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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 05:00 Uhr

Flüchtlinge in Rostock : 3000 Asylbewerber erwartet

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Verwaltung sucht neue Gemeinschaftsunterkünfte / Integration aufenthaltsberechtigter Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt scheitert bislang

svz.de von
erstellt am 28.Dez.2015 | 12:00 Uhr

Im kommenden Jahr erwartet Rostock rund 3000 Asylbewerber, die zum Großteil in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden sollen. Bislang gibt es laut Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) allerdings nur etwa 1200 fixe Plätze. Für das ehemalige Bürogebäude in Gehlsdorf-Langenort sei gerade der Mietvertrag unterzeichnet worden. Dort kommen ab dem 1. April 320 Asylbewerber unter.

Eine Ghettobildung solle aber vermieden werden, so Methling. Daher werden die Betroffenen bewusst auf verschiedene Stadtteile verteilt. Im ersten Halbjahr etwa wird ein altes Studentenwohnheim in der Möllner Straße geöffnet. Dort sollen 224 Asylbewerber wohnen. Weitere 200 werden im ehemaligen Gymnasium Reutershagen in der Bonhoefferstraße einquartiert, 399 im erweiterten Heim in der Satower Straße und bis zu 130 in der ehemaligen HWBR in Marienehe. Die Stadt suche weiter fieberhaft nach geeigneten Immobilien, so Methling. Unter anderem führe die Verwaltung intensive Gespräche mit dem Hotel Garni in Toitenwinkel. Darüber hinaus stünden mindestens 20 weitere Immobilien auf der Liste.

„Wir achten bei den Ausschreibungen darauf, dass ,Rostock hilft‘ die Chance hat, mit dabei zu sein“, sagt Methling. Für rechtssichere Verträge zwischen der Stadt und dem Netzwerk müssten sich die Helfer aber in einem Verein oder in einer gemeinnützigen Gesellschaft zusammenschließen.

Deutlich entschärft hat sich die Lage bei den Transitflüchtlingen. Seit Anfang September haben mehr als 35 000 Rostock als Durchlaufstation nach Schweden genutzt. Derzeit seien es nur noch etwa 50 bis 100 am Tag, so Methling. „Viele von ihnen nehmen wir gar nicht wahr“, sagt er. Seine Zahlen stammen vor allem von den Fährreedereien. Für diejenigen, die in der Stadt übernachten, steht eine ehemalige Gewerbehalle in der Schmarler Industriestraße zur Verfügung. Sie wurde für ein Jahr angemietet und bietet bis zu 500 Menschen Platz.

„Das Thema ist eine Herausforderung“, sagt Methling. „Es bleibt uns gar nichts anderes übrig, als den Satz ,Wir schaffen das‘ von Angela Merkel aufzunehmen.“ Allerdings kritisiert er die Bundesregierung zugleich: „Es ist nicht ehrlich zu sagen, wir kämen ohne Mehrbelastung und Steuererhöhungen aus.“ Zwar erstatte in MV das Land den Kommunen die Kosten für die Unterbringung und Versorgung von Asylbewerbern, aber „die drei Millionen Euro bleiben öffentliches Geld. Das sind nicht eingeplante Belastungen.“

Und auch auf Rostock selbst kommen hohe Kosten zu. Denn sobald die Asylanträge genehmigt werden, haben die Betroffenen Anspruch auf Leistungen, wie sie auch Arbeitslosengeld-II-Empfänger erhalten. „Am Ende bezahlt die Hansestadt für jeden anerkannten Flüchtling die Kosten der Unterkunft“, so Methling. Pro Person würden für Rostock rund 390 Euro pro Monat fällig, der Bund zahle 350 Euro. Das gelte auch für die 700 Menschen, deren Asylanträge allein im August anerkannt wurden. „Nicht einer von ihnen hat Arbeit gefunden“, so Methling. Nur mit Mühe seien zehn von ihnen in ein – öffentliches – Arbeitsförderprogramm integriert worden.

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