Häfen in MV : 40-Millionen-Marke geknackt

Offshore-Bereich  von Port Mukran im Blick
Offshore-Bereich von Port Mukran im Blick

Die Jahresbilanz der Häfen in MV im Vergleich zeigt differenzierte Ergebnisse – neben Rekorden gibt es auch Einbußen. Die Infrastruktur wird weiter ausgebaut.

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24. Januar 2018, 07:30 Uhr

Erstmalig in der Geschichte des Landesverbandes Hafenwirtschaft MV wurde 2017 durch die Häfen zwischen Wismar und Wolgast die 40-Millionen-Tonnen-Marke geknackt. Der bisherige Rekordwert von 39,52 Millionen aus dem Jahr 2015 wurde um fast 500 000 Tonnen überboten, so Sören Jurrat, Vorsitzender des Verbandes, dem inzwischen zwölf Mitgliedsunternehmen angehören – auch Euroports zählt seit Jahresbeginn wieder dazu. Gegenüber dem Vorjahr betrug der Zuwachs zwei Prozent. Hinzu kommt noch das Ergebnis von Greifswald, dessen Betreiber nicht Mitglied des Verbandes ist.

Die einzelnen Umschlagplätze haben zu dem guten Gesamtergebnis differenziert beigetragen. Den größten Anteil steuerten die Rostocker Häfen bei, wo insgesamt über 28 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen wurden.

Wismar

Im Vergleich zum Vorjahr erzielte der Seehafen Wismar ein leichtes Plus im wasserseitigen Umschlag von zwei Prozent. Über alle Verkehrsträger wurde erneut ein Gesamtumschlag von etwa 7,1 Millionen Tonnen erreicht. Die Bauarbeiten des zweiten Bauabschnittes der Hafenerweiterung laufen planmäßig, sodass die operative Inbetriebnahme der neuen Terminalfläche mit 45 000 Quadratmetern voraussichtlich Ende 2018 erfolgen kann. Im Sommer beginnt der Bau einer Bahnüberführung. Mit der Fertigstellung in zwei Jahren laufen dann die Bahnverkehre barrierefrei. Anfang 2018 wird ein vollautomatisiertes Lkw-Gate in Betrieb genommen. Das Kreuzfahrt-Geschäft wächst weiter. Nach elf Schiffsanläufen 2017 sind in diesem Jahr 14 Anläufe geplant. Die Umbauten am Kreuzfahrt-Liegeplatz im Alten Hafen sind so gut wie abgeschlossen und somit ist dieser Kai wieder für die Kreuzfahrt-Saison nutzbar, die am 14. April mit dem Anlauf der „Astoria“ beginnt und erst im Dezember mit der „Albatros“ endet.

Stralsund

Das Jahr 2017 endete im Seehafen Stralsund mit einem Umschlagzuwachs von knapp zehn Prozent gegenüber 2016. Insgesamt wurden an den Kaianlagen des Nord-, Süd- und Frankenhafens 1,8 Millionen Tonnen bewegt. Hauptanteil hat der Massengutbereich. Ausfuhren von synthetischem Gips nahmen erneut zu, Einfuhren von Baustoffen wie Splitt und Mineralgemisch sowie Importe von Düngemitteln stiegen erheblich. Zudem erfolgten 111 Anläufe von Flusskreuzern.

In diesem Jahr wird mit der Wiederaufnahme der Produktion der MV Werften mit einem Anziehen des Umschlags von Blechen und Profilstählen gerechnet. Beim Gleisanschluss zum Frankenhafen (ein 14-Millionen-Projekt) werden sich die Bauarbeiten bis zur Fertigstellung im Herbst auf die Gleisanlagen im Kaibereich konzentrieren. Die Umschlagtechnik wird mit einem modernen Mantsinen-Kran leistungsfähiger.

Greifswald

Der Weg zum Hafen Ladebow war 2017 erschwert. Aufgrund der immer flacher werdenden Zufahrt, wo die Abladetiefe im ersten Halbjahr zunächst auf fünf Meter und im zweiten sogar auf 4,20 sank, ging der Umschlag auf insgesamt 138 119 Tonnen zurück. „Diese Mengen wurden zum Großteil bis August erzielt. Danach haben wir keine Dünger- und Splitt-Schiffe mehr nach Ladebow bekommen“, beklagt der Rostocker Betreiber RZU das Dilemma. Mit den Ansiedlern hofft er, dass vom Wasser- und Schifffahrtsamt Mitte des Jahres Baggerarbeiten durchgeführt werden, um wieder eine Abladetiefe von fünf bis 5,70 Meter zu erhalten.

Vierow

Trotz der Umschlageinbußen im Vergleich zu den Vorjahren bleibt Henning Bligenthal, der Juniorchef des kleinen vorpommerschen Hafens, optimistisch. Einmal mehr hat sich die Kooperation mit der Viela Export sowie die Zusammenarbeit mit dem Port Mukran bewährt. Für einen dritten Liegeplatz sind die Planungen auf den Weg gebracht worden, im Sommer wird der Bau einer Düngemittelhalle mit einer Kapazität von 35 000 Tonnen fertig.

Als Erfolgsgarant wird die Zulieferung per Schiff nach Mukran gesehen, von wo dann größere Getreidefrachten nach Übersee gehen können. Für die in beiden Häfen tätige Viela Export steht so im Vorjahr ein Umschlag über 850 000 Tonnen zu Buche.

Wolgast

Auch Wolgast nutzt die Effekte der Kooperation. Hellmut Heinz, der Geschäftsführer der Wolgaster Hafengesellschaft, sieht seinen Hafen wieder in leichtem Aufwind. Der Umschlag, der sich inzwischen allein auf den Südhafen konzentriert, stieg auf 201 000 Tonnen. Bei Getreide hat sich der Umschlag auf niedrigem Niveau stabilisiert.

Heinz ist zuversichtlich, dass sich der Aufwärtstrend auch 2018 fortsetzen wird. Landwirtschaftliche Produkte bestimmen die Umschlagspalette des Hafens, dessen alleiniger Gesellschafter seit 2017 die Peene-Stadt ist.

Mukran

Der Wandel zum Universalhafen schreitet im Port Mukran weiter voran. Im Umschlag werde ein Zuwachs um 54 Prozent zum Vorjahr verzeichnet. Der deutliche Anstieg basiere auf die Anlieferung/Verschiffung der Rohre für Nord Stream 2, berichtet die Agentur des Hafens. Auch der wertintensive Umschlag für Offshore-Windprojekte hat prozentual deutlich zugelegt, macht sich aber in der Tonnage nicht so stark bemerkbar.

Die Infrastruktur wurde weiter ausgebaut. So ist der Liegeplatz 10 mit Schwerlastkai und -flächen fertiggestellt worden und wird nun aktuell für das Arkona-Offshore-Projekt genutzt. Die Gleisanlagen wurden bis an die Kaikanten erweitert – ein neues Gleis ist seit September im Betrieb. Erstes Projekt war der Umschlag von Seekabeln. Im Offshore-Servicehafen wurden die Betriebsgebäude für Iberdrola und Eon bezogen. Dort wird die Mole verlängert, um ideale Voraussetzungen für das An- und Ablegen von Service- und Supportschiffen zu schaffen.

Die Installationsaktivitäten von Iberdrola für Wikinger wurden erfolgreich abgeschlossen, die Inbetriebnahme erfolgte Ende 2017. Die Installation für den Windpark „Arkona“ von Eon lief an und geht 2018 weiter. Für das Wasco-Werk wurden mehr als 60 000 Rohre für Nord Stream 2 geliefert. Rund 17 000 sind inzwischen ummantelt.

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