zur Navigation springen

Mecklenburg-Vorpommern : 56 000 Menschen leben von Tafeln

vom

In Mecklenburg-Vorpommern sind zehntausende Menschen auf die Lebensmittelangebote der Tafel-Vereine angewiesen - gleichzeitig aber geht die Spendenbereitschaft zurück.

svz.de von
erstellt am 27.Apr.2012 | 09:44 Uhr

Schwerin/Rostock | In Mecklenburg-Vorpommern sind zehntausende Menschen auf die Lebensmittelangebote der Tafel-Vereine angewiesen - gleichzeitig aber geht die Spendenbereitschaft zurück. "Es wäre schön, wenn es wieder etwas mehr Unterstützung gebe", appelliert Landesverbandsvorsitzender Willi Grabow, der auch in Wolgast die Tafel organisiert. Allein in der Peenestadt werden 1200 Menschen über das Angebot versorgt - die kleine Kommune hat gerade mal rund 13 000 Einwohner.

Theoretisch muss also fast jeder zehnte Bürger die Tafel in Anspruch nehmen. Allerdings versorgen die Wolgaster Helfer auch Menschen von der benachbarten Insel Usedom und aus dem Altkreisbereich. Immer, so Grabow, wenn die Tourismussaison starte, merke dies die Tafel - dann sinke die Zahl der Nutzer, weil so manche Saisonarbeitskraft in Lohn und Brot kommt. Insgesamt versorgen die Tafeln laut Grabow etwa 56 000 Menschen in MV. Auf Landesebene konstatiert der Vorsitzende ein Ost-West-Gefälle: Die Strukturschwäche im Osten mache sich auch bei den Tafeln bemerkbar.

Indirekt bestätigt das der Chef der Tafel in der Landeshauptstadt Schwerin, Peter Grosch. Das Spendenaufkommen dort sei gut, schätzt er ein. Derzeit komme zudem wieder mehr Obst und Gemüse auf den Markt und man produziere auch selbst. Und aufgrund von Unternehmensansiedlungen in der Region erwartet Grosch, dass die Zahl der Spendenempfänger bald sinken könne. Trotzdem bewege sich Schwerin schon immer auf einem hohen Niveau - 2500 Menschen sind bei dem Verein mit elf Ausgabestellen in der gesamten Region - unter anderem in Ludwigslust, Boizenburg und Hagenow - als sogenannte Abholer registriert. Gemeinhin rechnet die Tafel mit drei Personen, die über einen dieser Abholer mitversorgt werden - also etwa 7500 im Verantwortungsbereich von Peter Grosch und seinen Mitstreitern.

Die besondere Strukturschwäche im Osten des Landes kann - so zynisch sich das anhören mag - auch mal ein Vorteil sein: "Von Wirtschaftskrisen merken wir nichts", so der Neubrandenburger Tafel-Chef Frank Münzberger. Grund: Wo wenig ist, kann nur wenig zusammenbrechen. 20 Tonnen Hilfsgüter bewegen die Viertorestädter in der Woche, 2000 registrierte Nutzer gibt es dort. Dreimal in der Woche habe man geöffnet, einmal in der Woche können die Betroffenen das Angebot nutzen. Missbrauch versuche man dabei so weit als möglich auszuschließen, erläutert Frank Münzberger. Hartz-IV-Bescheinigungen müssen ebenso vorgelegt werden wie auch Rentenbescheide. Mit Namen und Vornamen würden die Nutzer dann auf Karten registriert, die auch einmal pro Jahr aktualisiert werden.

In der größten Stadt des Landes schließlich ist naturgemäß auch die Zahl der Betroffenen am größten. 4346 Abholer zählt die Rostocker Tafel in diesem Jahr, 2011 waren es noch 4249, bilanziert Tafel-Chef Jürgen Wegner. Auf die Frage nach der Spendenbereitschaft antwortet er mit Ironie: "Wenn wir mehr Spenden hätten, hätten wir auch mehr abzuholen." Der Rostocker Verein arbeitet übrigens mit sogenannten Bufdis - Bundesfreiwilligendienst - und Ein-Euro-Jobbern. So erübrige sich die Sorge, ausreichend ehrenamtliche Helfer zu finden, die dann auch oft im vorgerückten Alter seien und die körperlich schwere Arbeit bei der Tafel nur schwierig stemmen könnten, so Wegner.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen