Goalball-Europameisterschaft : Deutsche Herren erkämpfen mit einem 6:2 den Titel

Goldene Szene: Michael Feistle springt in die Höhe, Reno Tiede (Nummer 7) jubelt mit - die deutschen Goalball-Herren sind Europameister!
Goldene Szene: Michael Feistle springt in die Höhe, Reno Tiede (Nummer 7) jubelt mit - die deutschen Goalball-Herren sind Europameister!

Die Gastgeber wiesen im Finale die Ukrainer in die Schranken. Das hatte sich schon zur Pause (4:1) angedeutet.

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13. Oktober 2019, 16:42 Uhr

Rostock | Game #66, das letzte Spiel dieser Goalball-Doppel-Europameisterschaft, und dann hatte auch noch Deutschlands dominantester Akteur der EM ausgerechnet am Finaltag seinen 27. Geburtstag - das passte für Michael Feistle! Da fehlte zur Krönung eigentlich nur noch der Titel.

Die gastgebende Nationalmannschaft hatte, da selber schon qualifiziert gewesen, durch ihr 4:3 mit Golden Goal (Torschütze: Feistle) im Halbfinale gegen Litauen dem Endspielgegner Ukraine das letzte Ticket für die Paralympics 2020 in Tokio praktisch "geschenkt". Sie durfte aber deshalb nicht davon ausgehen, dass der Gegner womöglich am Vorabend kräftig gefeiert haben könnte und Team Germany den Titel als Gegenleistung kampflos überlassen würde.

Deutschland war ja Vize-Europameister und hatte seinen Erfolg von 2017 bereits "egalisiert", jetzt sollte es noch eine Stufe höhergehen: mit Oliver Hörauf, Feistle als Center und Felix Rogge in der Startformation.

Das Geschehen auf den blass-ziegelroten 18 mal neun Metern gestaltete sich anfangs sehr ausgeglichen, die Konzentration war auf beiden Seiten äußerst hoch, niemand gab sich eine Blöße.

Doch die Mannschaft ganz in Weiß kam allmählich mehr in Fahrt. Rogge mit Schmackes an den linken Pfosten, hier noch Glück für die Ukraine (5.). Doch Sekunden später 1:0 für Deutschland durch Oliver Hörauf.

Ebenfalls noch in der 6. Minute erhöhte das Geburtstagskind auf 2:0 - mit enormer Wucht geworfen, prallte der Ball in hohem Bogen vom Abwehrspieler ab und hinter ihm in das blau-weiße Tornetz. Die etwa 2000 Zuschauer in der Stadthalle tobten - so erlebte diese EM am Ende doch noch einmal eine Kulisse, wie sie sie verdient hatte!

Doppelter Hörauf zum 4:1-Pausenstand

In der 10. Minute meldeten sich die Ukrainer mit dem Anschlusstreffer zurück, aber die Weißen wurden nicht nervös, sondern zahlten es den Schwarz-Gelben doppelt "heim": Oliver Hörauf, der 22-jährige Bautzener, dieser Teufelskerl! Da knallte er die 1,25 Kilogramm schwere blaue Kugel 48 beziehungsweise 36 Sekunden vor der Pause zweimal ins Tor - und damit stand es 4:1 nach der Hälfte der zweimal zwölf Minuten.

Im weiteren Verlauf war die Heimmannschaft dem fünften Treffer zunächst näher als der Kontrahent seinem zweiten. So durch Feistle, dessen Penalty jedoch abgewehrt wurde(15.). Doch dann flutschte doch mal einer durch - 4:2 (17.).

Aber Deutschland hat ja einen Hörauf, der sich so etwas nicht bieten lässt: Nur Sekunden vergehen, da trifft der Mann mit der Nummer sechs wieder. Er macht sein viertes Tor an diesem Nachmittag, und da sind es wieder drei Vorsprung!

5:2 und noch sechseinhalb Minuten. Zu früh, um schon zu triumphieren. Aber die Zeit läuft nicht den Schützlingen von Trainer Johannes Günther davon...

Die Deutschen lassen überhaupt nichts anbrennen. Der Zeiger tickt aus Sicht der Osteuropäer unbarmherzig. Mittlerweile nur noch drei Minuten, und es liegt eher sogar das 6:2 in der Luft.

Allmählich nimmt die Goldmedaille Gestalt an - und das muss sie doch sein, als Michael Feistle 2:28 Minuten vor Schluss tatsächlich das 6:2 markiert!!!

Na klar, das ist sie. Die Ukrainer sind konsterniert, die glauben nicht mehr daran. Den Rest der Zeit haben die Gastgeber leichtes Spiel. Nach Thomas Steiger wechselt Günther auch noch den Ex-Rostocker Reno Tiede (als die rückwärts laufende Uhr noch 5,6 Sekunden anzeigt) ein.

"Das ist einfach ein megageiles Ding!", feierte Oliver Hörauf den Titel ab. "Mir fehlen fast die Worte. Wir hatten uns ein Ziel gestellt und athletisch hart dafür gearbeitet. Dieses ganze scheiß Training, es hat sich gelohnt. Jetzt sind wir Europameister. Es ist einfach geil."

Auch Michael Feistle konnte es noch gar nicht richtig glauben: "Es waren zwei Tage ein Ritt auf den Nerven mit dem Spiel im Viertelfinale gegen Griechenland und gestern der Overtime im Halbfinale, und jetzt gewinnen wir das so sicher! Ehrlich gesagt bin ich jetzt auf der letzten Rille (er hielt trotz Adduktorenproblemen durch - d. Red.), aber wir sind Europameister, und dann auch noch Geburtstag!"

Titel bei den Damen geht an die Türkei

Den Titel bei den Damen holte die Türkei durch ein 8:6 im Endspiel gegen Israel.

Deutschland zeigte ein herausragendes Match um Platz drei und eroberte vor allem dank der siebenfachen Torschützin Charlotte Hartz mit einem 8:2 über Großbritannien die Bronzemedaillen.

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