Fahrer auszusteigen. Auf einer anderen Fahrt bekam er keine nette Unterhaltung, sondern ein Paket, das er von Stuttgart nach Köln transportieren sollte. „Als ich den Anruf bekam, war ich schon etwas verwundert. Schließlich einigten wir uns auf den Deal, dass ich das Päckchen nur dann mitnehme, wenn ich vorher hineinsehen darf“, sagt French. Er fand darin verschiedene Käse-Sorten.

Ganz neu ist BlaBlaCar nicht: 2006 wurde die Seite in Frankreich gegründet und wurde dort sehr erfolgreich. In Deutschland setzte sich hingegen das Portal Mitfahrgelegenheiten durch, das mittlerweile aber eine Vermittlungsgebühr verlangt und immer mehr Nutzer an das kostenlose BlaBlaCar verliert. Daneben existieren noch Seiten wie zum Beispiel bessermitfahren.de, drive2day.de oder mitfahrzentrale.de. Doch keine dieser Seite verrät so viel über die Fahrer und Mitfahrer wie BlaBlaCar. Aber auch bei diesem Angebot wissen die Nutzer nie ganz genau, wer am Ende stundenlang neben ihnen sitzt. Für French ist genau das reizvoll. „Jeder hat eine Geschichte zu erzählen.“

 

 

 

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