7,50 Euro: Nicht mal Mindestlohn für Hebammen

In ganz Deutschland hatten Hebammen in den vergangenen Monaten für eine bessere Bezahlung demonstriert.dpa
In ganz Deutschland hatten Hebammen in den vergangenen Monaten für eine bessere Bezahlung demonstriert.dpa

svz.de von
17. Juli 2012, 08:17 Uhr

Schwerin | Es ist nur ein Teilerfolg für die Hebammen im Land: Die gesetzlichen Krankenkassen erklärten sich jetzt zwar bereit, für den deutlich gestiegenen Berufshaftpflichtversicherungs-Beitrag der Geburtshelferinnen aufzukommen. "Allerdings übernehmen sie nur den Differenzbetrag zwischen 3689 Euro Jahresprämie, die bis 30. Juni zu zahlen waren, und 4242 Euro, die seitdem fällig werden", erläutert Sigrid Ehle, die 1. Vorsitzende des Landeshebammenverbandes. Zum Vergleich: Vor 20 Jahren musste nur ein Zwanzigstel des aktuellen Beitrages bezahlt werden, vor zwei Jahren lag die jährliche Versicherungsprämie bei 2370 Euro.

Die Höhe der Prämien zeige, wie verantwortungsvoll die Tätigkeit einer Hebamme bei der Geburt sei, so Sigrid Ehle. Das Einkommen einer freiberuflichen Hebamme würde dazu aber in keinem Verhältnis stehen: "Der Stundenlohn liegt gegenwärtig bei 7,50 Euro", so die Vorsitzende des Verbandes, in dem 220 Hebammen in Mecklenburg-Vorpommern organisiert sind. Vor allem die 50 Kolleginnen, die Geburtshilfe als Beleghebamme, in einer heb ammengeführten Einrichtung oder auch zu Hause anbieten, stünden unter enormem Kostendruck. "Mehrere Kolleginnen aus Vorpommern haben deshalb die Geburtshilfe bereits ganz aufgegeben. Sie arbeiten nur noch in der Vorsorge und in der Wochenbettbetreuung", weiß Sigrid Ehle.

Das Gros der im Landesverband organisierten Hebammen ist zwar fest angestellt. Nebenberuflich übernehmen aber viele von ihnen die ambulante Betreuung von Schwangeren und Wöchnerinnen - "anders ließe sich der entsprechende Bedarf im Land gar nicht befriedigen", meint Sigrid Ehle. Denn gesetzlich krankenversicherten Frauen steht in den ersten zehn Tagen nach der Entbindung täglich und danach bis zum Ende der Stillzeit noch weitere Male die Betreuung durch eine Hebamme zu.

Reich werde man aber auch mit so einem Nebenjob nicht, so Ehle. Zwar seien die Versicherungsprämien für Vor- und Nachsorgetätigkeiten von Hebammen deutlich niedriger. Auch für ihre angestellte Tätigkeit als Geburtshelferin müssten die Kolleginnen sich aber teilweise privat versichern - "die Deckungssumme für geburtshilfliche Schäden ist von den Kliniken mit 5 Millionen Euro zu niedrig angesetzt". Aus Sicht des Berufsverbandes seien sechs Millionen Euro unerlässlich.

Dass die gesetzlichen Krankenkassen den Hebammen in den aktuellen Vergütungsverhandlungen zehn Prozent mehr Honorar angeboten haben, sei zu wenig, betont die Landesvorsitzende. Erst bei einem dreißigprozentigen Zuschlag kämen freiberufliche Hebammen auf einen Stundenlohn von zehn Euro. "Weniger ist nicht akzeptabel." Die Hebammenverbände hätten deshalb jetzt die Verhandlungen abgebrochen und ein Schiedsgremium angerufen.

Dennoch hat die Ausbildung zur Hebamme nach wie vor eine große Anziehungskraft. Am Freitag wurden in Rostock 16 Absolventinnen in die Berufspraxis entlassen."Fast alle bleiben im Land", so Sigrid Ehle. Für die 15 bis 17 Ausbildungsplätze an der Beruflichen Schule der Hansestadt gebe es jährlich zwischen 1000 und 1500 Bewerberinnen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen