3,30 Meter hohe Deiche entstehen

<strong>Dr. Stefan Cantré</strong> überwacht die letzten Bauarbeiten an der Versuchsbaustelle auf den Spülfeldern der Stadt. <foto>Uni Rostock</foto>
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Dr. Stefan Cantré überwacht die letzten Bauarbeiten an der Versuchsbaustelle auf den Spülfeldern der Stadt. Uni Rostock

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19. Juni 2012, 08:20 Uhr

Rostock | Auf dem städtischen Spülfeld Radelsee in Markgrafenheide sind in den vergangenen Wochen 3,30 Meter hohe Deiche entstanden. Sie sollen jedoch nicht die Küstenregion schützen, sondern Erkenntnisse darüber liefern, inwieweit Baggergut aus Flüssen und Bodden als Ersatzmaterial für den Deichbau geeignet ist. Dadurch ließen sich enorme Kosten einsparen. Federführend bei diesem Forschungsprojekt namens "Dredg Dikes" ist die Rostocker Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät. Prof. Fokke Saathoff vom Lehrstuhl für Geotechnik und Küstenwasserbau leitet gemeinsam mit Dr. Stefan Cantré das Projekt, das von der EU mit 1,85 Millionen Euro gefördert wird. Die Rostocker Wissenschaftler bekommen dabei Unterstützung von der Technischen Universität Danzig und dem Steinbeis Transferzentrum für Angewandte Landschaftsplanung.

Vor zwei Jahren bekamen die Rostocker Wissenschaftler den Zuschlag für das Projekt. Saathoff mutmaßte schon damals: "Wir sind einer neuen Bauweise auf der Spur, die international von Interesse sein könnte." Er sollte Recht bekommen: Neben den zuständigen Behörden aus Deutschland und Polen sind auch Unternehmen aus Deutschland, Polen, Litauen und Lettland an dem Projekt beteiligt. In Markgrafenheide testen die Wissenschaftler Baggergut als Ersatzmaterial für den Deichbau in großmaßstäblichen Versuchen. Die ersten zwei parallel angelegten Versuchsdeiche sind jetzt auf den Spülfeldern der Hansestadt errichtet worden. Dafür wurde feinkörniges Baggergut aus Mecklenburg-Vorpommern als Baumaterial verwendet. Die Testdeiche sind 3,30 Meter hoch, etwa 150 Meter lang und am Fuß 50 Meter breit. Die Bauwerke sind in acht Abschnitte geteilt, an denen unterschiedliche Bauweisen, Materialien und Querschnitte getestet werden. Im Langzeittest werden jetzt die Eigenschaften der Baumaterialien auf Durchsickerung und Erosionsstabilität, aber auch ihr Verhalten bei Überflutung untersucht. Verbaut wurden unter anderem Seesand für den Deichkern und Baggergut von der Warnowquerung für die Deckschicht. Dieses Material ist mehrere Jahre lang gereift.

Für Hans-Joachim Meier, Leiter des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg, sind die Vorteile klar: "Wenn es den Forschern gelingt, den Nachweis zu erbringen, dass Baggergut für den Deichbau genutzt werden kann, bringt das gerade für Mecklenburg-Vorpommern große Vorteile." Meier verweist auf notwendige Küstenschutzmaßnahmen, beispielsweise auf dem Darß. Der Deichbau werden wesentlich preiswerter, wenn Baggergut zum Bau verwendet werden kann. Dieses falle nicht nur an der Küste, sondern auch im Binnenland an, sagt der Projektkoordinator Dr. Stefan Cantré. Allein auf den Rostocker Spülfeldern, die von der Hansestadt Rostock betrieben werden, könnten jährlich bis zu 200 000 Kubikmeter aufbereitet werden. Getrocknet eignet sich das feinkörnige Bodenmaterial mit seinem Humusanteil unter anderem auch für den Landschaftsbau.

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