Familie : 24-Stunden-Kita soll Eltern entlasten

Freuen sich auf das Projekt: Ines Rosenfeld, Christian Müller, Sandra Demirci und Michael Brieger (v. l.)
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Freuen sich auf das Projekt: Ines Rosenfeld, Christian Müller, Sandra Demirci und Michael Brieger (v. l.)

Die Gesellschaft für Gesundheit und Pädagogik plant ab 2015 ein erstes Ganztagsangebot für Menschen im Schichtdienst.

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04. Februar 2014, 12:00 Uhr

Wenn Polizeioberkommissar Christian Müller in Rostock auf Verbrecherjagd geht, weiß er nicht, was ihn erwartet und ob er seinen Dienst pünktlich beenden kann. „Vieles ist einfach nicht planbar“, sagt er. Eine Verfolgungsjagd etwa kann nicht einfach abgebrochen werden. Hinzu kommen die schwankenden Arbeitszeiten im Schichtdienst. Seine beiden Jungs aus der Kita abholen muss der 31-Jährige trotzdem – eine Zwickmühle, in der zahlreiche Rostocker von der Krankenschwester bis zum Straßenbahnfahrer stecken.

Für sie will die Gesellschaft für Gesundheit und Pädagogik (GGP) im kommenden Jahr Rostocks erste 24-Stunden-Kita eröffnen. Dafür plant sie ein zweites Haus auf dem Grundstück ihrer Betreuungseinrichtung in der Humperdinckstraße in Reutershagen. Von insgesamt 110 Plätzen sollen zunächst 50 für die Rundum-Betreuung reserviert werden. „Uns ist es wichtig, das 24-Stunden- und das Regelangebot miteinander zu vermischen“, sagt GGP-Bereichsleiter Wolfgang Richter. So sei gewährleistet, dass die Kinder auch dann weiter in der Einrichtung betreut werden können, wenn ihre Eltern nicht mehr im Schichtdienst arbeiten müssen. Das erspare ihnen den Umgewöhnungsprozess.

In ihr Projekt will die GGP mehr als zwei Millionen Euro investieren. Die Idee dazu geht auf eine bereits drei Jahre alte Anfrage der Polizei zurück, die sich bessere Bedingungen für ihre jungen Eltern im Schichtdienst wünscht. „Wir hatten seitdem verschiedene Standorte im Blick", sagt Wolfgang Richter. Die Humperdinckstraße sei schon der achte, für den die Planungen aufgenommen wurden. Die früheren Vorhaben waren beispielsweise an den Eigentumsverhältnissen der Grundstücke oder auch an den jeweils gültigen Bebauungsplänen gescheitert.

Nun folgt der neue Anlauf. Der Bauantrag ist bereits gestellt. Läuft alles glatt, soll noch in diesem Jahr mit den Arbeiten begonnen werden. Wolfgang Richter rechnet mit rund 15 neuen Arbeitsplätzen, die entstehen. Das Konzept sehe vor, dass mindestens eine Fachkraft immer anwesend sei. Sie könne nachts aber beispielsweise durch Studenten unterstützt werden. Sorgen, dass die Kinder von ihren Eltern in der Kita abgeladen werden könnten, tritt Wolfgang Richter entschieden entgegen. Den Betroffenen solle aber ermöglicht werden, ihre Kinder beispielsweise drei Tage in der Woche bei den Betreuern unterzubringen und vier Tage selbst mit ihnen zu verbringen.

Ein großer finanzieller Verdienst sei für die GGP mit dem neuen Angebot nicht verbunden. Die 24-Stunden-Kita solle gerade für Normalverdiener bezahlbar sein. „Uns interessiert das Thema einfach, weil wir die Not der Menschen sehen“, sagt der GGP-Bereichsleiter. Denn viele Eltern seien auf die Kindertagesstätten angewiesen. „Der Anteil der Eltern, bei denen Großeltern oder andere Verwandte nicht vor Ort sind, nimmt zu“, sagt Ines Rosenfeld, ebenfalls von der GGP. So sei schon jetzt im Haus in der Humperdinckstraße wahrzunehmen, dass immer öfter Freunde die Kinder abholen würden, weil die Eltern selbst durch ihre Arbeit verhindert seien.

Für Polizeioberkommissar Christian Müller käme das nicht in Frage: „Ich möchte es mir nicht nehmen lassen, meine Kinder selbst abzuholen.“ Das sei allein schon deswegen wertvoll, um sich mit den Erziehern über mögliche Probleme austauschen zu können. Ganz so weit wie er ist sein Kollege, Polizeioberkommissar Michael Brieger, noch nicht, noch fehlt der Nachwuchs. Aber auch er und seine Lebensgefährtin, die ebenfalls im Schichtdienst arbeitet, begrüßen die Pläne für die 24-Stunden-Kita: „Das wäre durchaus ein Angebot, dass wir überdenken würden.“ Zumal der vorgesehene Standort sehr zentral liege und leicht erreichbar sei. Das war einer der Hauptpunkte der GGP bei ihren Überlegungen.

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